Bei der Arbeit: Horst Bohatschek 2010 in seinem Atelier im Erdgeschoss des Hauses. Er arbeitet mit Mörtel an einem Wandmosaik. Die Fotos hat sein Sohn zur Verfügung gestellt. - © FOTO: FALK BOHATSCHEK
Bei der Arbeit: Horst Bohatschek 2010 in seinem Atelier im Erdgeschoss des Hauses. Er arbeitet mit Mörtel an einem Wandmosaik. Die Fotos hat sein Sohn zur Verfügung gestellt. | © FOTO: FALK BOHATSCHEK

Löhne Künstler hinterlässt Spuren aus Glas

Horst Bohatschek ist im Alter von 71 Jahren nach langer Krankheit gestorben

Ulf Hanke

Löhne. Für Besucher ist es ein kleiner Schritt über die Schwelle des Hauses am stillen Zipfel von Gohfeld. Doch eigentlich ist es ein Sprung in eine andere Welt. Kaum zu glauben, welche Kunst sich dahinter verbirgt. Erst beim Hinausgehen wird deutlich, dass diese Tür selbst Kunst ist, sie bricht das Licht auf tausend Weisen. Die Tür mit der Bleiverglasung ist viele Jahre lang das Tor zu einem ganz eigenen Kosmos gewesen, der Welt des bildenden Künstlers. Horst Bohatschek hat diese Welt nach vier Jahren Krankheit Sonntagmorgen, 22. Februar, im Beisein von Ehefrau Christel und Sohn Falk im Alter von 71 Jahren verlassen. Und doch ist viel von ihm geblieben. In seinem Sterbezimmer steht eine Staffelei mit seinem Totenbild. Das Haus ist voller Kunst, die Schränke voll mit Entwürfen seiner Glaskunst, für die Bohatschek in der ganzen Region bekannt und gefragt war. Viele Kirchenfenster, ganze Friedhofskapellen sind von ihm gestaltet worden. Auch die Kapelle in Gohfeld, von der aus er am vergangenen Freitag zu Grabe getragen wurde.Handwerk beim Vater gelernt Horst Bohatschek hat das alte Bleiglaser-Handwerk bei seinem Vater gelernt und mit künstlerischem Anspruch in die Zukunft geführt. Ohne größeres Aufsehen. Werbung in eigener Sache war ihm fremd. Genauso wie der manchmal von Eitelkeiten geprägte Wettbewerb von Künstlern untereinander. Bohatschek machte, was er wollte und hatte Auftraggeber in ganz Deutschland. Seine Wandmosaike, Bleiverglasungen, Skulpturen und seine Malerei stecken nicht nur in den sakralen Räumen der Region. Die Clowns am Städtischen Gymnasium beispielsweise gehen auf eine Kooperation von Bohatschek mit Schülern zurück. Längst sind diese Clowns zum Logo auf dem Briefpapier der Schule geworden, die wenigsten wissen jedoch um die Entstehungsgeschichte. Ganz ähnlich ist es mit Bohatscheks öffentlichstem Werk, der Bleiverglasung des Löhner Bahnhofs mit dem Titel „Vier Elemente“. Am 26. April 1991 eröffnete die stellvertretende Bürgermeisterin Marga Kämper diese Auftragsarbeit, während ein Güterzug über die Gleise donnerte. Heinrich Vollmer gestaltete die Wandmalerei „Sekundentakt“ rund um die Bahnhofsuhr.Der große Auftritt war nicht seine Sache Der Mensch hinter der Kunst lebte bescheiden, der große Auftritt war nicht seine Sache. Die erste Einzelausstellung in Löhne hatte der 1943 in Berlin Geborene erst 1998 in der Galerie in der Werretalhalle, dabei war er seit Jahrzehnten Bürger dieser Stadt. 1964 heiratete er hier seine Frau Christel, die er auch in Löhne kennengelernt hatte, 1966 wurde ihr gemeinsamer Sohn Falk geboren. In einer Selbstbeschreibung, einem schwarz-weiß gestalteten Faltblatt, hat er nur wenige Stichworte zu seiner Vita preisgegeben. Dort heißt es knapp: „Seit 1968 als freischaffender Künstler in Löhne/Westf. tätig.“ Mit seinem Vater Heinz gestaltete Bohatschek 1971 das Vertriebenenmahnmal vor dem Rathaus im Auftrag der Stadt und wenig später das Kriegsopfer-Mahnmal in der Friedhofskapelle in Löhne-Ort. Beide Arbeiten unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Während vor dem Rathaus Sichtbeton der Witterung trotzt, glänzen goldüberzogene Glasmosaike aus Venedig in der Friedhofskapelle hinter Stahlkreuzen.Atelier im eigenen Haus Mit dem Gohfelder Künstlerpaar Resl und Heinz Schröder hat Bohatschek viel gemeinsam gemacht. Bis 1980 arbeitete er im Gipsraum von Resl Schröder. Erst 1997 konnte Bohatschek sein Atelier ins eigene Haus holen, das er durch eine Erbschaft erwerben und umbauen konnte. Einen Mäzen hatte Bohatschek nie. Das ehemalige Esszimmer des Hauses wurde zum Atelier, das bunte Rohglas steht im Regal, die Werkzeuge liegen bereit. Alles ist so, als könnte Horst Bohatschek jederzeit Pfeife schmökend den Raum betreten und still mit seiner Arbeit beginnen. In den letzten Jahren blieben jedoch die Aufträge aus und dem Künstler fehlte die Kraft, seine Entwürfe zu verwirklichen. Sein Sohn Falk ist ihm immer öfter zur Hand gegangen. Er wird nun die Erinnerung wach halten und den Nachlass ordnen. Falk hat bei seinem Vater das Kunsthandwerk gelernt. Fortführen will er es jedoch nicht. Dazu – das ist eine bittere Erkenntnis – ist die Nachfrage nach Glaskunst einfach zu gering.

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