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Rödinghausen Hier entsteht ein blühendes Büfett für Insekten

Naturschutz: Auf 700 Quadratmetern wurde in Rödinghausen eine Blühwiese angelegt. In wenigen Wochen soll es dort nicht nur bunt sein, sondern auch summen und brummen

Niklas Krämer
11.04.2019 | Stand 22.04.2019, 11:18 Uhr

Rödinghausen. Idyllisch ist es rund um den Hof von Kathrin Rohn. Hier gibt es genug Grün- und Ackerflächen, Pferde haben hier ihr Zuhause, im Hintergrund erstreckt sich das Wiehengebirge. "Wo bietet es sich also mehr an?", fragt die Rödinghauserin. An der Waghorster Straße hat Karsten Wachsmuth vom Projekt "Blumiger Landkreis Osnabrück" auf etwa 700 Quadratmetern eine Blühwiese angelegt. Im Moment sieht die Fläche zwar eher noch nach einem Acker aus. "Aber das wird sich in etwa sechs Wochen ändern", sagt Wachsmuth. Dann wird es dort summen und brummen. Dann wird daraus eine kunterbunt blühende Oase für Insekten. Wachsmuth hat schon die eine oder andere Blühwiese errichtet, in Rödinghausen ist es jetzt die Erste. Bislang waren er und der Initiator Kai Behncke aus Melle - wie es der Name des Projekts bereits vermuten lässt - vornehmlich im südlichen Landkreis Osnabrück und der Stadt Osnabrück aktiv. Sie haben dort schon 120 Wiesen - mit einer Größe von insgesamt 230.000 Quadratmetern - angelegt. Und das ehrenamtlich. Bezahlt wird das Ganze von Spendern, Stiftungen und aus der eigenen Tasche. Eine Nahrungs- und Überwinterungshilfe Warum überhaupt das ganze Engagement? "Das Artensterben ist ganz massiv", sagt Behncke. Und das hänge auch mit dem Schwund von Insekten zusammen. Denn wenn Insekten fehlen, gerät die gesamte Nahrungskette in Gefahr. Darum will er dem Insektensterben entgegenwirken - zumindest in dieser Region. Denn mit den Blühwiesen werden Nahrungs- und Überwinterungshilfen für Insekten geschaffen. In wenigen Wochen soll auch ein kleines Paradies für Insekten auf dem Acker von Kathrin Rohn entstanden sein. Sie hatte auf Facebook gesehen, dass noch Flächen für neue Blühwiesen gesucht würden. Daraufhin nahm sie Kontakt auf, sie wollte auch etwas tun, um Insekten zu schützen. Für die Umweltschützer kam die Anfrage gerade recht. Denn sie wollen den Radius erweitern, über die Landesgrenze von Niedersachsen hinaus. "Wir arbeiten an einer Vernetzung der Blühwiesen", erklärt Behncke. Bienen hätten nur einen sehr kleinen Flugradius. Je dichter also Blühwiesen aneinander liegen, desto besser könne die genetische Vielfalt sichergestellt werden. Nicht zuletzt deshalb soll bald auch die zweite Wiese in Rödinghausen angelegt werden. Wurde eine passende Stelle gefunden, beginnt der Job von Karsten Wachsmuth. Und das ist teilweise körperliche Arbeit - wie zuletzt in Rödinghausen. Zuerst bearbeitete er den Boden. Hier konnte er mit einem Einachser inklusive einer Fräse werkeln. "Doppelt und dreimal musste ich fahren", sagt der Fachmann. Danach ging's an die Aussaat - und zwar mit einer Drei-Finger-Technik, wie sie Wachsmuth bezeichnet. "Das ist wie beim Salzstreuen im Winter." Und auf einer 175 Meter langen und vier Meter breiten Fläche ganz schön zeitintensiv. Finanziert wurde das Saatgut von Häcker-Küchen. Drei verschiedene Wildblumenmischungen wurden gesät, damit es bald möglichst bunt wird. Weitere Blühwiesen in Planung Doch erst einmal ist Geduld gefragt, und zwar bis etwa Mitte Mai. "Blühwiesen sind übrigens recht pflegearm", so Wachsmuth. Zweimal jährlich müsse die Wiese gemäht werden. Und auch die Pferde dürften die Blumenfläche dann betreten. In diesem Jahr wollen die Umweltschützer weitere Blühwiesen für Insekten anlegen, auch gern im Raum Bünde. Doch dafür brauchen sie erst passende Flächen. Die Bedingung: Dort muss es sonnig sein. "Kosten entstehen nicht", sagt Behncke.

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