Steinheim Stolpersteine gegen Barrieren im Kopf

Künstler Gunter Demnig erinnert an ermordete Juden Steinheims

VON MADITA PEINE
Der Künstler Gunter Demnig verlegt in der Marktstraße der Emmerstadt Stolpersteine, die an die jüdische Familie Herzfeld erinnern. Eingraviert sind die Namen, Geburts- und Todesdaten der ehemaligen Steinheimer Kaufleute. - © FOTO: MADITA PEINE
Der Künstler Gunter Demnig verlegt in der Marktstraße der Emmerstadt Stolpersteine, die an die jüdische Familie Herzfeld erinnern. Eingraviert sind die Namen, Geburts- und Todesdaten der ehemaligen Steinheimer Kaufleute. | © FOTO: MADITA PEINE

Steinheim. Die Innenstadt Steinheims ist in den letzten Monaten barrierefrei umgestaltet worden - und doch wurden gestern sieben Stolpersteine in das neue Pflaster eingebaut. Sie erinnern an jüdische Familien, die vor ihrer Deportation in der Emmerstadt wohnten. Künstler Gunter Demnig ist der Begründer des Erinnerungsprojekts und verlegte die Steine im Beisein vieler Steinheimer Bürger.

"Der Hintergrund dieser Aktion ist kein Grund zur Freude", sagte Gunter Demnig, nachdem er die ersten beiden Stolpersteine in der Detmolder Straße vor dem Haus mit der Nummer 4 verlegt hatte. Die Steine erinnern an Elise und Fanny Löwendorf, zwei jüdische Frauen, die 1942 ermordet wurden. "Wir wollen dort an unsere jüdischen Mitbürger erinnern, wo sie gewohnt haben, bis das Grauen begann", erklärte Demnig. Die Oberseite der Steine ist aus Messing. "Dieses bleibt durch das Herüberlaufen der Menschen blank und lesbar", sagte der Künstler, "und so bleibt auch die Erinnerung an die jüdischen Bürger bestehen". Wenn man die Daten auf den Stolpersteinen lese, senke man automatisch den Kopf, was einer Verbeugung gleichkomme.

Bei der Verlegung der ersten sieben Steine in der Steinheimer Innenstadt waren auch Sonja Mühlberger und ihr Bruder Peter Krips anwesend, denn auch vor dem ehemaligen Kaufhaus ihrer Großeltern, Carl und Martha Herzfeld, wurden Gedenksteine eingebaut. "Ich bin sehr froh, dass an meine Großeltern erinnert wird", sagte Mühlberger sichtlich gerührt. "So ein Projekt ist aufregend und gleichzeitig beruhigend", sagte Tanja Rubens, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn. Es sei wichtig, dass die Vergangenheit nicht vergessen wird. Sie wünsche sich, dass die Vorurteile gegenüber Juden noch deutlicher als lächerlich und unmoralisch eingestuft werden.

Auch Bürgermeister Joachim Franzke gedachte der ehemaligen Bürger Steinheims. "In der Emmerstadt wurden Juden verfolgt und entrechtet", sagte er, "so etwas möge sich nicht wiederholen". Um wie viele jüdische Bürger es sich handelt, könne man nicht ganz genau sagen. "Die Recherchen sind noch nicht endgültig abgeschlossen, aber es ist zu vermuten, dass 40 Juden aus Steinheim Opfer der Judenverfolgung wurden", sagte er.

Demnigs Erinnerungsprojekt ist noch lange nicht abgeschlossen. Seit Jahren verlegt er die Stolpersteine in ganz Europa. "Allein im letzten Jahr war ich 235 Tage unterwegs, um die Steine in zahlreichen Städten einzubauen", erzählte er. Auch in der Emmerstadt sollen zukünftig noch weitere Stolpersteine verlegt werden.

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