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Kontrolle: Der Sicherheitsdienst beim Blick in die Taschen und Rucksäcke. - © Manuela Puls
Kontrolle: Der Sicherheitsdienst beim Blick in die Taschen und Rucksäcke. | © Manuela Puls

Höxter Sause am Godelheimer See nahe Höxter unter Kontrolle

An der Godelheimer Freizeitanlage herrscht diesmal Schnaps-Verbot. Es kommen weniger Maiwanderer als sonst

Manuela Puls
01.05.2019 | Stand 03.05.2019, 20:43 Uhr

Godelheim. Klirrend landet eine Wodka-Flasche im Container. Bei der Mai-Sause am Godelheimer See werden die Besucher in diesem Jahr auf Hochprozentiges kontrolliert. Nach gut zwei Stunden ist der Sammelbehälter am Zugang vom Weserradweg aus schon zu einem Drittel gefüllt. Dafür ist der Strand aber auch wesentlich leerer als sonst. Das beklagen jedenfalls die meist jugendlichen Mai-Wanderer, die sich seit Jahren an der Höxteraner Freizeitanlage treffen. Da rollt schon der nächste Bollerwagen-Trupp an. „Einmal Taschen auf und alles hochheben", sagt Christopher Busche vom Sicherheitsdienst. Er schnüffelt an jeder angebrochenen Softdrink-Flasche. Schließlich könnten Cola, Fanta und Co. mit Schnaps vermischt sein. „Das ist kein Wasser, das kommt weg", lautet sein Urteil. Und wieder landet eine Pulle im Container. „Bis jetzt verhalten sich alle freundlich und kooperativ", lobt der Sicherheitsmann, der allzu diskussionsfreudigen Jugendlichen mit einem lockeren Spruch schnell den Wind aus den Segeln nimmt. Zuletzt mehrere Körperverletzungen und eine Messerstecherei „Es klappt bis jetzt gut, alle lassen sich bereitwillig kontrollieren", sagt auch Volker Rodermund von der Stadt Höxter. Ordnungsamt und Polizei hatten sich zu dem Schnaps-Verbot entschlossen, weil die Mai-Party am See zuletzt aus dem Ruder gelaufen war. Mehrere Körperverletzungsdelikte und sogar eine Messerstecherei hatte es gegeben. Auch in diesem Jahr wird den Sicherheitskräften bei den Einlasskontrollen später übrigens ein Messer in die Hände fallen. Die Kontrollen werden von den Besuchern unterschiedlich aufgenommen. „Hier harten Alkohol zu verbieten, bringt nichts", meinen Tia Kurt, Ferdi Demirci und Jan Kassebeer aus Höxter. Viele würden dann einfach vorglühen und den Schnaps schon auf dem Weg zum See austrinken. Dass die Behörden auf dem Platz nach dem Rechten schauen, finden die Drei aber positiv. Schließlich habe es im vergangenen Jahr bei der Mai-Sause schlimme Auseinandersetzungen gegeben. „Viele haben sich einen anderen Ort zum Feiern gesucht" Alicia Loges hält die neuen, strengeren Regeln für eher kontraproduktiv. „Viele haben sich deswegen einen anderen Ort zum Feiern gesucht", meint die Höxteranerin. Das sei „total schade", habe man hier doch in den vergangenen Jahren viele Leute treffen können, zum Beispiel ehemalige Mitschüler. „Mit den Kontrollen machen sie hier die Atmosphäre kaputt", lautet ihre Kritik. Ähnlich sieht das ein junger Brakeler. „Wegen der Kontrollen ist hier viel weniger los als sonst", argumentiert er. Und die Besucher könnten sich schließlich auch schon vorher mit Schnaps abschießen. „Für mich ist der 1. Mai hier am See ein ähnliches Highlight wie der Annentag in Brakel, wo man viele Leute mal wiedersieht", betont er. Vereinzelte Familien mit Kindern, aber auch radelnde Senioren „Hausherr" Volker Rodermund, der zuständige Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung, will den Besuchern mit dem neuen Sicherheitskonzept keineswegs den Spaß verderben. Er sieht es positiv, dass in diesem Jahr nicht ganz so viele Maiwanderer zum Godelheimer See gekommen sind. „Dann ballt sich das hier nicht so und ist nicht so konzentriert auf diesen einen Platz", meint er. Zwischen dem feiernden Jungvolk sieht man vereinzelte Familien mit Kindern, aber auch radelnde Senioren. Das Publikum am See ist auch bei der Mai-Sause sehr gemischt. „Wir wussten gar nicht, was heute hier los ist", sagen zwei junge Mütter aus Höxter und Holzminden, deren Nachwuchs munter im Sand buddelt. Gestört fühlen sie sich aber nicht. 4.000 Euro in Bau des Bollerwagens gesteckt Sehenswert sind die Bollerwagen, mit denen die jugendlichen Maiwanderer nach Godelheim kommen. Wie eine Lok mit Waggon sieht ein besonders aufwendiges Gefährt aus. Drei Jahre hat Marc Ferlemann aus Höxter daran gebastelt und mehr als 4.000 Euro reingesteckt. Ein Generator steckt drin, Theke, Licht- und Soundanlage, Nebelmaschine, Kühlbox – an alles haben die Höxter Boyz gedacht. „Das Gefährt hat sogar einen Antrieb mit 6,5 PS", sagt der Erbauer, der immer noch weiter daran herumtüftelt und vielleicht demnächst in die Serienproduktion gehen will. Im Zelt der Sanitäter vom Malteser-Hilfsdienst herrscht noch Ruhe. „Meist bekommen wir hier am späten Nachmittag mehr zu tun", berichtet Notarzt Albert Bosserhoff. Die überwiegende Zahl der Gäste feiere seiner Erfahrung nach friedfertig. „Hier am 1. Mai am See ist auch kein höheres Gefahrenpotenzial als beim Karneval oder beim Schützenfest", lautet seine Einschätzung. Trotzdem sei es richtig, dass die Verantwortlichen vorgesorgt hätten. Gegen 17 Uhr beginnen die Sicherheitskräfte mit den Lautsprecherdurchsagen. Um 18 Uhr soll die Wiese am See diesmal geräumt sein.

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