Lehrer und Wissenschaftler: Herbert Engemann. - © Privat
Lehrer und Wissenschaftler: Herbert Engemann. | © Privat

Brakel/Warburg Nachruf: Trauer um Herbert Engemann

Pädagoge verstarb im Alter von 92 Jahren

Brakel/Warburg. Wenige Wochen vor seinem 93. Geburtstag verstarb Oberstudienrat in Ruhe, Dr. Herbert Engemann. Bekannt wurde der Träger des Bundesverdienstkreuzes als Pädagoge am Marianum in Warburg und Leiter des Städtischen Gymnasiums Brakel sowie seine Forschungen und Initiativen zur jüdischen Geschichte in Brakel. Zudem war Engemann Ehrenmitglied des Bürgerschützenvereins Brakel. Geboren wurde Herbert Engemann in der oberschlesischen Industriestadt Zabrce. Nach Abitur, Kriegseinsatz und russischer Gefangenschaft studierte er in Göttingen Latein und Geschichte und promovierte zum Doktor der Philosophie. Nach seiner Referendarzeit in Dortmund arbeitete er ab 1958 als Lehrer am Gymnasium Marianum in Warburg. 19974 wechselte als Leiter des Städtischen Gymnasiums nach Brakel. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die Umsetzung der Strukturreform der Oberstufe, die Entwicklungen der Schule hin zur gemeinsamen Unterrichtung von Jungen und Mädchen, die Kooperation in der Oberstufe mit dem privaten Gymnasium Brede und der Neubau eines der wachsenden Schüler- und Lehrerzahl entsprechenden Verwaltungs- und Lehrertraktes. Auch der Heimat- und Museumsverein Brakel ist ihm zu größtem Dank verpflichtet. Durch die Initiative des Verstorbenen, sein unermüdliches Drängen und Wirken, konnte 1997 das Stadtmuseum Brakel eröffnet werden, das Herbert Engemann gern im Haus Legge gesehen hätte und das schließlich seinen Platz in einem der ältesten Häuser der Stadt, dem "Haus des Gastes" am Markt, fand. Die thematische Breite seiner archivgestützten Untersuchungen zur Geschichte der Stadt Brakel vorzustellen, fehlt hier der Platz. Eine Liste seiner Veröffentlichungen findet sich am Ende der Festschrift, die ihm der Heimat- und Museumsverein 1998 zu seinem 75. Geburtstag widmete. Ein Schwerpunkt seiner Forschungen waren die Jahre der NS-Zeit in der Stadt Brakel, insbesondere die Geschichte und der Untergang der jüdischen Gemeinde. In dem Festbuch zum Stadtjubiläum 1979 "Brakel 829-1229-1979" erschien erstmals aus der Feder des Verstorbenen ein Abriss der Geschichte und des Schulwesens der jüdischen Gemeinde. In dem Buch "Nationalsozialismus und Verfolgung in Brakel" veröffentlichte Engemann 1989 Dokumente aus dem Stadtarchiv, die teilweise, ergänzt durch Gegenstände jüdischen Gemeindelebens, im selben Jahr in der Ausstellung zum 50. Jahrestag des Novemberpogroms "Reichskristallnacht" im Haus des Gastes gezeigt wurden. Dank dieser Forschungen konnte im Herbst 1989 vor dem Tor zum jüdischen Friedhof der Gedenkstein mit den Namen von ehemals 35 jüdischen Mitbürgern enthüllt werden, die durch NS-Terror ihr Leben verloren. Über das Motiv seines Interesses an der Geschichte der jüdischen Gemeinde schrieb Engemann, er verstehe diese Arbeit "nicht nur als Akt wissenschaftlicher Erforschung, sondern vor allem als Akt christlicher Pietät" vor den Menschen einer religiösen Minderheit, die einem mörderischen System ausgeliefert waren. Als verdientes Geschenk zu seinem 90. Geburtstag am 26. November 2013 konnte Engemann den 3. Band des "Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe" mit seinem Beitrag zur jüdischen Gemeinde in der Stadt Brakel in Händen halten. Für seine Forschungen zur Geschichte wurde der Verstorbene 1992 mit der Verdienstmedaille der Stadt Brakel und 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Das Seelenamt für Herbert Engemann ist am Samstag, 8. Oktober, um 10 Uhr in der Warburger Neustadtpfarrkirche St. Johannes Baptist. Anschließend ist die Urnenbeisetzung auf dem Burgfriedhof.

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