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Sprechen über den Plan: Der Ausschussvorsitzende Heinz Dahlmeier (v.l.), Anke Nattkemper vom Amt für Stadtentwicklung und Architekt Henning Bökamp. - © Dirk Windmöller
Sprechen über den Plan: Der Ausschussvorsitzende Heinz Dahlmeier (v.l.), Anke Nattkemper vom Amt für Stadtentwicklung und Architekt Henning Bökamp. | © Dirk Windmöller

Löhne Mehrfamilienhäuser in Löhne-Gohfeld werden nicht gebaut

Nach Überzeugung der Politik passen die Gebäude nicht zum Umfeld. Architekt Henning Bökamp erklärt, wie es für ihn jetzt weitergeht

Dirk Windmöller
06.04.2019 | Stand 05.04.2019, 17:43 Uhr

Löhne. Die zwei Mehrfamilienhäuser im Wohngebiet „Zum Flachsland“ werden in der geplanten Form nicht gebaut. Mit großer Mehrheit stimmte der Planungsausschuss am Donnerstagabend für einen entsprechenden Antrag der SPD. Architekt Henning Bökamp erfuhr am Freitag von der NW von der Entscheidung und zeigte sich enttäuscht. Vor der Sitzung hatten sich die Mitglieder des Ausschusses zu einem Ortstermin auf der Wiese getroffen. Bökamp und sein Team hatten sich Mühe gegeben. Damit sich die Politiker ein besseres Bild machen konnten, hatten sie rotweiße Stangen auf der Fläche positioniert, um die Ausmaße der Gebäude deutlich zu machen. An einigen Stangen hingen mit Gas gefüllte Luftballons. In windstillen Phasen markierten die Ballons den jeweils höchsten Punkt der geplanten Gebäude. "Dann müssen die Anwohner bluten." Auf der Fläche kamen Anwohner, Politiker und Architekt ins Gespräch. „Die entscheidende Frage ist, ob die beiden Häuser in die Umgebung passen“, sagte der Ausschussvorsitzende Heinz Dahlmeier (SPD). Der andere zentrale Punkt sei die Verkehrsbelastung. Ein Ausbau des Amselweges mit einer entsprechenden Verbreiterung sei wohl unerlässlich. Mit einem solchen Ausbau kämen dann auch Kosten auf die jetzigen Anwohner des Amselweges zu. Der sogenannte Endausbau ist noch nicht erfolgt. Und so könnte es dann zu der üblichen 90-prozentigen Kostenbeteiligung der Anwohner kommen. „Dann könnte es dazu kommen, dass zwei Häuser gebaut werden, die die Anwohner nicht wollen und am Ende müssen sie noch wegen des Straßenausbaus, der nur wegen der Häuser gemacht wird, bluten“, sagte Hermann Ottensmeier (LBA). Ein Nachbar hatte einen Vorschlag, der wahrscheinlich viele Unterstützer hat. „Hier könnte die Stadt einen kleinen Park errichten. Der würde hier wunderbar hinpassen.“ Dass es dazu kommt ist eher unwahrscheinlich. Nach einer halben Stunde gab es keine Fragen mehr und das Thema wurde von der Wiese, die wohl kein Park wird, in den Planungsausschuss verlagert. "Das Konzept wird abgelehnt." Dort ergriff Wolfgang Böhm von der SPD das Wort. „Das Thema wurde sehr emotional diskutiert. Wir haben mit den Anwohnern viele Gespräche geführt.“ Nach dem Abwägen der Argumente sei man zu einem klaren Ergebnis gekommen. „Das Konzept wird abgelehnt.“ Die SPD unterstütze jedoch eine Bebauung in weniger verdichteter Form. Diese Bebauung solle auf die Bestandsbebauung im Umfeld stärker Rücksicht nehmen. „Eine zweigeschossige Bebauung ist grundsätzlich vorstellbar, sollte jedoch offener erfolgen, als im vorliegenden Konzept vorgesehen“, steht im Antrag der SPD. Auch die CDU trägt das ursprüngliche Konzept nicht mit. „Wir haben uns ein Luftbild angeschaut. Ein so großer Komplex kommt dort nicht infrage“, sagte Horst-Martin Büttner. Die LBA bekräftigte ebenfalls ihre Ablehnung. Die Grünen sind nicht zufrieden. „Dieser Antrag stimmt uns nicht euphorisch. Der Wunsch wird klar, mehr nicht. Was versteht man unter Auflockerung? So, wie es dort formuliert ist, kauft man genauso die Katze im Sack“, sagte Silke Glander-Wehmeier. Das Grundproblem werde nicht gelöst. „Wenn dort statt 59 dann 45 Menschen bleiben, bleibt die Belastung vor Ort immer noch zu groß.“ "Darüber muss ich erst einmal schlafen." Ulrich Adler von der Linken würde gerne sehen, wenn dort gebaut würde. „Es gibt einen großen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wenn wir jetzt Bemühungen sehen, diese prekäre Situation zu verbessern, sollte man das unterstützen.“ Robert Wiehofsky von der CDU ist ebenfalls Architekt. „Als Herr Bökamp in unserer Fraktion war, haben wir empfohlen eine aufgelockertere Bebauung zu planen und die Riegel zu unterbrechen. Ich würde mir wünschen, dass Herr Bökamp weiter dabei bleibt.“ Architekt Henning Bökamp, der mit seiner Lebenswert GmbH das Projekt umsetzen wollte, erfuhr am Freitag von der NW von der Entscheidung. „Dass ich nicht begeistert bin, kann man sich vorstellen“, sagte er. Er ließ offen, ob er mit einem veränderten Konzept einen neuen Versuch machen wird. „Darüber muss ich erst einmal schlafen.“ Der Beschluss sei „schwammig.“ Er fragte: „Will man jetzt Ein- oder Mehrfamilienhäuser?“ Denkbar wären fünf bis sechs Gebäude mit fünf eher kleinen Wohnungen je Gebäude. Ein solches Konzept werde jedoch zu höheren Kosten führen. „Die Erschließung ist aufwendiger und wir brauchen zum Beispiel für jedes Gebäude einen separaten Aufzug.“ Er werde jetzt warten, bis die Verwaltung mit ihm Kontakt aufnehme. Denn auch das ist Teil des Antrages.

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