Architekt Albert Henne in der Technikzentrale von St. Johannes Baptist. - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Architekt Albert Henne in der Technikzentrale von St. Johannes Baptist. | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Lüchtringen Die modernste Heiztechnik im Bistum

Im Lüchtringer "Weserdom" sorgen zwei Grundwasser-Wärmepumpen für warme Füße beim Beten

VON BURKHARD BATTRAN

Lüchtringen. Die modernste Kirche im gesamten Erzbistum steht in Lüchtringen. Baulich ist die 110 Jahre alte Pfarrkirche St. Johannes Baptist zwar im neugotischen Stil der vorigen Jahrhundertwende gehalten, aber heizungstechnisch gibt es weit und breit nichts Besseres. "Die alte Warmluftheizung musste dringend erneuert werden und da haben wir uns gedacht, wenn, dann machen wir es richtig", sagt der stellvertretende Kirchenvorstand Alfons Kümmel.

Jetzt schlägt in dem historischen Kirchenbau ein modernes Herz. Zwei Grundwasserwärmepumpen sorgen für ein angenehmes Raumklima und verbrauchen dabei nur ein Bruchteil der Energie im Vergleich zu der alten Ölheizung. "Wegen der Nähe zur Weser ist der Grundwasserspiegel in Lüchtringen sehr hoch, da ist so eine Anlage die ökologisch und energiewirtschaftlich beste Lösung", erklärt Planer und Projektleiter Albert Henne aus Höxter. Vier zwischen 13 und 15 Meter tiefe Rohre, die zu jeweils zwei sogenannten Saug- und Schluckbrunnen führen, sorgen für das nötige Wasservolumen. Um die Kirche zu heizen wird aus 40 Kubikmetern Grundwasser mit speziellen Wärmetauschern Energie entzogen, die dann zu höheren Temperaturen verdichtet wird. "Auf diese Weise heizen wir die Kirche mit der Wärmeenergie des Grundwassers", erläutert Architekt Henne.

Intonateur Thomas Heinemann (l.) und Orgelbauer Sebastian Sauer. - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Intonateur Thomas Heinemann (l.) und Orgelbauer Sebastian Sauer. | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Keine kalten Füße mehr

Die umfangreiche Heizungstechnik ist in einem kleinen Behelfskeller auf engstem Raum untergebracht. "Wegen des regelmäßigen Hochwassers gibt es keinen richtigen Keller. Der Technik-Raum, der auch schon bisher als Heizzentrale diente, ist aber wasserdicht gegossen, sodass nichts passieren kann", beruhigt der Projektplaner. Bei der neuen High-Tech-Heizung wird auch nicht einfach nur warme Luft in den Raum geblasen, sondern in erster Linie sorgt eine Fußbodenheizung für ein heimeliges Klimagefühl in dem über 400 Plätzen fassenden Lüchtringer "Weserdom".

Barfuß würde man beim Beten warme Füße bekommen. Energietechnischer Hintergrund ist, dabei, dass Luftwärme schnell verpufft, während der Gesteinsboden Heizenergie über längere Zeit speichern kann. "Das war natürlich sehr aufwändig, denn für die neue Fußbodenheizung musste der gesamte Bodenaufbau mit Dämmung und Trägerplatten aus Lavastein, Heizschleifen und Natursteinbelag in der Höhe einer Stufe errichtet werden, wodurch eine Stufe der bisher dreistufigen Chorstufenanlage entfallen ist", erläutert Henne.

Pastor Thomas Nal, Planer Albert Henne und Kirchenvorstand Alfons Kümmel (v.l.). - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Pastor Thomas Nal, Planer Albert Henne und Kirchenvorstand Alfons Kümmel (v.l.). | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Für die Gemeinde hieß das, alles was drinnen war, musste raus, damit die Bodenfliesen abgetragen und nach dem Einbau der Fußboden-Heizschleifen neu verlegt werden konnten. Die Kirche hat einen neuen Natursteinboden aus Wesersandstein erhalten. "Damit ist die Kirche auch wieder in ihren Ursprungszustand von 1902 zurückversetzt worden", betont Henne. "Mit 20 Helfern hat die Gemeinde in Eigenleistung die Kirche ausgeräumt und dankenswerter Weise hat ein örtlicher Landwirt eine Scheune als Zwischenlager zur Verfügung gestellt", stellt Pastor Thomas Nal das große Engagement heraus, mit dem sich die Kirchengemeinde mit eingebracht hat.

Und da die Kirche nun schon mal leer und ohne Fußboden war, machte es Sinn, auch gleich notwendige Maurerarbeiten und Putzreparaturen auszuführen. Erneuert wurden auch die Deckengemälde der beiden Heiligen Ansgar und Vitus, die die Verbundenheit zur Corveyer Abtei-Geschichte symbolisieren.

Information

Am Sonntag Festgottesdienst

  • Ein komplettes Jahr konnte die Lüchtringer Pfarrkirche St. Johannes Baptist nicht genutzt werden.
  • Gottesdienste fanden im Pfarrheim statt.
  • "Am Dreikönigstag im Januar sind wir ausgezogen, jetzt freuen wir uns auf den Wiedereinzug", sagt Pastor Thomas Nal.
  • Am Sonntag, 16. Dezember, 15 Uhr wird der Lüchtringer Weserdom mit einem feierlichen Festgottesdienst wiedereröffnet.
  • Alle Chöre und Musikgruppen der Ortschaft werden den Festgottesdienst mitgestalten. (bat)

Auch klanglich präsentiert sich der Lüchtringer "Weserdom" künftig in neuer Brillanz. "Im Zuge der Innensanierung war es nötig, die Orgel als Schutzmaßnahme auszubauen. Bei dieser Gelegenheit haben wir das gesamte Instrument gewartet, die Pfeifen gesäubert und neu intoniert", erklärt Orgelbauer Sebastian Sauer (33) aus Ottbergen. Da die Orgelarbeiten erst zuletzt gemacht werden können, wird die historische Feith-Orgel von 1905 erst wieder voraussichtlich ab Mitte Januar in allen 35 Registern erklingen.

Insgesamt 780.000 Euro hat die Kirchensanierung gekostet. Das Erzbistum hat dabei 80 Prozent der neuen Heizung und 70 Prozent der sonstigen Sanierung getragen. Um den Eigenanteil der Gemeinde macht sich Kirchenvorstand Kümmel keine Sorgen: "Durch die Einsparung bei den Energiekosten, wird sich das schon bald amortisieren". Von Außen war die Kirche anlässlich des 100-jährigen Bestehens vor zehn Jahren saniert worden und ist somit insgesamt in einem hervorragenden Zustand.

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