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Dringenberg Neue Glocke schlägt die Stunde

Großes Stühlerücken im Dringenberger Kirchturm

VON BURKHARD BATTRAN
06.11.2014 | Stand 04.11.2014, 21:29 Uhr
Läutemechaniker Ulrich Ellersiek (v. l.), Pater Thomas Bucher und Kirchenvorstände Stefan Pape und Christoph Dittrich. - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Läutemechaniker Ulrich Ellersiek (v. l.), Pater Thomas Bucher und Kirchenvorstände Stefan Pape und Christoph Dittrich. | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Dringenberg. Die historische Stundenglocke von 1250 im Kirchturm der Dringenberger Pfarrkirche geht in Rente. Sie wurde gestern durch eine neue Glocke ersetzt. Die 110 Kilogramm schwere Bronzeglocke wird künftig wie die alte einmal zur 15. Minute, zweimal zur halben Stunde, dreimal zur 45. Minute und viermal zur vollen Stunde schlagen.

Die historische Glocke erhält einen neuen Ehrenplatz eine Etage tiefer zwischen ihren vier großen Schwestern, den kirchlichen Läute-Glocken im Glockenstuhl des Kirchturms. Mit der neuen Stundenglocke im First des Turms verfügt Mariä Geburt über sechs Glocken insgesamt. "Die alte historische Glocke wird künftig nur noch zu hohen Festtagen mitgeläutet", erklärt Pater Thomas Bucher (55). Durch die ständige Beanspruchung alle 15 Minuten seit sechs Jahrhunderten war sie in Mitleidenschaft gezogen worden. "Sie hatte eine richtige Delle und drohte zu zerspringen, aber wir haben sie restaurieren lassen und werden uns freuen, wenn sie ab und an erklingt", sagt der geschäftsführende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Christoph Dittrich (70).

Der Trennung von Stundenglocke und Kirchengeläut ist es zu verdanken, dass die historische Glocke noch vorhanden ist. Die vier großen Hauptglocken von Mariä Geburt waren bereits im Ersten Weltkrieg zu Kanonenkugeln eingeschmolzen worden. Drei davon wurden 1949 und die vierte 1960 ersetzt. "Auf die kleine Stundenglocke ganz oben hat niemand geachtet, weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg hat man sie beachtet", erzählt der Dringenberger Senior Fritz Pape (82). Die 1928 angeschafften vier Hauptglocken waren nämlich 1942 erneut abtransportiert und eingeschmolzen worden. So konnte die historische Stundenglocke in der Dringenberger Turmspitze die Jahrhunderte überdauern.

Ebenso wie die größte 1.765 Kilogramm schwere St.-Trinitatis-Glocke war auch die kleine 140 Kilogramm schwere Stundenglocke der heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Noch ein Umstand, der im Kriegsministerium Verwirrung stiftete, so dass die kleine mittelalterliche Glocke an ihrem Platz blieb. "Die neue Stundenglocke haben wir den Patronen St. Sebastian und St. Florian geweiht, um damit auch die Feuerwehr und die Schützen als größte Vereine unserer Ortschaft zu ehren", sagt Pater Thomas.

Bis die neue Stundenglocke das erste Mal den Dringenbergern die Stunde schlägt, wird es aber noch einige Wochen dauern.

"Die Glocke wird nicht durch einen Klöppel im Glockeninnern, sondern durch eine Hammermechanik von außen angeschlagen. Diesen Hammer können wir aber erst anfertigen, wenn die Glocke an ihrem Platz einjustiert ist", erläutert Läutemechaniker Ulrich Ellersiek (55) von der Herforder Spezialfirma HEW.

Die neue Glocke war am 22. August von der Firma Edelbrock im münsterländischen Gescher gegossen worden. "Das war wirklich ein ganz feierlicher Moment, den wir nie vergessen werden", erinnert sich Gemeinderatsvorstand Stefan Pape, der mit einer 20-köpfigen Gemeindelegation beim Guss dabei war.

Nach alter Tradition werden Kirchenglocken immer zur Sterbestunde Christi, freitags um 15 Uhr, gegossen. Die vier Hauptglocken von Mariä Geburt erklingen in den Tönen d-f-g-a. Sie stehen für das liturgische Motiv der Präfation, der Eröffnung des Hochgebets "von Ewigkeit zu Ewigkeit".

Diese Töne werden in Kürze noch schöner klingen. Im Zuge der aktuellen Renovierungsmaßnahme werden die alten Stahljoche, an denen die Glocken aufgehängt waren, durch neue Joche aus Eichenholz ersetzt. Ein Holzjoch sorgt mit seinem besonderen Schwingungs- und Dämpfungsverhalten dafür, dass der Schall der Glocken besser schwingen kann. Die Glocke erhält mehr Volumen und der Ton trägt weiter.

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