Die Mitgliderversammlung der CDU im Kreis Höxter wählte Matthias Goeken aus Bad Driburg zu ihrem Kandidaten bei der Landtagswahl im Mai 2017. - © Dieter Scholz
Die Mitgliderversammlung der CDU im Kreis Höxter wählte Matthias Goeken aus Bad Driburg zu ihrem Kandidaten bei der Landtagswahl im Mai 2017. | © Dieter Scholz

Kreis Höxter Matthias Goeken ist der Landtagskandidat der CDU im Kreis Höxter

Mitgliederversammlung der Höxteraner Kreis-CDU endet mit einem klaren Ergebnis

Borgentreich/ Kreis Höxter. Matthias Goeken wird im kommenden Jahr bei den Landtagswahlen für die CDU im Kreis Höxter um die Gunst der Wähler werben. In der Wahlversammlung am Samstag in der Borgentreicher Schützenhalle hielten 66,5 Prozent der abstimmenden Christdemokraten Goeken für den geeigneten Kandidaten. Der Unternehmer aus Bad Driburg setzte sich mit diesem Ergebnis in der Stichwahl gegen Dirk Simon aus Brakel durch. Im ersten Wahlgang hatten weder Goeken noch Simon die notwendige absolute Mehrheit erreicht. Wenn auch nur knapp. Sechs Stimmen fehlten dem Bäckermeister aus der Kurstadt. Auf Mitbewerberin Elisabeth Klennert aus Steinheim waren wenigsten Stimmen entfallen. Die 555 Parteimitglieder in der Halle mussten erneut an die Urne. Seit 2005 wird der Kreis Höxter durch den CDU-Abgeordneten Hubertus Fehring aus Eissen im Düsseldorfer Landtag vertreten. Aus Altersgründen hatte Fehring (66) auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Die Partei suchte einen Nachfolger. „Basisdemokratisch", sagte Kreisgeschäftsführer Klaus Funnemann. Mit Goeken, Klennert und Simon stellten sich drei Bewerber nach Vorstellungsrunden in den Stadt- und Ortsverbänden am Samstagvormittag dem Votum der aktuell 3.342 Parteimitglieder im Kreis. 555 gaben im ersten Wahlgang ihre Stimme ab. Goeken erreichte 272, Simon kam auf 153 und für Klennert votierten 130. Damit fiel die Seniorenheimleiterin aus Steinheim aus dem Rennen. Zur Überraschung besonders der Vertreterinnen der Frauen-Union. Sie hatten stark auf ihre favorisierte Bewerberin und damit auch auf einen Wechsel gesetzt. „Eine Frau stände als Kandidatin der Partei gut zu Gesicht", sagte FU-Kreisvorsitzende Felicitas Schimmel, als die Stimmen ausgezählt wurden. Klennert (50) denke unternehmerisch und nicht nur sozial, habe das Talent, „sehr verbindlich Wogen zu glätten" und gehe Probleme zielorientiert an. Doch seien alle drei Bewerber im richtigen Alter, „um mehr als ein Wahlperiode im Landtag mitzuarbeiten", fügte Schimmel an. Elisabeth Klennert hatte sich mehr ausgerechnet und zeigte sich vom Ergebnis der Auszählung überrascht, nahm die Niederlage „erstaunt" zur Kenntnis. „Die Frauen haben in der CDU im Kreis keine Chance", trauerte Klennert enttäuscht einer Chance nach, „die wir verdient hätten". Vor der Versammlung war die Spannung in der Schützenhalle der Orgelstadt unter den Parteifreunden groß gewesen. Denn als eindeutiger Favorit sei keiner der drei Bewerber auszumachen, hieß es. Entsprechend erwartungsvoll sah man den jeweiligen Vorstellungsreden entgegen. 16 Minuten hatte der Kreisvorstand den drei Anwärtern Zeit gegeben, Person und Ziele zu präsentieren. Nach dem Applaus zu schließen, werde unter den beiden Männern entschieden, bewertete Willi Vonde die Stimmung. Der Germeter gehört zum Kreisvorstand, der von der Bühne aus auf die Stuhlreihen in der Halle blickte. Vonde merkte kurz „zu wenig Frauen in der Versammlung" an. Er sollte recht behalten. „Ich bin Teil der CDU und des Kreises Höxter", betonte Matthias Goeken in seiner Rede. Und „die Familie steht hinter mir.". Das war dem 51-Jährigen wichtig. Mit Sohn Benedikt werde mittlerweile in vierter Generation in Bad Driburg das Backwaren-Unternehmen geführt. Da könne er sich „mit ruhigem Gewissen" einer neuen Aufgabe, der Landespolitik, widmen. Er werde die