Im Workshop "Das nächste Opfer bist du" zeigen diese Siebtklässler von Gymnasium, Haupt- und Realschule auf gelben Karten Regeln und Schlagwörter, die sie mit Computerfachleuten zum Verhalten im Netz erarbeitet haben. - © FOTO: CPA
Im Workshop "Das nächste Opfer bist du" zeigen diese Siebtklässler von Gymnasium, Haupt- und Realschule auf gelben Karten Regeln und Schlagwörter, die sie mit Computerfachleuten zum Verhalten im Netz erarbeitet haben. | © FOTO: CPA

Höxter Vernetzt und verletzt

Schikanen per Internet: Aktionstag "Cybermobbing" der drei Schulen im Schulzentrum Höxter richtet sich an Schüler und Eltern

VON CHRISTINE PANHORST
An der Wand der Hauptschule Am Bielenberg entsteht am Aktionstag ein Wandgemälde zum Thema Mobbing.
An der Wand der Hauptschule Am Bielenberg entsteht am Aktionstag ein Wandgemälde zum Thema Mobbing.

Höxter. Bereits in der Grundschule wird Mia (Name von der Redaktion geändert) von Mitschülern konsequent drangsaliert. An der weiterführenden Schule sei es zunächst besser geworden, erzählt die Schülerin. "Dann hat meine beste Freundin aus Spaß angefangen, mich bei Facebook zu beschimpfen." Andere Schüler machten mit. Die Situation eskalierte. Cybermobbing unter Schülern - das gezielte Schikanieren im Internet oder per Handy, wie im Fall Mia - ist kein Einzelfall.

Das Schulzentrum Höxter ist sich dessen bewusst und hat jetzt einen Aktionstag dem Thema "Cybermobbing" gewidmet. Nicht nur Bewusstsein auch Selbstbewusstsein soll das Angebot, das sich an alle Siebtklässler im Schulzentrum richtet, schaffen - um sich zu wehren. "Heute setzen sich rund 280 Jugendliche der drei Schulen im Schulzentrum mit dem Thema Mobbing in 21 Workshops auseinander", sagt Sarah Tyrasa. Sie ist Sozialpädagogin und hat gemeinsam mit den Lehrern und Sozialpädagogen im Arbeitskreis "Cybermobbing" den Tag organisiert.

Informatik-Studenten Dennis Dittrich und Markus Abrams (v. l.) zeigen Schülern, was alles im Netz gespeichert wird.
Informatik-Studenten Dennis Dittrich und Markus Abrams (v. l.) zeigen Schülern, was alles im Netz gespeichert wird.

Für jeweils ein bis zwei Workshops konnten sich die Siebtklässler im Alter zwischen 13 und 15 Jahren anmelden. "Auch 30 Elternteile haben sich angemeldet", sagt Tyrasa. Besonders beliebt bei den Schülern seien die beiden Film-Workshops und der Tanz-Workshop, die das Thema kreativ umsetzen, und Workshop-Titel, die provozieren.

"Das nächste Opfer bist du" heißt ein Workshop mit Computerfachleuten. Dirk Tollkühn und Jan Ringbeck von MR Systeme haben gemeinsam mit ihrer Gruppe eine Liste mit Regeln erarbeitet - zum sicheren Umgang mit dem Internet. Da heißt es: "Schreibe online und in sozialen Netzwerken im Internet nur, was du auch laut in einem Bus rufen würdest." Tollkühn erzählt, dass er selbst als Vater dem Netzwerk Facebook beigetreten ist. "Denn du kannst deine Kinder nur da schützen, wo du selbst bist."

Oft müsse der Leidensdruck groß werden, bis im Netz terrorisierte Kinder die Eltern einschalteten, sagt Marion Kunisch von der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik und Ambulanz Höxter. "Solch einen Aktionstag wie jetzt im Schulzentrum müsste es viel häufiger geben." Auch gemeinsam mit einer Schülergruppe könne nach Lösungen gesucht werden.

Wie in Kunischs Workshop, in dem auch Schülerin Mia sitzt. In Gruppenchats im Internet wird sie noch immer gemobbt. "Ich steige dann sofort aus", erzählt das mutige Mädchen den Mitschülern. Diese wollten sofort helfen, sagt Kunisch. Und das können sie: Denn wer im am Nachmittag Internet gemobbt wird, leidet häufig auch in der Schule.

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