Mit dem Pressepass kommen sie überall hin: Mia (v. l.), Ahmet, Jan und Rojer (alle von der Städtischen Realschule) begleiten das Event mit Kameras. - © Susanne Barth
Mit dem Pressepass kommen sie überall hin: Mia (v. l.), Ahmet, Jan und Rojer (alle von der Städtischen Realschule) begleiten das Event mit Kameras. | © Susanne Barth

Löhne Löhner Neuntklässler machen Politik

Politik zum Anfassen bringt der gleichnamige Verein in die Werrestadt. Vier neunte Klassen aller Schulen machen beim dreitägigen Planspiel mit. 18 der 45 Anträge schaffen es in die Schüler-Ratssitzung

Susanne Barth

Löhne. Wo sonst Musik erklingt oder Kleinkunst für Begeisterung sorgt, wird heiß diskutiert. Der Verein „Politik zum Anfassen" ist in der Werrestadt und möchte Neuntklässlern Kommunalpolitik und Demokratieverständnis näher bringen. Heimische Politiker unterstützen das Planspiel „Pimp your Town" und leiten die Ausschusssitzungen. Heute gipfelt die Aktion in eine Ratssitzung, in der die Schülerinnen und Schüler 18 der 45 entwickelten Anträge einbringen. Mitreden und die eigene Meinung vertreten: 120 Schüler aller vier weiterführenden Schulen sind genau dazu aufgefordert. Sie lernen in drei Tagen, wie Politik eigentlich gemacht wird. Sie diskutieren in ihren Fraktionen über Themen, die sie bewegen, formulieren dazu Anträge, die sie in Ausschusssitzungen vertreten und stimmen letztendlich darüber ab. Wie die Großen eben – nur aus Schülersicht. 45 Anträge erarbeitet Dabei treffen die Ideen und Wünsche der Jugendlichen den Zahn der Zeit. Die Fraktion der Goethe-Realschule sieht etwa einen Mangel bei den Kindergartenplätzen – so wie es aktuell auch in Löhne der Fall ist. Sie möchten neue Kitas bauen und bestehende ausbauen. „Jede Familie hat ein Recht auf einen Kindergartenplatz", finden Tom und Paul. Nicole von der Bertolt-Brecht-Gesamtschule setzt sich gegen Papierverschwendung ein. Tablets sollen eingeführt werden. Die Schüler müssen so nicht nur weniger Bücher tragen, sie werden auch gut auf das spätere Berufsleben vorbereitet, argumentiert die Fraktion. 45 Anträge haben die Schüler innerhalb eines Tages erstellt. Die sind so vielfältig, wie die Jugendlichen selbst. Es geht um gratis W-Lan, modernere Schulen, höhere Strafen für Umweltverschmutzung, aber auch um Projekte zur Förderung von Inklusionsschülern, bessere Fahrradwege oder die Verschönerung des Bahnhofs. Für letzteres spricht sich Rojer aus. Er möchte den Bahnhof in einem neuen Licht erstrahlen lassen, außerdem wünscht er sich mehr Einkaufsmöglichkeiten für jüngere Menschen in der Stadt. Der Verein „Politik zum Anfassen" hat das Planspiel „Pimp your Town" 2009 ins Leben gerufen. „Damit wollen wir den Jugendlichen deutlich machen, dass es wichtig ist, sich einzusetzen, seine Meinung zu sagen und dass man damit auch was bewegen kann", sagt die Projektleiterin Cinja Schröder. Politik ist oft abstrakt Dass das funktioniert, wird in Hannover sichtbar. „Dort veranstalten wir das Planspiel im zehnten Jahr und jedes Jahr werden bestimmt zehn Anträge der Schüler umgesetzt", so Schröder. Auch der Löhner Bürgermeister hat die genaue Prüfung der Schüleranträge im Blick. Die sollen nämlich nicht in der Schublade versauern. Bernd Poggemöller, der die außerordentliche Ratssitzung heute leitet, kündigt an, dass ausgelotet wird, ob Ideen und Ansätze in reale Anträge realisiert werden können. Das erhoffen sich Jan, Ahmet, Mia und Rojer. „Es wäre toll, wenn unsere Ideen umgesetzt werden würden", sagen die Schüler der Städtischen Realschule, deren Klasse die Aktion als Presseteam begleitet. Ausgerüstet mit Foto- und Filmkameras sind sie in der Werretalhalle unterwegs, knipsen, filmen und schreiben was das Zeug hält. Im Jugendzentrum Riff basteln Mitschüler bereits an den ersten Seiten des eigenen Magazins. Auch ein Film über das Projekt entsteht. Die Lehrer beobachten derweil ihre Schützlinge im Stillen. „Das Projekt ist toll. Die Schüler können sich in andere Rollen reinversetzen, arbeiten selbstständig und tragen Verantwortung", sagt Rosina Dreier (Städtische Realschule). Ihr Kollege vom Gymnasium, Ingo Daus, bekräftigt: „Oft ist Politik zu abstrakt. Hier erleben die Schüler genau, wie es funktioniert." Vom Weg eines Antrags bis zur erhofften Umsetzung.

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