NW News

Jetzt installieren

0
Höxter

Der letzte Vorhang fällt

Kino im Deutschen Haus soll im Juni seine Pforten schließen / Filmbesucher sind traurig und enttäuscht

VON JULIA RADTKE
22.02.2011 | Stand 18.12.2012, 14:27 Uhr

Höxter. Bald ist es aus mit den gemütlichen Kino-Abenden in der Kreisstadt: Ab dem Sommer wird es voraussichtlich in Höxter kein Lichtspielhaus mehr geben. Nach Informationen der Neuen Westfälischen soll das Kino im Deutschen Haus in der Höxteraner Fußgängerzone zum 1. Juni schließen.

Das ist nun bereits das zweite Kino im Kreis Höxter, das in diesem Jahr dicht machen wird. Das Filmtheater s in Lauenförde hat seine Pforten schon vor wenigen Wochen geschlossen.

Zieht sich auch das letzte Kino aus der Kreisstadt zurück, müssen die Höxteraner nach Holzminden, Brakel, Bad Driburg, Borgentreich oder Warburg fahren, um Filme sehen zu können. Der Betreiber des Deutschen Hauses, Dr. Heribert Schlinker, wollte gestern die Schließung weder bestätigen noch dementieren. Er verwies stattdessen auf einen Pressetermin in der nächsten Woche.

Die Jugendlichen in Höxter sind von den Nachrichten jedenfalls alles andere als begeistert. "Wir sind mit diesem Kino aufgewachsen und daran gewöhnt, dass wir immer eines in der Nähe hatten", sagt Maike Hartmann aus Höxter. Die 13-Jährige hat gerade mit ihren Freundinnen zusammen Karten für Kokowääh gekauft. Als Kind sei sie allerdings noch öfter ins Kino gegangen, gibt sie zu.

Dana Kloth merkt an, dass im Höxteraner Filmhaus manche Filme gar nicht liefen oder erst verspätet. Trotzdem findet die 13-Jährige es schade, dass das Kino schließt. "Wir können ja nicht immer bis nach Paderborn fahren", sagt sie. "Und von uns Schülern sind schon viele regelmäßig in die Vorstellungen gegangen", fügt sie hinzu.

In den 50er und 60er-Jahren war die Stadt Höxter in Sachen Kino ein richtiger Vorreiter. 1956 entstand auf dem Grundstück eines alten Dampfsägewerks das Residenz-Filmhaus. Mit einem Saal, der über 700 Plätze hatte, war es das erste Großkino seiner Art im ostwestfälischen Raum. 1979 entstand ein zweiter Saal, in den Jahren 1981/82 ein dritter. Zwischenzeitlich gab es sogar ein Lichtspieltheater "Rex" in der Corbiestraße. Das heutige Kino "Deutsches Haus" wurde bereits in den 1930er-Jahren unter dem Namen "Central-Kino" eröffnet. "Ein sehr traditionsreiches Haus. Wir waren sehr dankbar, dass es von Dr. Schlinker 1989 übernommen wurde", sagt Stadtheimatpfleger Wilfried Henze. Schlinker habe das Haus nicht nur umgebaut, sondern mit Einführungsvorträgen zu Filmen für eine hohe Qualität gesorgt.

Ende des Jahres 1999 musste das Residenz-Kino allerdings schließen. Es wurde zur Stadthalle umgebaut. Mit dem Deutschen Haus verschwindet nun auch das letzte Stück Filmgeschichte aus Höxter.
     

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.