Zusammenarbeit mit der Landtagsfraktion, den Parteifreunden und der Region pflegen. Es brauche „sach- und fachkundige Menschen und keine Ideologen", blickte Goeken wahlkämpferisch auf die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf. Für ihn gelte „das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns", benannte er die Ausrichtung seiner politischen Arbeit. Goeken verwies auf sein unternehmerisches, politisches und soziales Engagement. Er müsse sich nicht neu erfinden, er habe „Ecken und Kanten" und wolle als Direktkandidat der CDU offen seine Meinung sagen. Die Kandidatur bei der Landtagswahl sei für ihn „Ehre und Verpflichtung zugleich". Den Ausbau der Bundesstraße 64 und der Ostwestfalenstraße hatten alle Bewerber auf dem Zettel, ebenso wie den Breitbandausbau, die Forderung nach einer begabtengerechten Schulpolitik sowie die Themen Wirtschaft im ländlichen Raum und Sicherheit. Nordrhein-Westfalen schöpfe sein Potenzial nicht aus, stehe in allen Rankings auf den hinteren Plätzen, betonten sowohl Goeken, als auch Klennert und Simon. Und natürlich müsse sich das ändern. Elisabeth Klennert bemühte das Schlagwort „Vernetzung", das sie klar gegen die Variante „des Vitamin-B" stellte. Versicherungswirt Dirk Simon (46) hielt als Leitlinie auch für sein politisches Wirken fest, dass er von der Zufriedenheit seiner Kunden lebe, optimale Lösungen zu finden, „zielführend, mit Einfühlungsvermögen, Gradlinigkeit und Augenmaß". Als Newcomer in der Landespolitik werde er „einen besseren Politikstil einbringen", war Simon überzeugt. Davon überzeugte der Brakeler aber nicht die Mehrheit der Christdemokraten in der Borgentreicher Schützenhalle. „Seine Lebensleistung spricht für Goeken", bekannte Höxters Stadtverbandsvorsitzender Stefan Berens. Gegen 12.40 Uhr stand das Ergebnis der Stichwahl fest. Matthias Goeken hatte seinen Mitbewerber mit einer Zweidrittel-Mehrheit hinter sich gelassen. Vom Ausgang der Wahl zuvor fest überzeugt, zeigte sich der Vater dreier erwachsener Kinder vom Abschneiden der Bewerberin doch etwas überrascht. Klennert habe er auf dem zweiten Platz gesehen, sagte Goeken nach der Gratulationscour. Mit dem Erfolg unter den Christdemokraten im Kreis im Rücken wolle er nun die Mehrheiten in Düsseldorf brechen, so der frisch nominierte Kandidat. „Nach den Sommerferien beginnen wir und stellen ein Wahlkampfteam zusammen", kündigte er an. Am 14. Mai wird dann die Entscheidung beim Wähler liegen. Kommentar: Aus Scheu vorm Stilbruch Von Dieter Scholz Sie habe es im Judo bis zur Landesmeisterschaft in Düsseldorf gebracht, untermauerte Elisabeth Klennert kernig ihre Bewerbung. Jetzt wolle sie es auch ins Parlament der Landeshauptstadt schaffen. Doch dort eine Frau aus den eigenen Reihen sitzen zu sehen, scheint den Christdemokraten im Kreis Höxter leicht fragwürdig. Da bleibt die Frage nach dem Warum. Klennert hatte in ihrer Rede mit rhetorischen Wendungen wie „liebe Freunde des Wechsels" und „liebe Freunde des Neuanfangs" das vermeidlich Ungeheuerliche, eine Frau ins Rennen um die Gunst der Wähler zu schicken, betont. Allerdings nur verhalten kämpferisch: zarte Worte, die selbst beim geneigten Zuhörer verhallten. Oder verstanden es die Parteifreunde als revolutionäre Wende nur allzu gut und scheuten deshalb ängstlich den Schritt. Klennerts politische Vorstellungen zeugten jedenfalls vom guten Willen und werbender Kompetenz. Die CDU versagte ihr dennoch das Vertrauen. Nicht weil der Geschlechterwechsel mit einem Politikwechsel einhergegangen wäre, sondern aus Furcht vor dem Stilwechsel. Da bleiben sich die Christdemokraten im Kreis Höxter treu und wissen den starken Mann zu schätzen. Politik aus Leidenschaft und nicht aus Kalkül sieht anders aus. Das erwartet der Wähler. Kontakt zum Autor

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