Potenzial für Windkraft: In der Stadt Borgentreich wird intensiv über Windkraftnutzung debattiert. Hier ein Blick mit dem Teleobjektiv über Muddenhagen hinweg auf die Windräder bei Manrode, die auf hessischem Gebiet im Wald gebaut wurden. - © Hermann Ludwig
Potenzial für Windkraft: In der Stadt Borgentreich wird intensiv über Windkraftnutzung debattiert. Hier ein Blick mit dem Teleobjektiv über Muddenhagen hinweg auf die Windräder bei Manrode, die auf hessischem Gebiet im Wald gebaut wurden. | © Hermann Ludwig

Borgentreich Widerstand gegen Windräder bei Bühne

Erneuerbare Energien: 200 Besucher kommen zur Ortsbeiratssitzung in Bühne. Die Ausweisung von Konzentrationszonen wird diskutiert

Hermann Ludwig
21.12.2018 | Stand 20.12.2018, 20:07 Uhr

Borgentreich-Bühne. Die geplante Ausweisung von Windkraftzonen in Borgentreich sorgt für Diskussionsstoff. Bühnes Ortsvorsteher Hans-Günter Fels hatte daher zu einer Ortsbeiratssitzung eingeladen, die mit 200 Besuchern sehr starkes Interesse fand. „Wir haben das Thema sehr sachlich diskutiert", freute sich Fels über die Resonanz. Vor der Sitzung hatten Windkraftgegner Flugblätter verteilt, um eine große Aufmerksamkeit auf die Versammlung zu lenken. Nach Weihnachten wollen sich die Windkraftgegner zusammensetzen, um eine Bürgerinitiative zu gründen. Eine Unterschriftenaktion ist geplant. Eigentlich waren zu der Sitzung nur die Vereinsvorstände eingeladen worden, aber das Interesse der Bürger aus Bühne, Manrode und Muddenhagen war überaus groß. „Das bewegt die Gemüter", weiß Fels, der zu der Sitzung auch Bürgermeister Rainer Rauch eingeladen hatte, der den Stand der Planung erläuterte. Um eine rechtssichere Planung der Windkraftzonen auf den Weg zu bringen, hatte die Verwaltung ein Fachbüro beauftragt, die Planung zu entwerfen. Im Planungsausschuss hatte Jens-Peter Huesmann die Potenzialanalyse vorgestellt, die jetzt auch in der Ortsbeiratssitzung erläutert wurde. Harte und weiche Tabuzonen Im ersten Schritt wurden sogenannte harte Tabuzonen ermittelt. Dies sind solche Bereiche im Gemeindegebiet, in denen die Nutzung von Windenergie aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen ausgeschlossen sind. Dazu gehören Bereiche mit anderweitiger und mit der Windkraft nicht verträglicher Nutzung. Siedlungsflächen oder Gebiete ohne entsprechende Windhöffigkeit nannte der Planer als Beispiele. Im nächsten Schritt wurden sogenannte weiche Tabuzonen ermittelt. Hierbei handelt es sich um Bereiche der Orgelstadt, bei denen aufgrund einer planerischen Entscheidung eine Windkraftnutzung ausgeschlossen sein soll. Die verbleibenden Bereiche von Potenzialflächen können in einem dritten Schritt aufgrund von Kriterien, die auf die einzelnen Flächen angewendet werden, weiter eingeschränkt werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Windkraft im Gemeindegebiet insgesamt substanziell Raum gegeben wird. „Die Anwendung der genannten Planungskriterien darf im Ergebnis nicht dazu führen, dass Windkraft überhaupt nicht oder nicht mehr nennenswert möglich ist", erklärte Huesmann in der Sitzung. "Ein Thema, das alle in der Region berührt" Um das Thema Windkraft in der Stadt Borgentreich fachlich auf eine breite Basis zu stellen, hatte der Rat eine AG Wind gebildet, die die Verwaltung bei der Auswahl der Kriterien, der Darstellung des substanziellen Raumes und der Abstimmung aller weiteren Schritte unterstützen soll. „Alle Akteure sollten dazu beitragen, dass wir dieses Thema auf einer sachlichen Basis halten", sagte Bühnes Ortsvorsteher Hans-Günter Fels. „Ich bin bei diesem Thema völlig neutral, meine private Meinung dazu interessiert nicht, wir müssen die bestmögliche Lösung für alle Bürger finden", sagte Fels. Auch Manrodes Ortsvorsteher Detlef Unger informierte sich in der Bühner Sitzung über die Wahrnehmung der Bürger. „Das ist ein Thema, das alle hier in der Region berührt", so Unger, der auf den Bau des Trendelburger Windparks im Wald direkt an der Manroder Gemarkungsgrenze hinwies. „Die sieben Windräder nehmen wir im Ort schon mit Lärm und Lichtwirkung wahr", so Unger. Dies äußerten auch Manroder Bürger in der Sitzung. „Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass der Dorffrieden erhalten bleibt", betonte Unger. Bürgermeister begrüßt Beiträge der Kritiker Wie Fels sieht Unger die Notwendigkeit einer strukturierten Planung. „Wir müssen verhindern, dass es hier Wildwuchs bei der Windkraft gibt", betonte Fels. Wenn das Verfahren weiter fortgeschritten ist, wird es wohl auch in Manrode eine Sitzung des Ortsbeirates zu diesem Thema geben. „Wir stehen ja erst am Anfang. Wenn die Planung offengelegt ist und über Einwände gesprochen wird, können wir dann weiter diskutieren", erklärte Unger. Deshalb konnte Bürgermeister Rauch auch keine Details zur Planung mitteilen. Wie viele Windräder und wie hoch die Windräder sein werden, das werde die weitere Planung ergeben. Im März sei wohl mit weiteren Ergebnissen zu rechnen, meinte Detlef Unger. In jedem Fall seien die Bürger im weiteren Verfahren beteiligt. Auch sei es positiv, dass man mit der Bürgerinitiative einen Ansprechpartner habe, ergänzte Hans-Günter Fels, der gestern mit der SPD-Fraktion dieses Thema noch einmal intern diskutierte. Bürgermeister Rainer Ruch begrüßte ausdrücklich, dass die Kritiker sich in der Sitzung zu Wort meldeten. „Es ist ganz wichtig für die Kommunalpolitik, dass wir ein umfassendes Stimmungsbild bekommen", sagte Rauch, der ausdrücklich den konstruktiven Ansatz in der Sitzung des Ortsbeirats lobte. Der Umgang miteinander bei diesem wichtigen Thema müsse weiter von Respekt getragen sein.

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