Umsichtig reagiert: Sparkassen-Mitarbeiterin Andrea Mann aus Willebadessen, hier in der Filiale in Warburg. - © Dieter Scholz
Umsichtig reagiert: Sparkassen-Mitarbeiterin Andrea Mann aus Willebadessen, hier in der Filiale in Warburg. | © Dieter Scholz

Kreis Höxter/Borgentreich Bankmitarbeiterin verhindert Trickbetrug in Borgentreich

Kriminalität: Falsche Polizeibeamte schüchtern Seniorin am Telefon ein, so dass diese ihr gesamtes Bargeld abhebt. Andrea Mann reagiert schnell – und die Polizei kann ein dreistes Verbrechen verhindern

Kreis Höxter/Borgentreich. „Da stimmt was nicht": Das dachte sich Bankmitarbeiterin Andrea Mann, als die ältere Dame am Freitagmorgen in die Sparkassen-Filiale in Borgentreich kam. „Sie sah verweint aus, war sehr aufgeregt und betupfte immer wieder mit dem Taschentuch die Augen." Die aufmerksame Bankmitarbeiterin, seit 19 Jahren bei der Sparkasse Höxter, sollte recht behalten. Denn die Seniorin wollte ihr gesamtes Bargeld abheben und Konten auflösen – und wäre ohne die pfiffige Bankmitarbeiterin auf einen dreisten Trickbetrug hereingefallen und ihre gesamten Ersparnisse von mehr als 20.000 Euro los. Denn bei Andrea Mann schrillten bei der Szene in der Filiale die Alarmglocken. Sie informierte die Geldwäschebeauftragte der Bank in Brakel – und diese wiederum die Polizei. Nun liegt das Geld wieder gut verwahrt und sicher auf ihrem Konto. Über private Daten der Dame erkundigt Was war passiert? Polizeisprecher Andreas Hellwig erläutert die Vorgeschichte: Demnach war die 76-Jährige zwei Tage zuvor von einem angeblichen Kriminalbeamten angerufen worden. „Dieser berichtete von einem Einbruch in der Nachbarschaft, erkundigte sich über das Verhältnis zu ihren Kindern und nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. Auch wurde sie telefonisch mit einem angeblichen Vorgesetzten der Kriminalpolizei verbunden." Dieser habe von einem betrügerischen Mitarbeiter bei ihrer Hausbank berichtet, so Hellwig. „Der angebliche Polizeibeamte wusste neben ihren kompletten Namen auch ihr Geburtsdatum, ihren Geburtsort, ihre Wohnanschrift und ihre Kontonummer. Letztendlich brachte der Mann sie durch eine geschickte Gesprächsführung dazu, ihr gesamtes Barvermögen abzuheben und alle ihre Konten bei der Bank aufzulösen." Sie sollte stattdessen das Geld daheim verwahren. Die Sache ließ ihr keine Ruhe  Andrea Mann erinnert sich, dass es am Freitagmorgen voll war in der Borgentreicher Filiale und sie viel zu tun hatte. Deshalb informierte sie zunächst Filialleiter Ulrich Wiegartz-Dierkes, der sich um die aufgelöste 76-Jährige kümmerte und sie beruhigen wollte. Er habe auch nach dem Grund gefragt, weshalb die Dame ihre gesamten Konten inklusive des Girokontos für die Rente auflösen und das Geld in bar nach Hause tragen wollte. Aber die Frau habe sich nicht dazu äußern wollen, ihre Konten aufgelöst und das gesamte Bargeld mitgenommen. Die ganze Sache ließ Andrea Mann keine Ruhe, deshalb rief sie in der Mittagspause bei der Dame daheim an und wollte offen mit ihr sprechen. „Sie erzählte mir etwas von einem Küchenkauf. Aber deshalb muss man doch nicht weinen, auf so etwas freut man sich doch." Die Bankmitarbeiterin informierte die Geldwäschebeauftragte der Sparkasse am Sitz in Brakel, schilderte den Fall und den Verdacht – feste Abläufe im Hause in Sachen Sicherheit: Die Kollegin reagierte sofort und rief die Polizei. Die fuhr direkt zu der Seniorin. So kam raus, dass falsche Polizisten die Frau am Telefon unter Druck gesetzt hätten, dass diese völlig eingeschüchtert war und den Anweisungen folgte. Die Uniformierten begleitete die Seniorin mit dem Geld zurück auf die Bank, wo sie dieses wieder aufs Konto einzahlte. Fassungslos angesichts dieser Betrugsmasche Andrea Mann ist fassungslos ob der Dreistigkeit der Betrüger, die immer neue Maschen finden: „Sie suchen sich gezielt ältere Menschen aus, die sie unter Druck setzen und einschüchtern. Die Frau stand unter Schock und erzählte mir anschließend noch am Montag, dass sie so etwas eigentlich nie gemacht hätte. Hätte sie das Geld zu Hause verwahrt, wäre dort sicherlich eingebrochen worden", vermutete die Bankmitarbeiterin. Der Unbekannte habe sogar in der Zeit, als die 76-Jährige auf der Bank war, erneut zweimal bei ihrem Mann daheim angerufen und sich erkundigt, ob die Frau mit dem Geld schon zurück sei, erzählt Andrea Mann. „Sie hat dann geantwortet, dass sie die Polizei informiert hat und das Geld wieder auf dem Bankkonto ist – und aufgelegt." Andrea Mann ist erleichtert, dass der Trickbetrüger keinen Erfolg hatte. „Je mehr solcher Vorfälle es gibt, desto mehr bekommt man eine Antenne für so etwas." Und dann sei es besser, einmal mehr die Polizei zu rufen als einmal zu wenig.

realisiert durch evolver group