Mit Transparent: Windkraftgegner aus Manrode und Bühne haben eine Bürgerinitiative gegründet. André Sima (v. l.), Lena Böckmann, Stefan Waldeyer, Oliver Frewer und Maria Reinhardt-Behre sagen „Zu nah – zu hoch – Nein Danke!“ - © Hermann Ludwig
Mit Transparent: Windkraftgegner aus Manrode und Bühne haben eine Bürgerinitiative gegründet. André Sima (v. l.), Lena Böckmann, Stefan Waldeyer, Oliver Frewer und Maria Reinhardt-Behre sagen „Zu nah – zu hoch – Nein Danke!“ | © Hermann Ludwig

Borgentreich Widerstand gegen Windkraft in Borgentreich formiert sich

Ausweisung von Konzentrationszonen: Die Mitglieder der neuen Bürgerinitiative wollen sich mit den erneuerbaren Energien in ihrer Heimat auseinandersetzen und planen einen Infoabend in Bühne

Hermann Ludwig
10.01.2019 | Stand 10.01.2019, 07:45 Uhr

Borgentreich. Windkraftgegner aus Manrode und Bühne haben jetzt eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, um die Ausweisung von neuen Konzentrationszonen für die Windenergienutzung im Flächennutzungsplan der Stadt Borgentreich zu verhindern. Zudem wollen sie erreichen, dass die sieben bei Manrode gebauten neuen Windkraftanlagen weniger Lärm verursachen. Der in Gründung befindliche Verein „Für Mensch und Natur – Gegenwind Heimat Hoher Berg" sieht es als wichtig an, dass bei der Umsetzung einer ökologischen Energiewende der wirkungsvolle Schutz des Menschen, der Natur, der Lebewesen und der Kulturlandschaften beachtet werden muss. „Wir sind nicht gegen erneuerbaren Energien. Aber es kann nicht sein, dass der ländliche Raum die Folgen der Energiewende allein tragen muss", erklärt Vorstandsmitglied Oliver Frewer. „Wir haben unseren Anteil an erneuerbaren Energien im Stadtgebiet schon geleistet", resümiert Oliver Frewer. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen sich mit dem Thema erneuerbare Energien in ihrer Heimat auseinandersetzen. Dazu wird am Freitag, 25. Januar, eine Informationsveranstaltung in der Bühner Alsterhalle vorbereitet. Von 19 bis 22 Uhr werden auch Experten zu dem Thema Windkraft Stellung beziehen. Dabei wollen die Windkraftgegner alle Bürger auf ihr Anliegen aufmerksam machen. „Abstand von 800 Metern ist zu gering" „Viele Bürger der Ortschaften haben noch gar nicht die Tragweite der Pläne wahrgenommen", meint Maria Reinhardt-Behre. Stefan Waldeyer kritisiert insbesondere den Abstand der Windkraftanlagen zur Wohnbebauung, den die Stadt Borgentreich auf 800 Meter festgelegt hat. „Dieser Abstand ist viel zu gering. Im Planungsausschuss habe ich dagegen gestimmt, weil die Lärmbelastung für die Bürger einfach zu hoch ist", erklärt Waldeyer, für den die Belastung durch den sogenannten Infraschall eine große Rolle spielt. „Die Lärmbelastung durch die sieben hessischen Anlagen direkt an der Grenze ist schon jetzt unerträglich", sagt Frewer, der nach eigenen Angaben als Folge des Windkraftlärms einen Tinnitus davongetragen habe. Er erinnert daran, dass seinerzeit auch der Kapuzinerpater Joachim Wrede wegen der Lärmbelastung durch Windkraft die Klus Eddessen verlassen habe. Wrede, der 2012 in die Einsiedelei zog, machte ausdrücklich den Infraschall der Windräder für gesundheitliche Probleme verantwortlich. Darüber will in der Informationsveranstaltung berichten. Stefan Waldeyer verweist auf entsprechende Studien der Universität Mainz zu diesem Thema. Die BI strebt an, mit einem Lärmgutachten zu erreichen, dass die Anlagen nachts abgeschaltet werden. „Werte werden vernichtet, Preise fallen in Keller" Die Mitglieder stehen den erneuerbaren Energien positiv gegenüber. Sie fordern aber einen bewussten und kritischen Umgang mit dem Thema Windkraft. Die aktuell anstehende Planung zur Ausweisung neuer Windenergieflächen müsse mit Augenmaß geschehen und nicht zum Nachteil ganzer Ortschaften erfolgen. „Es stehen mittlerweile diverse Projektierer bei Grundstückseigentümern vor der Tür, hier könnten am Ende bis zu 50 Windräder gebaut werden", warnt André Sima vor den Folgen. Wie die anderen Vorstandsmitglieder fürchtet er um die Lebensqualität: „Momentan gibt es viele junge Familien, die sich bewusst für ein Eigenheim in ländlicher Umgebung entschieden haben. Die werden vergrault, wenn wir von Anlagen umzingelt sind", meint Sima. „Wenn das alles wahr wird, rauschen die Immobilienpreise in den Keller, da werden Werte vernichtet", unterstreicht Frewer. Klare Forderungen geäußert Die Bürgerinitiative äußert klare Forderungen: Die Erhöhung der Mindestabstände zu Wohnhäusern ist ein klares Ziel. „Dabei orientieren wir uns an der bayerischen Bestimmung 10H-Regelung. Diese besagt, dass ein Mindestabstand zwischen Windkraftanlagen und Wohnhäusern von mindestens zehn Mal der Gesamthöhe eingehalten werden muss", erklärt Waldeyer. Der Schutz der Bevölkerung vor niederfrequentem Schall und Schattenwurf sei wichtig. Die Sicherung der Artenvielfalt durch den Erhalt der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen hat sich die BI ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. „Bevor die Anlagen an der hessischen Grenze gebaut wurden, gab es hier auch Rotmilane", weiß Frewer. Klar lehnt die BI Windenergie im Wald ab. Der Erhalt der Lebensqualität der betroffenen Anwohner in Manrode, Bühne und Muddenhagen steht obenan. „Wir setzen uns auch dafür ein, die Planungskompetenz für die Kommunen zu bekommen und fordern die Abschaffung der Privilegierung für Windenergie durch den Paragrafen 35 Baugesetzbuch", sagt Waldeyer. Die Bürgerinitiative hat mittlerweile eine eigene Internetseite, auf der sich Interessierte über das Leitbild der BI informieren können.

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