Brakel Freier Durchzug für Äschen und Brassen

Brucht in Brakel wird für Wanderfische passierbar gemacht

Von burkhard Battran

Abteilungsleiterin Kathrin Weiß auf einer der sechs geplanten Stufen mit dem dahinter liegenden Ruhebecken. - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Abteilungsleiterin Kathrin Weiß auf einer der sechs geplanten Stufen mit dem dahinter liegenden Ruhebecken. | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Brakel. Baggerführer Mark Schaperdot (40) lässt einen zwei Tonnen schweren Kalksteinfelsen aus dem Bruchhäuser Steinbruch in den Brakeler Brucht-Bach hinunter. Bis Mitte des Monats werden 120 Tonnen davon in den Brakeler Wasserlauf eingebracht. Künftig sollen Wanderfische wieder frei durch das Flüsschen wandern können.

In dieser Woche sind die Arbeiten gestartet. "Wo bisher ein 70 Zentimeter hoher Absturz die Reise von Fischen und anderen Wassertieren stromaufwärts beendete, wird in Kürze eine sogenannte Sohlgleite die Durchwanderbarkeit wieder herstellen", erklärt Fachbereichsleiterin Kathrin Weiß vom Kreis Höxter. Bisher hat ein aus der Zeit des Mühlenbetriebs stammendes Stauwehr den Zug der Fische verhindert. Das wurde entfernt. Um die Höhendifferenz auszugleichen, werden auf einer Länge von 50 Metern fünf Becken mit kleinen durchlässigen Stufen errichtet. Der Flusslauf bekommt so ein natürliches Gefälle, das Wasserlebewesen entgegenkommt. "Ganz wichtig ist, dass neben Fischen auch im Wasser lebende Mikroorganismen die Stufen durchschwimmen können, denn sonst fehlt ein Teil der Nahrungsgrundlage", erklärt Abteilungsleiterin Weiß.

Die Maßnahme ist ein weiterer Schritt zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Kreis Höxter. Spätestens bis zum Jahr 2027 sollen in Nordrhein-Westfalen alle Gewässer in einen ökologisch guten Zustand versetzt werden. Das erfordert nicht nur sauberes Wasser, sondern auch einen natürlichen Verlauf und großräumige Durchlässigkeit. "Mit Fertigstellung dieser Maßnahme wird die Brucht auf einer Länge von elf Kilometern bis nach Bellersen frei passierbar", freut sich Brakels Bürgermeister Hermann Temme.

Die 22 Kilometer lange Brucht entspringt östlich von Kleinenbreden und mündet einen Kilometer hinter Brakel in die Nethe. "Bei der Herstellung der Durchgängigkeit geht es vor allem darum, dass die Fische aufwärts wandern können", betont der Vorsitzende des Angelvereins Nethegau, Franz Stork. In der Brucht kamen die Fische nicht weit, da bereits nach einem Kilometer das Wehr des Brakeler Mühlenbachs im Wege stand. Weiter flussaufwärts waren bereits viele Hindernisse beseitigt worden. "Seit den 80er Jahren engagieren wir uns für die Durchgängigkeit, und seither ist auch viel passiert", sagt Stork. Zunächst waren in Beller und Erkeln Wehre beseitigt worden. 2002 war bei Rheder ein Mäanderpass gebaut worden, zehn Jahre später eine Fischtreppe bei Bellersen.

Seit 2008 läuft das Gewässerentwicklungsprogramm des Kreises Höxter, das in Kooperation mit den Städten durchgeführt wird. Neben der Maßnahme in Brakel laufen parallele Projekte in Kollerbeck und in Germete. Die Kosten für die Sohlgleite in Brakel betragen 30.000 Euro. 80 Prozent der Kosten werden vom Land getragen. Die Stadt Brakel übernimmt einen Eigenanteil von 6.000 Euro.

"Es geht darum, eine natürlich anmutende Gewässerführung herzustellen. Das erfordert aber dennoch eine sehr exakte technische Planung, damit das gestellte Ziel auch erreicht wird", betont der technische Wasserbetriebsleiter der Stadt Brakel, Christof Münstermann. Dazu muss die Sohlgleite bestimmte Anforderungen erfüllen. "Die Strömung darf nicht zu stark sein, die Stufen sollten nicht mehr als zehn Zentimeter betragen und in den Becken oberhalb der Stufen braucht es Ruhezonen, wo sich die Tiere erholen können und Kräfte sammeln für den nächsten Aufstieg", erklärt der Leiter des Gewässerentwicklungsprojekts, Stefan Krooß.

Mit der Verbesserung der Durchgängigkeit sollen sich auch wieder mehr Arten in der Brucht ansiedeln. In den Flüssen und Seen in NRW gibt es rund 50 Fischarten von Äsche und Brasse über Hecht und Karpfen bis Schmerle und Zander.

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