Pflegt eine offene Tür und ein offenes Ohr: Bischof Anba Damian vor dem Kloster in Brenkhausen. - © Amina Vieth
Pflegt eine offene Tür und ein offenes Ohr: Bischof Anba Damian vor dem Kloster in Brenkhausen. | © Amina Vieth

Höxter Koptisches Kloster in Brenkhausen feiert Jubiläum

Festlichkeiten: Von Freitag, 1. Juni, bis Sonntag, 3. Juni, wird das 25-Jährige des Koptisch-Orthodoxen Klosters der Heiligen Jungfrau Maria und des Heiligen Mauritius in Brenkhausen mit großem Programm begangen

Simone Flörke

Brenkhausen. „Wir wollen Gott danken, dass es in den letzten 25 Jahren gelungen ist, die ehemalige und sehr baufällige Klosteranlage in eine ökumenische Begegnungsstätte zu verwandeln und hier einen Ort zu schaffen, an dem verfolgte Christen Hilfe und Rat erfahren und eine neue geistige Heimat finden können“: So schreibt es Bischof Anba Damian in der Einladung zum Klosterjubiläum für das nächste Wochenende. Von Freitag, 1. Juni, bis Sonntag, 3. Juni, wird das 25-jährige Bestehen des Koptisch-Orthodoxen Klosters der Heiligen Jungfrau Maria und des Heiligen Mauritius in Brenkhausen gefeiert (siehe Programm). Damian unterstreicht stets die ökumenische Ausrichtung des Koptischen Klosters Bischof Damian, der damals kurz vor Weihnachten 1993 bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages für das aus dem 13. Jahrhundert stammende ehemalige Zisterzienserinnenkloster und der Überweisung der symbolischen D-Mark als junger Mönch bereits dabei war, spricht von einem „kleinen Wunder“, das nur dank des Engagements vieler Menschen Realität geworden sei, so der Bischof. Zur dreitägigen Jubiläumsfeier gibt es am Freitag, 1. Juni, einen Festakt, zu dem unter anderem der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, der Botschafter der Arabischen Republik Ägypten, Badr Abdelatty, und weitere politische Vertreter kommen werden. Den Abschluss bildet am Sonntag ein Agape-Mahl mit Vertretern der Schwesterkirchen, einer Schiffsprozession auf der Weser und dem Empfang der Stadt. Am Tag dazwischen findet ein theologisches Symposium statt mit dem Titel „Die Koptisch-Orthodoxe Kirche und ihre Rolle im heutigen Ägypten und in der Diaspora“. Damian unterstreicht stets die ökumenische Ausrichtung des Koptischen Klosters: Er selbst ist neben seiner Funktion als Abt des Klosters in Brenkhausen auch Diözesanbischof von Norddeutschland für die Ökumene und im öffentlichen Leben. So arbeite man mit der katholischen Gemeinde auf der Klosteranlage eng zusammen, ebenso mit den Evangelischen Landeskirchen von Westfalen und Lippe. Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist eine der ältesten christlichen Gemeinschaften, existiert bereits seit dem ersten Jahrhundert und führt ihre Gründung auf den Evangelisten Markus zurück. Eigenen Angaben zufolge zählt sie in Deutschland rund 12.000 Mitglieder. Es begann wie ein Märchen: „Im Winter 1993 zog ein junger koptischer Mönch namens Damian in die Räume des verfallenen Klosters Brenkhausen ein“, heißt es vonseiten der Verantwortlichen. „Es war kurz vor Weihnachten und bitterkalt. Im Kloster gab es weder eine Heizung noch Strom oder sanitäre Anlagen.“ Das Kloster war zu Beginn des 19. Jahrhunderts säkularisiert worden und mit der Zeit zu einer Ruine verkommen, weshalb die Stadt Höxter händeringend nach einen Käufer suchte und es schließlich für den symbolischen Preis von einer Deutschen Mark an die Koptische Kirche verkaufte. 1991 in Ägypten ins Kloster eingetreten Bevor Damian Mönch wurde, hatte er in Ägypten Medizin studiert und danach zehn Jahre als Arzt und Oberarzt (Radiologe) in Süddeutschland gearbeitet. 1991 entschloss er sich, nach Ägypten zurückzukehren und dort ins Kloster einzutreten. Schon ein Jahr später kehrte er als Mönch nach Deutschland zurück – in die verfallene Klosterruine in Brenkhausen. „Die Euphorie des Erwerbs hat uns blind gemacht“, erzählt Bischof Anba Damian heute gerne lachend, wenn er über diese Anfangszeit spricht und die katastrophalen baulichen Zustände in der Klosteranlage schildert, mit denen er in den ersten Jahren zu kämpfen hatte. Die Klosteranlage wurde Stück für Stück nach Auflagen der Denkmalbehörde renoviert – inklusive der traditionellen ägyptischen Handwerkskunst: So nutzte man alte Techniken wie die Arbeit mit Lehm, Kalk und Naturfarben, die bereits bei den Pharaonen entwickelt wurden und sind im ländlichen Ägypten noch heute in Gebrauch. Nach Angaben des Klosters sind auch die handgeschmiedeten Fensterbeschläge, die kreuzförmigen Leuchter und die mundgeblasenen Lampen im Speisesaal in Ägypten hergestellt worden. Aus der Klosterruine von einst ist binnen eines Vierteljahrhunderts ein Bischofssitz der Koptischen Kirche geworden. Und eine ökumenische Begegnungsstätte. Weitere Informationen online unter: www.koptisches-kloster-hoexter.de

realisiert durch evolver group