Der Vördener Julian Finkam vor einem Waggon des Circus Theaters Roncalli. - © Privat
Der Vördener Julian Finkam vor einem Waggon des Circus Theaters Roncalli. | © Privat

Marienmünster Schlagzeuger Julian Finkam gibt beim Circus Roncalli den Rhythmus vor

Der Vördener hat Musik studiert und tourt seit drei Wochen als Schlagzeuger der Live-Band des bekannten Circus-Theaters Roncalli durch Deutschland

Marienmünster-Vörden. Zirkusluft hatte Julian Finkam bisher noch nie geschnuppert. Und doch war er gleich Feuer und Flamme, als er das Angebot bekam, sich dem Circus-Theater Roncalli anzuschließen. Nicht als Akrobat und schon gar nicht als Clown. Der Vördener ist Schlagzeuger mit Leib und Seele und gibt seit gut drei Wochen bei der Band, die live bei jeder Aufführung spielt, den Rhythmus vor. „Ich hatte auch als Kind null Kontakte zum Zirkus. Ich wusste auch lange nicht, dass da eine Liveband spielt", sagt der 26-jährige Finkam, der schon mit fünf Jahren mit dem Trommeln angefangen hat. Ein ehemaliger Dozent, der selbst lange bei Roncalli spielte, gab ihm den Tipp. „Ich habe vorgespielt und wurde genommen. Als Berufsmusiker so ein Angebot zu bekommen, ist schon top. Klar ist es nicht so interessant, als wenn man bei einer Popband spielen würde. Es ist ein Abenteuer, aber man ist schon in einem sicheren Fahrwasser und auch versichert", weiß Finkam, wie schwer es ist, als Musiker beruflich Fuß zu fassen. „Als Studiomusiker zu arbeiten, ist natürlich auch gut, wenn man in diesem System drin ist. Da benötigt man aber auch Vitamin B", erklärt er. »Ich hatte als Kind null Kontakte zum Zirkus« Er hat in Osnabrück soziale Arbeit mit Schwerpunkt Musik studiert und als Bachelor abgeschlossen. Aber er wollte mehr und hat am Drummers Institut in Krefeld weiterstudiert und das Diplom erworben. „Danach habe ich mich erst einmal in die Musikschulen gestürzt und unterrichtet", erklärt er seinen Werdegang. Unter anderem hat er auch in Paderborn beim Musikschul-Taxi gearbeitet, quasi eine Musikschule auf Rädern, wo die Kinder und Jugendlichen zu Hause unterrichtet werden. „Ich war dann aber schon sehr lange in der Unterrichtsschiene drin und hatte Sehnsucht nach was anderem", so Finkam. Und das Angebot zu etwas Anderem kam: Er hat bei dem 1975 von den beiden Österreichern Bernhard Paul und André Heller gegründeten Zirkus einen Tourvertrag abgeschlossen, der für zehn Monate gilt. In diesem Jahr tourt Roncalli nur in Deutschland, nächstes Jahr sind auch die angrenzenden Länder mit dabei. Von mittwochs bis sonntags werden jeweils zwei Vorstellungen gegeben, nur montags und dienstags hat Julian Finkam frei. „Die beiden Tage sind dann mein Wochenende. Ich fahre Sonntagabend nach Vörden und verbringe die Tage mit meiner Freundin, die am Wochenende selbst viel als Sängerin unterwegs ist", erklärt er sein momentanes Familienleben. Auch in der großen Zirkusfamilie gefällt es ihm sehr gut. Arbeitsplatz mit Blick auf die Manege „Die Kollegen und auch die Artisten, die aus verschiedenen Ländern kommen, sind sehr hilfsbereit und nett, es ist eine angenehme Atmosphäre." Geschlafen wird in Zugwaggons, die per Lkw dann zu den Veranstaltungsorten gefahren werden. „Der Zirkusdirektor Bernhard Paul setzt auf Tradition, das ist ihm wichtig. Er ist netter und vor allem geerdeter Typ", ist Finkam auch von seinem Chef, der seit über 40 Jahren Zirkus lebt, angetan. In dieses Leben ist der Vördener nun auch eingetaucht. Und es gefällt ihm. Kein Wunder, schließlich spielte Finkam mit der Band bei fast allen Vorstellungen vor vollem Zelt. „Es passen knapp 1.500 Besucher in das Zirkuszelt. Am Wochenende war es bisher immer ausverkauft. Selbst in der Woche kamen bisher nie weniger als 1.200 Zuschauer. Ich bin echt positiv überrascht." Die Band hat zwei Aufgaben. Vor der Vorführung spielt sie im Eingangsbereich, bei den Vorstellungen hat sie ihren Platz über dem Bühneneingang – mit Blick auf die Manege. Neben der bekannten Zirkusmelodie muss die Band auch die Artisten bei ihren Kunststücken begleiten und sorgt für Effekte bei den Auftritten der Clowns oder Magier. „Da muss man auf den Punkt sein. Es ist komplett was anderes, als ich vorher gespielt habe", erklärt der Vördener. Sein Talent wurde früh erkannt. Auf Initiative von Maren Thauern nahm er als kleiner Junge schon Privatunterricht bei Josef Thiemann, der bei der in der Region sehr populären Band Selection spielte. „Mit 14 hatten wir dann unsere erste Schülerband, haben Rock und Pop gecovert. Nachher habe ich auch in Top-40-Bands gespielt", blickt Julian Finkam zurück. Jetzt spielt er in einer Neun-Mann-Combo, die von mittwochs bis sonntags zweimal am Tag jeweils gut drei Stunden performen muss. Momentan kann sich der 26-Jährige vorstellen, auch längerfristig beim Zirkus zu bleiben. Sein Vorgänger war sogar 17 Jahre Schlagzeuger in der Band. Aber es zieht ihn immer wieder in die Heimat. Seine Freundin, Fußball bei der SG Altenbergen/Vörden und der Schützenverein sind die Hauptgründe – 2015 war er sogar Schützenkönig in Vörden. „Für das Schützenfest habe ich mir schon freigenommen", unterstreicht Julian Finkam seine Heimatliebe.

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