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Große Resonanz: Mehr als 500 Menschen zeigten in Höxter Flagge gegen rechts. - © Manuela Puls
Große Resonanz: Mehr als 500 Menschen zeigten in Höxter Flagge gegen rechts. | © Manuela Puls

Höxter Mehr als 500 Teilnehmer bei Demo gegen Hetze und Rassismus in Höxter

Wahlkampfauftritt von Beatrix von Storch treibt die AfD-Gegner auf die Straße

Manuela Puls
24.03.2019 | Stand 24.03.2019, 21:19 Uhr

Höxter. „Es ist uns wichtig, ein Zeichen gegen rechts zu setzen", sagt Jacqueline Grabosch aus Lütmarsen. Die 17-Jährige ist eine von mehr als 500 Demonstranten, die am Sonntagmittag durch Höxter gezogen sind. Den Anlass gab eine Europa-Wahlkampfveranstaltung der AfD mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch im Historischen Rathaus. „Die ist hier nicht willkommen", sagt auch Luca Derwig aus Höxter mit Nachdruck. „Bunt statt braun" steht auf dem Transparent, das die beiden jungen Frauen mitgebracht haben. Bunt geschmückt mit gelben Forsythien-Zweigen sind auch die Bollerwagen, in denen Stephanie Osterbrink ihre kleinen Kinder mitgenommen hat. „Ich bin gegen Hetze, Rassismus und Einfältigkeit", sagt die Mutter aus Höxter, die ihrem Nachwuchs damit gleich ein Stückchen Demokratie beibringen will. Auch vielen Plakaten spielt der Vogel Storch eine große Rolle. Auf dem von Annika Bahr watet das Tier schon viel zu lange „im braunen Wasser". Die 22-jährige Höxteranerin freut sich über die große Resonanz bei der Demo, zu der die Grüne Jugend, das Paderborner „Bündnis gegen rechts" und der Höxteraner Verein „Lichtalben" aufgerufen hatte. Vor allem nehmen die Demonstranten AfD-Frau von Storch aufs Korn. Einige warnen vor einer „Verstorchung des Abendlandes". „Hass macht hässlich" oder „AfD -Alternative für Dumme" ist auf weiteren Plakaten zu lesen. "Auch als Oma kann man noch demonstrieren" Auch zwei Studentinnen aus Holzminden sind gekommen: „Beatrix von Storch ist nicht die hellste Kerze auf der Torte für uns – und die AfD auf keinen Fall eine Alternative", lachen die beiden 22-jährigen Frauen. Auf ihrem Transparent spielen sie auf die Torten-Attacke gegen die AfD-Spitzenpolitikerin an, die wenig später im Höxteraner Rathaus sprechen wird. Aber nicht nur junge Leute, auch ältere Semester gehen an diesem Sonntag in Höxter auf die Straße. „Wir haben hier in der Gegend nicht so oft die Gelegenheit, was gegen die AfD zu tun, deswegen wollen wir heute zeigen, wo wir stehen", sagen beispielsweise Petra Schmitz und Ursula Zierz (beide 60) aus Albaxen. Auch als Oma kann man noch demonstrieren, beweist Sabine Schmidt-Berendes. „Wir haben uns früher darüber mokiert, dass unsere Eltern nichts gegen die Nazis unternommen haben. Jetzt müssen wir den Anfängen wehren und aus der Geschichte lernen", sagt die 75-Jährige. „Scheiß AfD" drückt es der IG-Metall-Nachwuchs schon drastischer aus. "Höxter ist aus dem politischen Winterschlaf erwacht" „Ich bin ganz überwältigt, dass wir heute so viele sind, die Flagge zeigen für ein vielfältiges Höxter", sagt Franziska Münster aus Amelunxen von der Grünen Jugend, die die Demo mitorganisiert hatte. Höxter sei aus dem politischen Winterschlaf erwacht. „Wir stehen hier zusammen, weil Menschenhass keine Alternative ist", ergänzt die junge Aktivistin. Sie kritisiert das von der AfD angestrebte „Dexit", also den Austritt der Bundesrepublik aus der EU. „Europa ist wichtig und gut für uns alle. Dass die Nationalisten Europa spalten wollen, dürfen wir nicht zulassen", ruft die Amelunxerin ins Mikro. Nach ihr spricht Hannah Schulze vom Paderborner „Bündnis gegen rechts" über Flüchtlinge, die die AfD am liebsten im Mittelmeer ertrinken lassen wolle. „Wenige leben im Reichtum, viele werden ausgebeutet. Solange das so bleibt, wird es Flucht geben", sagt die 18-Jährige aus Bosseborn. Sie freut sich, dass an diesem Sonntagmittag so viele Höxteraner der AfD die Stirn bieten: „Beatrix – wir sind mehr und wir sind lauter!" Das lassen sich die 500 Demonstranten nicht zweimal sagen und machen mit Sprechchören und Trillerpfeifen Höxter an diesem Sonntag endgültig zum hochpolitischen Pflaster. 400 Menschen kommen später zum Bürgerfest Etwa 400 Menschen versammeln sich anschließend zum Bürgerfest auf dem Marktplatz, zu dem das neue Bündnis für Demokratie und Toleranz aufgerufen hatte. „Eigentlich gibt es in dieser Form erst seit drei Wochen", erklärt Nora Wieners zur Begrüßung. Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) ist stolz darauf, dass sich so viele Organisationen, Verbände und Parteien beteiligen. Es gibt Tanz und Musik auf der Bühne und natürlich Reden. Thorsten Klute, AWO-Vorsitzender in OWL, betont die Gefährlichkeit des Rechtsextremismus, was man zuletzt wieder in Neuseeland gesehen habe. Überall, wo radikale Parolen geschwungen würden, müsse die Mitte der Gesellschaft zusammenstehen. „Hier in Höxter hat so eine Ideologie keinen Platz", rief Klute den Zuhörern auf dem Marktplatz zu. Man sehe am Beispiel des Brexit, welches Chaos Populisten anrichten könnten. Deswegen müsse die Politik den Menschen mehr soziale Sicherheit geben. Etwa 160 Zuhörer bei der AfD Etwa 160 Zuhörer kamen zur Europawahlkampfveranstaltung der AfD mit Spitzenpolitikerin Beatrix von Storch in Höxter. Die Vize-Fraktionschefin im Bundestag versprach im historischen Rathaus, die AfD werde im europäischen Parlament der „Wachhund für unsere nationalen Interessen sein." Der Dexit sei für ihre Partei nur die letzte Option: „Nicht, weil wir austreten wollen, sondern weil wir müssen", so von Storch in Höxter. Sie sprach sich gegen eine europäische Armee und gegen den Beitritt der Türkei aus. „Die ist ein Sicherheitsrisiko und kein Bündnispartner", so die AfD-Frau weiter. Europa sei nun einmal christlich-jüdisch und nicht muslimisch geprägt. Gemeinsam mit den Europakritikern in anderen Ländern wolle die AfD in Brüssel Front gegen ein vereinigtes Europa machen.

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