LÖHNE Siematic plant Personalabbau und unbezahlte Mehrarbeit

Ulrich Siekmann: "Letzter Schritt auf dem Weg zur Leistungsführerschaft" - Gewerkschaft: "Nicht hinnehmbar"

VON HARTMUT BRAUN
Frank Branka, IG Metall.
Frank Branka, IG Metall.

Löhne. Mit einem personalwirtschaftlichen Doppelschlag will der Küchenmöbelhersteller Siematic seine Kostenstruktur verbessern: Personalabbau um etwa zehn Prozent und Erhöhung der Arbeitszeit um fünf auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen das verhindern.

"Diese Schritte sind notwendig für unser Ziel Leistungsführerschaft in unserem Marktsegment", sagt geschäftsführender Gesellschafter Ulrich W. Siekmann zur Begründung. "Dass die einen ohne Geld mehr arbeiten und die anderen ganz ihren Arbeitsplatz verlieren, ist in der Branche beispiellos und kann nicht hingenommen werden", entgegnet Frank Branka von der IG Metall in Herford. "

Am Mittwoch hatte Siekmann die Belegschaft über seine Absichten informiert. Am Tag darauf trafen sich die Gewerkschaftsmitglieder, um die Lage zu beraten. Branka: "Das hat die Kollegen schlicht umgehauen."

Siematic drückt aufs Tempo: Bereits Anfang September soll beim Arbeitsgericht Herford die Bildung einer "Einigungsstelle" vorbereitet werden, die über Interessenausgleich und Sozialplan für die gekündigten Mitarbeiter berät.

Siematic habe in den letzten Jahren erheblich in die Optimierung aller Abläufe in Produktion und Verwaltung investiert und bereite derzeit ein ganz neues Montageband vor, skizziert der Geschäftsführer den Zusammenhang. Die Personalmaßnahmen seien der "letzte Schritt" der Neustrukturierung der Firma, die schwarze Zahlen schreibt und für 2012 ein einstelliges Umsatz-Plus erwartet.

Mit der Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich vollziehe Siematic nach, was die meisten Firmen der Küchenmöbelbranche längst vorgegeben haben. Siekmann: "Wir kommen damit auf das Niveau der Wettbewerber".

Der genaue Umfang des Personalabbaus steht nach Darstellung des Unternehmens noch nicht fest. "Es wäre falsch, wenn ich jetzt Zahlen nennen würde", sagt der Chef. Siematic beschäftigt derzeit knapp unter 500 Mitarbeiter, davon etwa 200 in der Produktion, die auf den Standort Löhne konzentriert ist.

Die Führung will zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in jedem Fall die "Lohnstückkosten" spürbar senden. Daher sei das im Frühjahr bei Poggenpohl vereinbarte Modell einer befristeten Absenkung der Arbeitszeit (dort auf 32 Stunden) bei gleichzeitiger Beschäftigungssicherung nicht anwendbar, sagt der Geschäftsführer. - Wenn zur Erreichung des Ziels notwendig, werde das Unternehmen aus der Tarifbindung aussteigen.

Noch bis zum Jahresende gilt in der Firma Siematic ein vor drei Jahren abgeschlossener "Restrukturierungsvertrag", in dem Beschäftigungssicherung für die aktuell Beschäftigten vereinbart wurde.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group