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Die bereits bestehenden Windräder bei Manrode. - © Carmen Pförtner
Die bereits bestehenden Windräder bei Manrode. | © Carmen Pförtner

Borgentreich Borgentreich plant weitere Flächen für die Windkraft

Fachbüro sieht Flächen bei Manrode und Bühne als geeignet an. Diskussion im Fachausschuss um Abstandsgrenzen.

Hermann Ludwig
07.11.2018 | Stand 07.11.2018, 19:17 Uhr

Borgentreich. Die Planung für weitere Windkraftanlagen in Borgentreich ist auf den Weg gebracht. Bei zwei Gegenstimmen unterstützte der Ausschuss für Umwelt und Planung den Verwaltungsvorschlag, neue Flächen für Windkraft auszuweisen. In Frage kommen nach eingehenden Untersuchungen eines Fachbüros Flächen bei Manrode und Bühne. Die von Jens-Peter Huesmann vorgestellte Potenzialflächenanalyse zur Ausweisung von Windkraftkonzentrationszonen im Bereich des gesamten Gemeindegebietes der Orgelstadt Borgentreich wurde durch den Ausschuss mehrheitlich genehmigt. Die Verwaltung wird damit beauftragt, das Verfahren zur Ausweisung von Konzentrationszonen für die Windenergienutzung im Flächennutzungsplan einzuleiten. Bislang drei Konzentrationszonen und wenige Nebenanlagen Die Stadt Borgentreich hat in den Jahren 1996 bis 1999 mit der 9. Änderung den Flächennutzungsplan geändert, um die Nutzung von Windenergie im Stadtgebiet steuern zu können. Im Flächennutzungsplan wurden seinerzeit drei Konzentrationszonen in den Stadtbezirken Manrode, Körbecke und Rösebeck mit einer Gesamtgröße von 146 Hektar für Windenergie dargestellt. Diese Vorgehensweise hatte zur Folge, dass die Nutzung der Windenergie außerhalb dieser Konzentrationszonen grundsätzlich ausgeschlossen war. Nicht erfasst sind von dieser Regelung Windkraftanlagen, die als Nebenanlagen von genehmigten Vorhaben im Außenbereich anzusehen sind, wie zum Beispiel Kleinwindanlagen im Bereich eines Aussiedlerhofes zur Eigennutzung. Im Außenbereich des Stadtbezirkes Bühne wurden Windkraftanlagen aufgestellt, die vor der Änderung des Flächennutzungsplans genehmigt wurden. „Mit der Darstellung von neuen Konzentrationszonen erweitert die Orgelstadt Borgentreich die Möglichkeiten der Windenergienutzung in ihrem Gemeindegebiet. Sie schafft damit die Möglichkeit, den Anteil der regenerativen Energieerzeugung auf ihrem Gemeindegebiet am Stromverbrauch in Borgentreich zu erhöhen", erklärt Bürgermeister Rainer Rauch, der in der Sitzung auf die widerstreitenden Interessen hinwies. Zum einen gehe es Bürgern um den Klimaschutz, andere fühlten sich durch die Windkraftanlagen gestört. In jedem Fall sei es sinnvoll, eine Planung in Gang zu setzen, um den möglichen Bau von Windkraftanlagen zu steuern. Harte und weiche Tabuzonen im Fokus Im ersten Schritt wurden sogenannte harte Tabuzonen ermittelt. Dies sind solche Bereiche im Gemeindegebiet, in denen die Nutzung von Windenergie aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen ausgeschlossen sind. Dazu gehören Bereiche mit anderweitiger und mit der Windkraft nicht verträglicher Nutzung. Siedlungsflächen oder Gebiete ohne entsprechende Windhöffigkeit nannte der Planer als Beispiele. Im nächsten Schritt wurden so genannte weiche Tabuzonen ermittelt. Hierbei handelt es sich um Bereiche der Orgelstadt, bei denen auf Grund einer planerischen Entscheidung eine Windkraftnutzung ausgeschlossen sein soll. Dies sind beispielsweise Bereiche von Schutzabständen zur Wohnbebauung, der Schutzbereich der Radarstellung Auenhausen oder der Schutzbereich bedingt durch das Drehfunkfeuer (DFS) im Bereich der Stadt Warburg und zu anderen sensiblen Nutzungen. Die Schutzabstände kann die Gemeinde nach ihren planerischen Vorstellungen festlegen, dazu gehört auch der Abstand zur Siedlungsfläche. Abstände zu Wohnbebauung in der Diskussion Die verbleibenden Bereiche von Potenzialflächen können in einem dritten Schritt aufgrund von Kriterien, die auf die einzelnen Flächen angewendet werden, weiter eingeschränkt werden. „Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Windkraft im Gemeindegebiet insgesamt substanziell Raum gegeben wird. Die Anwendung der genannten Planungskriterien darf im Ergebnis nicht dazu führen, dass Windkraft überhaupt nicht oder nicht mehr nennenswert möglich ist. Eine Feigenblatt-Planung macht keinen Sinn", erklärte Planer Huesmann. Hubertus Eikenberg begrüßte die fachliche Expertise, mit man jetzt eine gute Grundlage für die weitere Vorgehensweise habe. „Wir wollen eine rechtssichere Planung", so der SPD-Vertreter, der sich klar pro Windkraft positionierte. „Mensch und Tier sollen aber keinen Schaden nehmen. Je größer der Abstand zur Besiedlung ist, desto besser", sagte Eikenberg. Diese Haltung unterstützte auch CDU-Vertreter Werner Dürdoth. Man dürfe aber die Planung nicht von vornherein über die Abstandsflächen zu stark limitieren, entgegnete Dürdoth. Er reagierte auf das Ansinnen von Jan Gerrit Möltgen von der Bürgerfraktion, der sich dafür einsetzte, schon jetzt eine Abstandsgrenze von 1.500 Meter zur Wohnbebauung anzusetzen, statt der vom Planer vorgeschlagenen 800 Meter. Bauanträge vielleicht schon 2019 möglich Möltgen führte auch an, dass man den Maximalabstand auch bei der Klus Eddessen ansetzen sollte, um den besonderen Ort der Ruhe zu schützen. Möltgens Antrag, diesen Abstand in die Planung aufzunehmen scheiterte an der Ausschussmehrheit. Bürgermeister Rauch sprach sich ausdrücklich gegen den Antrag Möltgens aus, da dies die weitere Planung zu stark eingrenze. Planer Jens-Peter Huesmann deutete an, dass mit dem jetzt eingeleiteten Verfahren vielleicht Ende 2019 schon erste Bauanträge möglich seien.

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