Fachkundig: Der Bad Driburger Schmetterlingsexperte Heinrich Biermann (l.) erläutert auf den Kalktriften bei Willebadessen ökologische Zusammenhänge. - © Hermann Ludwig
Fachkundig: Der Bad Driburger Schmetterlingsexperte Heinrich Biermann (l.) erläutert auf den Kalktriften bei Willebadessen ökologische Zusammenhänge. | © Hermann Ludwig

Willebadessen Seltene Falterexemplare auf dem Schmetterlingspfad in Willebadessen

Naturfreunde auf dem Falterpfad

Hermann Ludwig

Willebadessen. Fast 40 Teilnehmer verzeichnete jetzt eine lehrreiche Exkursion des Naturkundlichen Vereins Egge Weser (NEW) auf dem Schmetterlingspfad in Willebadessen. Sichtlich beeindruckt waren die Gäste von der Artenvielfalt auf den Trockenrasenflächen an der Altenheerser Straße. Gleichsam im Schneckentempo ging es auf Tour, immer wieder unterbrochen von Beobachtungen einzigartiger Schmetterlinge. Der Bad Driburger Schmetterlingsexperte Heinrich Biermann, der das Gebiet seit fast vier Jahrzehnten von vielen Exkursionen kennt, und der Vorsitzende des Naturkundevereins, Ralf Liebelt, erläuterten die ökologischen Zusammenhänge in diesem Kleinod der Region. "Wir konnten unter anderem Falterarten wie Großer Perlmutterfalter, Silbergrüner Bläuling, Schwalbenschwanz, Mattscheckiger Braun-Dickkopffalter, Blauer Eichen-Zipfelfalter, Gemeines Blutströpfchen, Großes Ochsenauge und Tagpfauenauge beobachten", bilanzierte Ralf Liebelt, der sich über die vielen fachkundigen Fragen freute. Auf dem Muschelkalk haben sich Pflanzengesellschaften aus wärmeliebenden Gräsern, Kräutern und Sträuchern gebildet. Die Gemeindeweiden waren bis 1967 beweidet, wobei die Kühe und Ziegen von einem Hirten betreut wurden. Die Beweidung dieser Flächen führte zu einer gewissen Nährsalzarmut, die, verbunden mit der Trockenheit des Kalkgesteins und der Wärme der zumeist nach Süden und Südwesten exponierten Flächen, die Entwicklung von Halbtrockenrasen förderte. Diese sind reich an Orchideen, anderen seltenen Pflanzen und sie sind Lebensraum für seltene Schmetterlinge. Diese sind an Halbtrockenrasen gebunden über ihre Raupenfutterpflanzen und die benötigten hohen Temperaturen. Nach dem Wegfall der Beweidung verbuschten weite Flächen, einige Bereiche wurden wieder aufgeforstet. Um den Kalkmagerrasen zu retten, kaufte die NRW-Stiftung Flächen auf, die von der Landschaftsstation im Kreis Höxter dann wieder entbuscht wurden. Seit 2004 steht das Gebiet unter Naturschutz. Die Pflegemaßnahmen stellen seit 2000 den alten Zustand der Hude-Wirtschaft schrittweise und mosaikhaft wieder her, wobei Eingriffe immer nur Teilbereiche betreffen: Hecken werden zurückgeschnitten, Altgras entfernt. Mehr als 50 Tagfalterarten wurden bisher nachgewiesen "Wichtig für den Schmetterlings-Lebensraum ist auch der Windschatten", erläutert Heinrich Biermann die Anpflanzungen von Eichen, an denen sich bei genauem Hinsehen auch der Blaue Eichenzipfelfalter finden lässt. Zudem besteht über die Zeit vom Frühling bis zum Herbst ein günstiges Nektarpflanzenangebot, damit auch die Falter nicht zu kurz kommen. Mehr als 50 Tagfalterarten wurden in dem Gebiet bisher nachgewiesen. Der Falterpfad gehört wie das Diemeltal mit seinen 750 Hektar Kalkmagerrasen für Schmetterlingsexperten zu den Hot Spots für Beobachtungen. Auf den Kalktriften findet sich auch der größte heimische Enzian, der Kreuzenzian. Der im Mitteleuropa seltene Enzian dient den Raupen eines noch selteneren Schmetterlings, des Kreuzenzian-Ameisenbläulings, als Futterpflanze. In Mitteleuropa sind beide Arten, Pflanze und Falter, nirgendwo so häufig anzutreffen wie im Kreis Höxter. Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling nutzt die Namen gebende Pflanze als Futterpflanze für seine Raupen. Diese lassen sich dann später von Ameisen in deren Bau tragen, wo sie durchgefüttert werden und ab Mitte Juni ab Mitte Juni als fertiger Falter schlüpfen, eine einzigartige Symbiose. Der Auszug muss allerdings schnell erfolgen, ansonsten wird der Schmetterling selbst zum Opfer. Bis Mitte Juli können die im Ameisennest geschlüpften Falter auf den Triften bei ihrer gaukelnden Brautschau beobachtet werden. Schmetterlinge sind Einzelgänger, Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung. Ins Auge fällt auch der Schwalbenschwanz, der zumeist die Wilde Möhre und die Pimpinelle als Wirtspflanze nutzt. Es leben viele dieser Spezialisten auf den Kalktriften, aber auch Generalisten wie der Kohlweißling sind zu sehen. Überhaupt ist in diesem Jahr das Schmetterlingsvorkommen auf den Kalktriften durch den heißen Simmer besonders groß. "Raupen sind wechselwarm, bei diesem warmen Wetter ist der Stoffwechsel angeregt", erläutert Biermann. Vom Kohlweißling fliege derzeit schon die dritte Generation, so der Bad Driburger. Zu beobachten seien viele Schmetterlinge, die sich wie der Mauerfuchs, der gerne auf Felsen oder auf Wegen sitzt, gerne sonnen. Seit 20 Jahren beschäftigt sich Heinrich Biermann intensiv mit Zählungen der Schmetterlinge, wobei nach seinen Beobachtungen der Bestand stabil ist. Nach subjektivem Empfinden sei jedoch ein Rückgang bei den Nachtfaltern zu erkennen, sagt Biermann.

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