Gemeinsames Büro: Matthias Goeken mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Birthe Budke; im Hintergrund die Karte des Kreises. - © Simone Flörke
Gemeinsames Büro: Matthias Goeken mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Birthe Budke; im Hintergrund die Karte des Kreises. | © Simone Flörke

Kreis Höxter Matthias Goeken vor einem Jahr in Landtag gewählt

Reportage: Den CDU-Politiker haben an diesem Wochenende vor genau einem Jahr die Wähler zum Landtagsabgeordneten gemacht. Heute ist er Handwerksbeauftragter der Fraktion, Mitglied in den Ausschüssen Wirtschaft, Energie und Landesplanung sowie Verkehr

Simone Flörke

Kreis Höxter/Düsseldorf. Das Thema Mobilität bewegt ihn. Und das nicht nur jetzt morgens um 6.59 Uhr am Bahnhof in Altenbeken, als er gut gelaunt mit einem Kaffee und einem belegten Brötchen an Gleis 21 in den Regionalexpress nach Düsseldorf steigt. Bis Hauptbahnhof, ohne Umstieg in zweieinhalb Stunden. Das Thema Verkehr ist eines, das bei Matthias Goeken ganz oben auf der Agenda steht. Im Zug berichtet der Landtagsabgeordnete, wie sehr er sich auf den RRX freut, der Ende des Jahres mit dem Fahrplanwechsel im Vorlaufbetrieb kommen soll. Und dass es durch die Vorfahrt von Fern- und Güterverkehr eng auf der Schiene werde. Lösung: Die Digitalisierung des Netzes könne 30 Prozent mehr Kapazität schaffen. Heute ist die Zugfahrt gen Westen Routine geworden Rückblende: An diesem Wochenende vor einem Jahr - am 14. Mai 2017 - holte der Bäckermeister aus Bad Driburg das Landtagsmandat – mit mehr als 50 Prozent der Stimmen wählten die Menschen im Kreis Höxter den Christdemokraten. Und der ist heute „etwas cooler" als damals, als er noch eine Stunde früher das erste Mal von Altenbeken zum Landtag nach Düsseldorf aufbrach. Vorher sei er erst ein Mal überhaupt dort gewesen: „Als mein Sohn Karnevalsprinz war und wir meinen Vorgänger Hubertus Fehring besucht haben." Heute sei die Zugfahrt gen Westen Routine geworden. Er ist mehr als zufrieden nach dem ersten Jahr: Landesgartenschau, neue digitale Studiengänge in Höxter, Pflegehochschule in Brakel, Eggelandklinik in Bad Driburg. Das Erreichte macht ihn stolz. Und er blickt nach vorn: Für die Zukunft sei es wichtig, eine Klammer für den Kreis zu finden, Abläufe und Mobilität anders zu denken, Alleinstellungsmerkmale zu finden. „Von Mai bis nach den Sommerferien gehören die Montage meinem Wahlkreis" „Eigentlich lese ich jetzt Zeitung", sagt er und schiebt die langen Beine unter den Sitz gegenüber. In digitaler Form. „Früher hatte ich noch einen Faltkalender. Wenn ich heute mein Handy verliere, bin ich machtlos." Synchronisiert mit iPad, vernetzt mit den Büros in Düsseldorf und Höxter, mit seiner Frau Sabine. Die braune Lederaktentasche und den schwarzen Rollkoffer hat Goeken in die Gepäckablage geworfen. Denn es steigen immer mehr Fahrgäste ein. Goeken spricht derweil über die Bedeutung von Freunden in und über die Politik hinaus. Mit denen könne man auch mal Dinge besprechen, die nicht für jedermann seien. Und dass er andererseits auch derjenige sei, der den Menschen zuhöre, ihre Anliegen ernst nehme, sie weitertrage und Kontakte vermittle. Deshalb ist es dem 53-Jährigen wichtig, sich in der Heimat blicken zu lassen („von Mai bis nach den Sommerferien gehören die Montage meinem Wahlkreis"), Termine in der Heimat wahrzunehmen. „Ich gehe auch dahin, wo ich nicht eingeladen werde." In der Regel gibt’s darauf positive Resonanz. Aber: „Ich muss auch lernen, mal abzusagen. Auch wenn’s wehtut. Aber ich versuche, das nachzuholen." Unterschätzt habe er allerdings den Zeitfaktor: Von Haustür bis Landtag und zurück auch schon mal insgesamt sieben Stunden. Unter der Woche hat Goeken ein 16 Quadratmeter großes Zimmer im Abgeordnetenhaus in Düsseldorf. Das Bad teilt er sich mit einer CDU-Kollegin. Er mache schon lange Politik – in der CDU ist er nach Schützen- und Sportverein am längsten. Aber er habe eine politische Karriere nicht geplant. Düsseldorf sei sein Ding: „Das macht mir Spaß", sagt er. Einige hätten ihm nicht zugetraut, dass er in der Firma loslassen könne. „Auch mein Vater hat mich gelassen, als ich den Betrieb vergrößert und verlegt hatte." Nun hat Sohn Benedikt in Bad Driburg übernommen. Fünf Stationen und acht Minuten später steht er vor dem Arbeitsplatz Kurz vor halb zehn, Einfahrt in den Hauptbahnhof Düsseldorf. Draußen gegenüber wartet die Straßenbahn. Fünf Stationen und acht Minuten später steht Goeken vor seinem Arbeitsplatz am Rhein: dem Landtag. Er grüßt den Polizisten davor. Der nimmt die Hand an den Mützenschirm. Man kennt sich. Nach der Schleuse drinnen geht’s die Treppe rauf zu den Büros. Noch ein Blick in den Plenarsaal, wo eine Schulkasse unterwegs ist, dann rauf in den fünften Stock. Goeken schaut noch wegen einer Absprache bei einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Landtagsfraktion vorbei, grüßt im Büro von Christian Müller – Hembser Mitarbeiter seines Kollegen Daniel Sieveke (Paderborn). Schräg gegenüber ist die Tür zu seinem Büro, das er sich mit der neuen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Birthe Budke (29; Bottrop) teilt. Auf der einen Seite hängt die Karte vom Kreis Höxter an der Wand, auf der anderen die Banner vom Kulturland. Auch das „X" der „Region plus X" steht am Fenster, das zum Innenhof hinausführt. Die Post wartet, die Termine werden abgesprochen. Um 11 Uhr geht’s in ein Arbeitskreis-Meeting zum Thema Energie, dann muss der Ausschuss für den Tag drauf vorbereitet werden. „Eine zum Warmwerden, eine zum Durchstarten" Und dann ist da noch die Facebook-Nachricht, dass Hardehausen Mitte nur noch sonntags vom ÖPNV angesteuert wird. Das wurmt Goeken. Das war so nicht geplant. „Ich bin stinkig", sagt er und möchte vom Nahverkehrsverbund dazu eine Auskunft haben. Birthe Budke kümmert sich um den Kontakt. Er spricht derweil mit seinem Kollegen auf Bundesebene, Christian Haase, wegen der B 64 in Ottbergen. Matthias Goeken ist angekommen. Zwei Legislaturperioden hat er sich gegeben. „Eine zum Warmwerden, eine zum Durchstarten." Aber: „Ich muss nicht ewig dort sitzen. Es ist ein Lebensabschnitt." Und der macht ihm derzeit richtig Spaß.

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