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Auftakt der Außensanierung: Stefan M. Rokoss und seine Ehefrau Yu Ho-Fang freuen sich über die Fortschritte bei der Sanierung des Wasserschlosses Schweckhausen. Demnächst soll hier eine Steinbrücke über die Gräfte führen. - © Hermann Ludwig
Auftakt der Außensanierung: Stefan M. Rokoss und seine Ehefrau Yu Ho-Fang freuen sich über die Fortschritte bei der Sanierung des Wasserschlosses Schweckhausen. Demnächst soll hier eine Steinbrücke über die Gräfte führen. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Schloss Schweckhausen wird aufwändig saniert

Sanierung: Millioneninvestition für die Stiftung. Schlosseigentümer Stefan M. Rokoss und Architekt Lothar Beltz begutachten, wie die Gräfte trocken gelegt wird

Hermann Ludwig
12.02.2019 | Stand 12.02.2019, 08:17 Uhr

Willebadessen-Schweckhausen. Die Sanierung des Wasserschlosses Schweckhausen schreitet voran. Am Montag wurde damit begonnen, die Gräfte um das Schloss auszubaggern. Unter Aufsicht eines Ärchäologen wurde zunächst der Wassergraben an der Westseite von den Schlammmassen befreit. Schlosseigentümer Stefan M. Rokoss und Architekt Lothar Beltz verfolgten interessiert, wie behutsam Schicht für Schicht abgetragen wurde, um die Struktur des Wassergrabens zu dokumentieren. Immer wieder wurden die Höhen ausgemessen. "Der Wassergraben hatte keinen natürlichen Zufluss. Man hat hier einen Damm aufgeschüttet und das Wasser hineingeleitet. Der benachbarte Bach, die Ugge, liegt viel tiefer", erklärt Beltz. Mit dem Schlamm den Garten modellieren "Der ausgebaggerte Schlamm wird in der Nähe deponiert und soll später nach der Trocknung genutzt werden, um den Garten zu modellieren", erläutert der Warburger Architekt Beltz, der die Gesamtmaßnahme plant. "Wenn wir alles freigelegt haben, werden wir an an die Sanierung der äußeren Gebäudesubstanz begeben", skizziert Stefan M. Rokoss das weitere Vorgehen. Die Millioneninvestition tragen der Schlossherr mit seiner Ehefrau Yu Ho-Fang aus eigenen Mitteln. In vier Abschnitten wird die Außensubstanz saniert, auch die Außenmauer der Gräfte wird neu gestaltet. Die mehr als zwei Meter hohe Mauer soll etwas verkleinert werden. Wenn das Gerüst aufgebaut ist, wird in den jeweiligen Abschnitten eine Komplettsanierung erfolgen. Die Bruchsteinmauer wird ausgebessert, dann wird ein Schlämmputz aufgebracht. "Dieser Opferputz soll die Steinstruktur erhalten", erklärt Architekt Beltz. Denn die Mauersubstanz habe an vielen Stellen gelitten, nicht nur an den Stellen, wo die Mauern dem Wasser ausgesetzt waren. Hufeisenförmig mit drei Gebäudeflügeln Das Schloss gruppiert sich hufeisenförmig mit drei Gebäudeflügeln auf der Gräfteninsel. Im Osten steht der lang gestreckte, zweigeschossige Hauptflügel aus dem 16. Jahrhundert mit Fachwerkgiebeln an der Nord- und Südseite. An den Hauptflügel schließt sich am Binnenhof und an der Gartenseite jeweils ein achteckiger Turm an, hier erfolgten bereits erste Sanierungsarbeiten. Auch die beiden schmucken Häuser an der Hauptstraße mit der Stellmacherei und der Schmiede sind bereits fertiggestellt und schon vom LWL als Denkmal des Monats herausgestellt worden. "Ziel ist es, den Originalzustand wieder herzurichten", betont Rokoss, der sich selbst intensiv mit der Baugeschichte des Hauses beschäftigt hat. Riesig freut er sich auf die Umsetzung des Projektes, denn seine Stiftung soll in den historischen Gemäuern ein angemessenes Umfeld haben. Die Stiftung für historische Wissenschaften und Denkmalpflege will in dem Schloss Ausstellungen durchführen, Vorträge und Konzert sind ebenfalls geplant. "Dazu wird im nächsten Jahr der Innenbereich saniert. Dabei wollen wir die historischen Grundrisse wieder aufnehmen", sagt Rokoss. Neu gebaute Brücke aus historischem Bruchstein Um für das historische Ensemble auch einen angemessenen Zugang zu erhalten, wird der aufgeschüttete Damm am westlichen Eingang abgebaut. An dieser Stelle soll eine neu gebaute Brücke aus historischem Bruchstein den Zugang ermöglichen. "Dann kann die Gräfte auch wieder frei um das Schloss herum fließen", meint Architekt Beltz. Bei den jeweiligen Sanierungsschritten werden dann auch die Dächer und Fenster ausgebessert. Aufwendig werde auch die Sanierung der Fachwerkelemente, weiß Architekt Beltz. Trotz der enormen Flächen - Lothar Beltz beziffert die Fassadenfläche auf 1.830 Quadratmeter - soll die Außensanierung noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die auszukoffernde Gräftefläche beträgt 3.000 Quadratmeter. "Da kommen etwa 6.000 Kubikmeter Schlamm zusammen", summiert Beltz. "Das ist ein tolles Vorhaben" Über die Entwicklung freut sich auch Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Schmitt, der die Arbeiten an der Gräfte beobachtete. Der Archäologe Sascha Scherm, der die Arbeiten beaufsichtigt, machte am Montag schon die ersten Funde. "Ein Holzstück aus dem Giebel haben wir gefunden. Jetzt werden wir das Alter dendrochronologisch noch genau bestimmen", so der Fachmann, der sich über eine Einladung des Schlossherren freut, während der Baumaßnahme im Schloss wohnen zu dürfen. "Das ist ein tolles Vorhaben, es kommt wirklich nicht oft vor, dass so ein Projekt mit so einem Aufwand saniert wird", staunt der Fachmann.

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