Dirk Sommer (50) in typischer Winterkleidung: Dunkle Jacke und Hose fallen schon in der Dämmerung kaum auf. - © Svenja Ludwig
Dirk Sommer (50) in typischer Winterkleidung: Dunkle Jacke und Hose fallen schon in der Dämmerung kaum auf. | © Svenja Ludwig

Höxter So radelt es sich im Winter sicher durch den Kreis Höxter

Zweiradhändler Dirk Sommer und die Polizei erklären, worauf Drahteselbesitzer in den dunklen Monaten achten müssen

Höxter. So langsam beginnt für viele Drahtesel die gemütlich-ruhige Zeit. Sie verbringen ihre Tage in winterschlafähnlichem Zustand im Keller oder in der Garage. Wer aber auch in der kalten Jahreszeit sein Stahlross satteln will oder muss, der sollte dafür sorgen, dass es fit für die dunklen Monate ist. Das Motto von Fahrradhändler Dirk Sommer vom gleichnamigen Zweiradgeschäft in Höxter lautet diesbezüglich übrigens: „Man kann nicht so dumm denken, wie es kommen kann." Licht und Reflektoren Die richtige Beleuchtung ist nicht nur beim Weihnachtsbaum, sondern auch beim Radeln das A und O. Vorgeschrieben sind unabhängig von einander funktionierende Vorder- und Rücklichter. Betrieben über einen Dynamo oder Batterie. Dazu gehören Reflektoren. „Um 16 Uhr ist im Winter eigentlich schon Dämmerung", sagt Sommer: „Aber die Leute machen da nicht sofort das Licht an." Katzenaugen müssen auch seitlich an den Reifen oder in den Speichen sowie an den Pedalen angebracht sein. Für Liebhaber gibt es mittlerweile auch beleuchtete Helme zu kaufen. Neuere Räder können sogar mit einem Tagfahrlicht ausgestattet sein: „Wenn ich losfahre, geht automatisch das Standlicht an." Auch Bremslichter, die je nach Bremsstärke in ansteigender Intensität leuchten, gibt es mittlerweile zu kaufen. Nur blinken sollte am Rad nichts, wie die Polizei Höxter erklärt: „Blinkende Scheinwerfer und Rücklichter sind in Deutschland nicht erlaubt." Verstöße gegen die Beleuchtungsvorschriften kosten mindestens zehn Euro. Licht ist nicht gleich Licht. „Der Gesetzgeber hat für die Lampen zehn Lux Stärke als Minimum angegeben", berichtet Sommer. Die meisten Lampen sind aber um ein vielfaches kräftiger. Mit einer 150-Lux-Lampe könne sogar ein Lkw-Fahrer geblendet werden, so der 50-Jährige. „Aber nicht nur die Stärke ist entscheidend", gibt Dirk Sommer zu Bedenken, die Luxzahl beziehe sich nämlich nur auf einen Punkt, den die Lampe ausleuchtet. „Ich habe es lieber, wenn ich eine Ausleuchtung habe, bei der ich sehe, ob von der Seite ein Wildschwein oder ein anderer Fahrradfahrer kommt." Kleidung Lange Radlerhosen, ein Trikot und darüber eine wind- und wasserabweisende Jacke – so kleidet sich Fahrradhändler Dirk Sommer, wenn er bei kaltem Wetter zu einer Radtour aufbricht. „Am Anfang ist es natürlich kalt, aber man bewegt sich ja", sagt er. „Wenn man sich zu dick einpackt, schwitzt man, das ist noch schlimmer, da holt man sich auf jeden Fall was weg." Die richtige Kleidung fürs Radeln hält nicht nur warm, sondern dient auch der Sicherheit. Generell gilt, wie Dirk Sommer weiß. „Es sollte helle Kleidung getragen werden." Doch auch dunkle Mäntel und Jacken können durch kleine Accessoires gleich viel auffälliger werden, wie die Polizei erläutert: „Wer in normaler Straßenkleidung radelt, kann diese mit abnehmbaren Reflexbändern sicherer machen. So wird der ausgestreckte Arm als Abbiegezeichen durch ein Reflexband in der Nähe des Handgelenks um ein Vielfaches besser sichtbar." E-Bikes und Pedelecs Man kennt das ja vom Autofahren. Manches Vehikel hat in der morgendlichen Kälte ein paar Startschwierigkeiten. Auch dem Akku eines E-Bikes setzen die niedrigen Temperaturen unter Umständen zu. „Es macht den Akkus nichts aus, wenn sie eine Nacht bei minus fünf Grad stehen", weiß Dirk Sommer. Zu lange sollten die teuren Räder aber nicht der Witterung ausgesetzt werden: „Irgendwann gehen die Akkus zugrunde." Wer das Rad im Winter stehen lässt, solle es bei mindestens zehn Grad lagern und sicherstellen, dass die Akkuladung bei 60 bis 80 Prozent liege, rät der Experte. Gelegentlich solle die Batterie kurz angeschlossen werden. „Eine halbe Stunde reicht da schon", sagt Sommer. Fahren in der Kälte schadet den E-Rädern nicht. Wenn es aber zum Beispiel während der Arbeitszeiten geparkt wird, sollte es mit ins Warme genommen werden oder – wenn das nicht geht – kann ein Neoprenüberzug den Akku schützen. „Das kennt man von Tauchern", weiß Sommer. Auf der Straße „Im Winter ist besondere Vorsicht geboten, weil sich unter dem Schnee gefährliche Hindernisse verstecken können", erklärt die Polizei und rät deshalb, das Tempo zu reduzieren und genügend Abstand zu halten. Außerdem solle maßvoll gebremst und ruhig gelenkt werden. Grundsätzlich sollen Radfahrer natürlich die Radwege nutzen. Liege aber Schnee auf dem Radweg, während die Straße geräumt sei, könne auf der Fahrbahn geradelt werden. Wenn es dann doch einmal glatt wird, helfen kleine Tricks und Kniffe. „Wer den Sattel etwas tiefer stellt, hat auch bei schwierigen Manövern etwas bessere Kontrolle", rät die Polizei: „Im Gegensatz zum motorisierten Verkehr gibt es beim Radeln keine Winterreifenpflicht. Wer keine speziellen Reifen kaufen will, kann den Luftdruck senken – die dadurch größere Aufstandsfläche bietet mehr Gripp, Hindernisse werden vom Reifen leichter überrollt."

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