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WARBURG Wie Stadt und Leinwand Heimat geben

Vor 100 Jahren wurde die Warburger Malerin Hannah Kohlschein geboren

VON DIETER SCHOLZ
17.05.2012 | Stand 16.05.2012, 18:58 Uhr
In welchem Jahr Hanna Kohlschein ihr Selbstportrait (oben) malte, ist nicht bekannt. - © REPRODUKTION: MUSEUM IM STERN
In welchem Jahr Hanna Kohlschein ihr Selbstportrait (oben) malte, ist nicht bekannt. | © REPRODUKTION: MUSEUM IM STERN

Warburg. Sie gehört zu den Künstlern, die zu Lebzeiten kaum Aufsehen um sich selbst gemacht haben: Vor 100 Jahren Jahren, am 17. Mai 1912, wurde Hannah Kohlschein geboren. In der Stadt Konitz in Pommern. Ein gutes halbes Jahrhundert lebte Hannah Kohlschein in Warburg, der Stadt an der Diemel, wohin sie 1945 aus dem umkämpften Königsberg über die Ostsee geflohen war. Auf Weisung ihres Ehemanns.

Die Heimatstadt ihres Mannes Karl Kohlschein wurde auch ihre Heimat. Sie arbeitete neben der Malerei als Grundschullehrerin in der Falk-Schule. Von ihrer Kindheit bis zur Flucht aus Ostpreußen lebte sie in Königsberg.

Durch ihren Vater Robert Budzinski, einen bekannten ostpreußischen Maler und Grafiker, erlebte sie die erste Berührung mit der Kunst. Mit dem Eintritt in die Königsberger Kunstakademie gegen Ende der 1930er Jahre hatte ihre Ausbildung als Malerin begonnen. Einer ihrer Lehrer war damals der junge Kunstdozent Karl Kohlschein. Sie verliebten sich, Kohlschein wurde bald ihr Ehemann.

Die kurze Zeit der Ehe endete 1945 mit der Flucht Hannah Kohlscheins aus Königsberg, wo ihr Mann als Soldat zurückbleiben musste. Die Flucht führte sie mit ihrer Mutter und beiden Kindern mit dem Schiff über die Ostsee. Die alte Hansestadt Warburg hatte ihr Karl Kohlschein als Stammheimat seiner Familie, die in Warburg in Sachen Kunst einen herausragenden Klang hat, ans Herz gelegt. Mit ihren Kindern lebte die Malerin im eigenen Haus an der Eichendorffstraße auf der Hüffert. 1996 zog Hannah Kohlschein mit 84 Jahren in die Nähe ihrer beiden Kinder. Sie wohnte in einem Altersheim am Rande der Stadt Freiburg. Dort starb sie am 11. August 1997.

Hannah Kohlscheins künstlerischen Anfänge in Königsberg lagen in der Graphik. Über am Abstrakten orientierte Glasmalereien, auch mit religiösen Motive, fand sie zu Pinsel und Leinwand. Daneben standen schon früh Entwürfe für großformatige Wandteppiche. Bilder ihrer Jugend und Studienzeit haben die Flucht aus Ostpreußen nicht überlebt. In den frühesten Landschaftsbildern zeigt sich noch der unbewussten Einfluss ihres Vaters Robert Budzinski in Malweise und Farbgebung: Skizzierende Darstellungen mit schnellen und sicheren Pinselstrichen.

"Hannah Kohlschein ging in der Malerei grundsätzlich von der gegenständlichen Welt mit ihren realen Formen und Farben aus, malte aber nie im Sinne einer Abbildung", sagt Rudolf Bialas vom Museumsverein.

Sie nutzte die Möglichkeiten und Freiheiten der kunstgeschichtlichen Entwicklung ihrer Zeit. Impressionismus, Expressionismus, abstrakte Malerei oder Malerei der Neuen Sachlichkeit bestimmten das ausgehende 19. und dann das 20. Jahrhundert. Kohlschein experimentierte und näherte sich der gegenstandslosen Malerei an. " Ihre bevorzugten Motive waren Stillleben, Bäume, Blicke in die Landschaft, ins Diemeltal, auf den fernen Gaulskopf und in ihren Garten, den sie sehr liebte", bemerkt Bialas.

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