Ein- und Ausstieg: Auf dem Weg in die Abtei nimmt die Gruppe nicht immer die Haltestelle, die von der App vorgeschlagen wurde. - © Grüne Höxter
Ein- und Ausstieg: Auf dem Weg in die Abtei nimmt die Gruppe nicht immer die Haltestelle, die von der App vorgeschlagen wurde. | © Grüne Höxter

Kreis Höxter Nervenaufreibend: Grüne testen den öffentlichen Nahverkehr im Kreis Höxter

Um zur Kreistag-Fraktionssitzung nach Marienmünster zu reisen, haben sieben Mitglieder der Grünen-Fraktion den Selbstversuch gestartet, ausschließlich mit Bus und Bahn zum Ziel zu kommen. Es folgte eine Anreise mit Höhen und Tiefen

Höxter. Sieben Mitglieder der Grünen-Fraktion im Kreistag Höxter haben sich einem Selbstversuch gestellt, um zu ihrer Fraktionssitzung zu kommen: Sie sind mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu ihrem Treffpunkt in der Abtei Marienmünster gefahren. So lautete jedenfalls der Plan. Start Nachdem sie sich online die Fahrpläne ansahen, sollte um 15.04 Uhr ein Bus ab Brakel Bahnhof mit Umstieg in Nieheim-Siedlung und Steinheim-Rolfzen losfahren. „Zur Sicherheit waren alle schon um 14.45 Uhr da", schildert Grünen-Kreisgeschäftsführer Ludger Roters. Bereits am Start erwartet die Reisegruppe eine Verzögerung: Die Bushaltestelle wird gesucht. Der Westfalenfahrplan in der App der Deutschen Bahn schlägt einen Fußweg zur Haltestelle Schulzentrum vor. Laut Plan ist die Haltestelle in einer Minute zu erreichen. Kaum gefunden, steht dort ein Bus, der auf den Pausenmodus geschaltet hat. „Der freundliche Busfahrer rät uns, doch besser auf der anderen Straßenseite an der Haltestelle Bahnhof einzusteigen", berichtet Roters. Der Weg nach Nieheim Also wird die Straßenseite gewechselt. Für Rollstuhlfahrer, stellen die Grünen fest, ist der Überweg an der Fußgängerampel eine Herausforderung, denn der Niederbordstein ist etwas hoch geraten. Der Bus mit dem Fahrer von der Straßenseite gegenüber kommt rüber gefahren und hält bei den Grünen. Warum sie denn nicht direkt nach Vörden fahren, habe der Busfahrer sie gefragt. „Tja, weil der Westfalenfahrplan uns diese Route mit zweimal umsteigen empfohlen hat", antwortet Roters. Gleich drei Busse kommen an, wovon einer mit der Nummer R 81 nach Nieheim fährt und auf dem Reiseplan der Grünen steht. Jetzt geht es ans Fahrkarten kaufen. „Der Bus war fast so alt wie wir. Aber er fährt, hat sogar ein wenig Klimaanlage und W-Lan", resümiert Roters die Busfahrt. Als sich die Reisegruppe Nieheim nähert, schlägt die App der Deutschen Bahn vor, an der Haltestelle „Siedlung" umzusteigen. Da der Busfahrer sie bereits als unerfahren auf dieser Strecke erkannt hatte, warnte er vor dem Umstieg: Besser wäre es, so der Busfahrer, am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) umzusteigen. „Wir haben dem analogen Ratgeber vertraut und sind bis zum ZOB in Nieheim gefahren", so Roters. Am ZOB in Nieheim Hier steht auch eine digitale Anzeige. Der nächste Halt soll in Steinheim-Rolfzen anstehen, denn dort steht laut Westfalenfahrplan der nächste Umstieg an. Da die Mitreisenden der Grünen-Fraktion im Kreistag unsicher sind, bietet ein junges Mädchen am Bahnsteig ihre Hilfe an: Ein Bus fahre nach Marienmünster-Vörden. „Sie hat uns dahin gelotst und routiniert mit dem Busfahrer verhandelt", berichtet Roters. Die passende Station dafür, erklärt der Busfahrer der Reisegruppe, ist der ZOB Marienmünster-Vörden. Von dort fahre ein Bus zur Abtei – und wenn nicht, seien es nur ein paar Minuten zu Fuß. Am ZOB in Vörden An dem ZOB angekommen, zeigt sich: Der nächste Bus zur Abtei fährt in einer knappen Stunde. Daher wird der Weg zur Abtei gelaufen. „Als wir angekommen sind, fuhr laut Plan der Bus vom ZOB Marienmünster-Vörden ab", so Roters. Das Fazit Das Fazit der Tour: 90 Minuten hat es vom Start bis zum Ziel gedauert, inklusive drei Kilometern Fußmarsch. „Man muss sich schon auskennen oder schnell Freundschaften schließen können, sonst hat man keine Chance im ÖPNV", findet Roters. Die bereitgestellten Informationen seien viel zu unübersichtlich. Auch in den Bussen selbst seien Informationen über Fahrtroute und mögliche Anschlüsse kaum vorhanden. „Die verschiedenen Apps und Internet-Auskünfte widersprechen sich gerne mal", stellt Ludger Roters zudem fest. Für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte ist es laut Manöverkritik der Grünen-Fraktion im Kreis noch schwieriger: Der Knopf mit dem Rollstuhlsymbol an den Türen diene nur dazu, den Busfahrer herbeizurufen, der dann mit der Hand eine Bodenklappe umklappe, die als Rampe dient. Für Sehbehinderte gebe es an den meisten Haltestellen Rillen im Boden, die zeigen, wo der Bus hält. Damit werde jedoch nicht gezeigt, welcher Bus an der Stelle hält.

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