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Zimmermeiser Heinz-Arno Wachs, Architekt Andreas Kropp, Pfarrer Wolfgang Fabian, Statiker Holger Albrecht und Architekt Stephan Kalms (v. l.) untersuchen derzeit mit Argusaugen die Dachbalken des Arnoldihauses. Ein Sicherungskonzept soll in den kommenden zwei Monaten stehen. - © FOTO: SANDRA WAMERS / GRAFIK ANDREAS KROPP
Zimmermeiser Heinz-Arno Wachs, Architekt Andreas Kropp, Pfarrer Wolfgang Fabian, Statiker Holger Albrecht und Architekt Stephan Kalms (v. l.) untersuchen derzeit mit Argusaugen die Dachbalken des Arnoldihauses. Ein Sicherungskonzept soll in den kommenden zwei Monaten stehen. | © FOTO: SANDRA WAMERS / GRAFIK ANDREAS KROPP

WARBURG Dachstuhl muss gesichert werden

Renovierungsarbeiten am Arnoldihaus

VON SANDRA WAMERS
26.01.2012 | Stand 25.01.2012, 18:56 Uhr

Warburg. Es knirscht im Gebälk des mächtigen Arnoldihauses - und das nicht erst seit gestern. In dem 1513 erbauten, 22 Meter hohen Haus hat sich der Giebel nach hinten gelehnt. Darüber hinaus sind die Kopfbalken in den Jahrhunderten durchgefault. "Das Haus ist nicht ausreichend standsicher", sagt Statiker Holger Albrecht.

Akuter Handlungsbedarf besteht. "Den Sanierungsbedarf hat auch die Bauabteilung des Generalvikariates festgestellt", bestätigt Thomas Throenle von der Pressestelle des Erzbistums Paderborn.

Ein konkreter Zeitplan stehe aber noch nicht. An vielen Stellen in dem 499 Jahre alten Haus hat der Zahn der Zeit genagt. "Es ist eine Zahl aus dem Bauchgefühl", setzt Architekt Kropp mit wiegendem Kopf an: "Bei Arbeiten für das ganze Haus sind wir von zwei Millionen Euro nicht weit entfernt." Aber vor einer Grundauf-Renovierung und Restaurierung des denkmalgeschützten Hauses stehen erst einmal die Sicherungsmaßnahmen an. Es geht hinauf auf den 400 Quadratmeter großen Dachboden.

Dort wurde in den vergangenen Tagen groß Kehraus gemacht. Zimmerleute haben Taubenschläge und alte Bretter entfernt und neue Laufstege verlegt. Währenddessen haben sich die Experten umgeschaut. Besonders im Fokus: Der Nord-Giebel zur Bernhardi-Straße. Das mächtige Dreieck hat sich in Jahrhunderten nach hinten geneigt.

Das heutige Fachwerk ist marodes Blendwerk. "In den 1970er Jahren wurden Bretter auf das Fachwerk genagelt", erklärt Architekt Kropp. Regenwasser ist durch die leichte Rückenlage des Giebels hinter diese Holzverblendung gelaufen. Die Balken sind morsch. Und noch einen massiven Schaden haben die Experten festgestellt: "Das Fachwerk ist auf einer tragenden Schwelle gebaut", erzählt der Architekt. Die heutige Schwelle sei bereits eine Hilfskonstruktion zur Stabilisierung des Giebels aus den 1970er Jahren. Auch dieser Ständer ist morsch geworden.

Die nächsten Brennpunkte sind die Balkenköpfe an den Ost- und Westseiten. "Sie sind faul", sagt Statiker Holger Albrecht, "deshalb sind die Sparren im Balkenkopf versunken." Wegen solcher Ergebnisse dürfe die Sicherung nicht auf die lange Bank geschoben werden, sind sich die Experte sicher. In den kommenden zwei Monaten soll das Sicherungskonzept stehen.

Es muss mit Bedacht gefertigt werden. "Denn die Notmaßnahmen sollen sich später in das Gesamtkonzept einfügen", betont Andreas Kropp. Vorerst aber sollen sie den Planern und Kostenstellen zeitlich Luft verschaffen. Bis zu einer halben Millionen Euro könnte eine Komplettsanierung des Dachstuhls kosten, setzt Architekt Kropp zu einer vorsichtigen Schätzung an. Die Sicherungsarbeiten sollen darunter bleiben. Auch bei den ersten Maßnahmen dürfe die Gesamt-Renovierung des Arnoldihauses nicht aus dem Blick geraten.

Den Blick richtet Pfarrer Wolfgang Fabian auch auf die pastoralen Räume. Die befinden sich im Wandel. "Wir müssen schauen, wie das Haus zukünftig genutzt werden soll", sagt der Pfarrer der St.-Marien-Gemeinde. Durchschnittlich drei bis acht Veranstaltungen finden pro Woche in dem Arnoldihaus statt, das seit 1936 der rund 2.200 Gläubigen zählenden Gemeinde gehört. Messdiener und Senioren treffen sich dort. Es gibt eine Bücherei. Letztendlich bleibe, so Pfarrer Fabian, die Gesamt-Renovierung abhängig von den Strukturen des großen Pastoralverbandes. "Das müssen wir im Verband besprechen. Noch ist es eine offene Frage."