0
Schick: Manche Stoffwindel-Modelle sind so hübsch anzusehen, dass sie schon fast als Oberbekleidung durchgehen. Eins davon hält Jasmin Beauregard hier an einem "Dummy" in die Kamera. - © MEIKO HASELHORST
Schick: Manche Stoffwindel-Modelle sind so hübsch anzusehen, dass sie schon fast als Oberbekleidung durchgehen. Eins davon hält Jasmin Beauregard hier an einem "Dummy" in die Kamera. | © MEIKO HASELHORST

Kirchlengern Wickeln wie Oma - in modern

Haut- und umweltfreundlich: Jasmin Beauregard wollte als Mutter den vielen Pampers-Müll vermeiden - nun berät sie als "Stoffwindelfee" Eltern in der ganzen Region

Meiko Haselhorst
16.03.2019 | Stand 16.03.2019, 07:43 Uhr

Kirchlengern. Am Anfang waren die eigenen Kinder. "Ich hab? schon beim zweiten darüber nachgedacht, von Einweg- auf Stoffwindel umzusteigen - weil ich den vielen Müll vermeiden wollte", erzählt Jasmin Beauregard. Weil sie nur mühsam an entsprechende Informationen kam und auch Respekt vor dem vermeintlichen Mehraufwand hatte, verschob sie den Plan auf ihr drittes Kind. Jonah ist nun fast drei Jahre alt. Seine Mama wird sich auch künftig noch mit Stoffwindeln befassen - beruflich. "Ich war ziemlich schnell begeistert", erzählt die 39-Jährige. "Nicht nur, weil der ganze Windelmüll tatsächlich wegfiel, sondern weil mein Sohn viel weniger mit Windelausschlag zu kämpfen hatte als meine beiden anderen Kinder", erzählt sie. "Und - das hört sich jetzt doof an - , aber man bekommt wirklich noch mal ein anderes Verhältnis zu seinem Kind und zu diesem ganzen Akt des Wickelns", beteuert Beauregard. Dem Kind selbst ergehe es ähnlich. "Und von der Saugkraft her sind die Stoffwindeln genauso gut wie die Wegwerfwindeln", so Beauregard. »Die Frau im Finanzamt hat zuerst gelächelt« Dann sei sie ziemlich schnell auf die Idee gekommen, andere Eltern in Sachen Stoffwindeln zu beraten. "Damit die sich ihre Informationen nicht so mühsam aus dem Internet zusammenklauben müssen wie ich das musste", erklärt Beauregard. "Und um unbegründete Ängste abzubauen." Die dreifache Mutter hat sogar eine Prüfung abgelegt und kann sich seit einiger Zeit als "zertifizierte Stoffwindelberaterin" bezeichnen. Die Frau beim Finanzamt, so Beauregard, habe bei der Präsentation der Geschäftsidee im Jahr 2017 ein wenig gelächelt, vielleicht auch über den niedlichen Namen "Stoffwindelfee". Aber mittlerweile kann Beauregard mit Fug und Recht sagen, dass die Idee Fahrt aufnimmt - für ihre Workshops und Einzelberatungen fährt sie zuweilen weit raus: bis nach Bielefeld, Gütersloh und Halle. Beauregard klärt ihre Kunden dann unter anderem über die verschiedenen Stoffwindeltypen auf: Da wäre zunächst mal der Prototyp, die sogenannte "Strickbindewindel", quasi die Mutter aller Stoffwindeln, die aber nur etwas für Fundamentalisten sei. "Da gibt?s nur wenige, die das machen - und die ist auch nicht ganz leicht zu binden", räumt Beauregard ein. Viel einfacher in der Handhabung seien da die zahlreichen Modelle mit Druckknopf oder Klettverschluss. "Da kommt eine Saugeinlage hinein - auch da gibt?s ganz unterschiedliche Varianten - , und dann legt man die fast wie eine normale Windel an", sagt Beauregard und setzt das Gesagte veranschaulicht in die Tat um - mit einem sehr farbenfrohen Modell an einem Dummy, einem stilisierten Baby-Po aus Stoff. Und dann gäbe es da noch die "All-in-One"-Stoffwindel, die ganz ohne Saugeinlage funktioniert und ebenfalls per Druckknopf oder Klettverschluss angelegt wird. Kleiner Nachteil: Diese "Stoffpampers", so Beauregard, kosten rund 30 Euro pro Stück. "Und wenn das Baby oder das Kleinkind noch oft in die Hose macht, braucht man schon 15 bis 20 Stück davon", sagt die Stoffwindelfee. Kein ganz billiges Vergnügen also - vor allem, wenn man bedenkt, dass das Kind wächst und man von Zeit zu Zeit neue Stoffwindeln kaufen muss. Es gebe allerdings auch sogenannte mitwachsende Windeln mit speziellen Verschlüssen. »Einfach ausschütteln und rein in die Waschmaschine« Und wie sieht?s mit der Entsorgung der Notdurft aus? Und mit dem Waschen? Erfordert das nicht einen gewissen Mehraufwand? "Nein, total einfach", sagt Beauregard. "Wenn man die Windel abnimmt, lässt man das Geschäft ins Klo plumpsen und steckt die Windel - schmutzig wie sie ist - in die Waschmaschine. Mit den Einlagen verfahre man genauso. Eine Vorwäsche - womöglich von Hand - sei nicht nötig. "Theoretisch könnte man die Windeln auch zusammen mit anderen Kleidungsstücken waschen", sagt Beauregard und lacht. "Das mache ich persönlich aber auch nicht - ich warte aber lieber ab, bis ich eine Waschmaschinenladung nur mit Windeln zusammenhabe." ´ Mehr Infos gibt?s auf Jasmin Beauregards Website unter: www.stoffwindelfee.de

realisiert durch evolver group