Verlängert Verträge nicht: Die Hiddenhauser Firma  Brigitte Küchen - © Jens Reddeker
Verlängert Verträge nicht: Die Hiddenhauser Firma  Brigitte Küchen | © Jens Reddeker

Hiddenhausen Brigitte-Küchen stolpert über Wachstum

Stellenabbau: Knapp 100 Zeitverträge werden beim Hiddenhauser Küchenhersteller nicht verlängert. Dabei ist die Auftragslage „eigentlich relativ gut“. Frank Branka von der IG Metall sieht die Ursachen an anderer Stelle

Natalie Gottwald

Kreis Herford. Die Firma Brigitte Küchen wird befristete Verträge nicht verlängern. Dies teilt das Hiddenhauser Unternehmen jetzt kurz vor Beginn der A30-Küchenmeile mit. „Neben internen personellen Veränderungen in der Führungsstruktur unseres Unternehmens wird zukünftig in der Produktion der im Herbst 2017 eingeführte Zweischichtbetrieb optimiert und fortan nur noch in Teilbereichen zweischichtig gearbeitet", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Gründe für die Entscheidung des Unternehmens seien aber nicht in leeren Auftragsbüchern zu suchen, sagt Frank Branka, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall. „Die Auftragslage war und ist eigentlich relativ gut." Allerdings reiche sie wiederum nicht aus, die selbst gesetzten Geschäftsziele zu erreichen. Nicht zuletzt durch die Übernahme von Aufträgen und Mitarbeitern des Konkurrenten Wellmann aus Enger vor knapp einem Jahr sei Brigitte-Küchen gewachsen. „Das ging einfach zu schnell. An diesem Brocken hat man sich verschluckt", so Brankas Einschätzung. »Es gab einfach 
zu viele Baustellen 
auf einmal« Eine umfassende Modernisierung, die eine Rasterumstellung und „die Anpassungen an die Anforderungen des Marktes in Bezug auf Produktion und Stückzahlen" umfasste, wie es in der Pressemitteilung des Unternehmens heißt, ging mit dem Wachstum einher. Es sei „leider in jüngerer Vergangenheit etwas Sand ins Getriebe geraten. Eine veränderte Verlässlichkeit war die Folge", heißt es weiter. „Es gab bei Brigitte-Küchen einfach zu viele Baustellen auf einmal", beurteilt Frank Branka die Situation in den vergangenen Monaten. Da seien Prozesse nicht angepasst worden und die Einschätzung der eigenen Geschäftszahlen sei unter diesen Bedingungen einfach zu optimistisch gewesen. Allerdings sei – so kurz vor der Hausmesse und der MOW – auch noch einiges im Fluss. „Für das Unternehmen ist es jetzt entscheidend, wie die Kunden mit der Nachricht umgehen", sagt Branka. Insbesondere im Bereich der Verlässlichkeit hätten Marktteilnehmer den Sand im Getriebe sicher zu spüren bekommen. In der Pressemitteilung bittet Brigitte-Küchen die Marktteilnehmer um Nachsicht. Ob diese wirklich nachsichtig mit dem Küchenhersteller aus Hiddenhausen sein werden, werden insbesondere die Messen zeigen, die an diesem Wochenende starten. Zeitpunkt der Bekanntgabe kurz vor Messestart Sicher sei der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Stellenabbaus und der Restrukturierung bewusst kurz vor den Messestart gelegt worden, so Branka. Am vergangenen Dienstag seien die Brigitte-Beschäftigten in einer Mitarbeiterversammlung über die gesamten Restrukturierungsmaßnahmen informiert worden. Der geschäftsführende Gesellschafter Rolf Frickemeier hat sich dafür laut Unternehmensmitteilung „externe und professionelle Unterstützung gesichert". Am vergangenen Donnerstag habe dann noch eine Mitgliederversammlung der IG-Metall bei Brigitte stattgefunden, so Frank Branka. „Der Weg ist mit einem Restrukturierungstarifvertrag geebnet, den Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter ausgehandelt haben. Knapp 100 prekäre Beschäftigungsverhältnisse, also Zeitverträge, laufen aus. Einige sind aber auch verlängert worden." Interne personelle Veränderungen in Führungsstruktur Brigitte-Küchen kündigte den Kunden für die Hausmesse eine neue überarbeitete Produkt- und Preisliste mit einem „am Markt orientierten Preisgefüge" an. Rolf Frickemeier ist zuversichtlich, dass die eingeleiteten Maßnahmen greifen und will „den eingeschlagenen Weg zur Modernisierung (...) weiter fortsetzen". Und er hat eine Vision für die Zukunft, wie der Mitteilung zu entnehmen ist: „Ab sofort sollen gute Qualität und Lieferverbindlichkeit die Merkmale von Brigitte Küchen sein." Wenn die nicht verlängerten Zeitverträge ausgelaufen sind, werden noch rund 330 Mitarbeiter am Unternehmensstandort in Hiddenhausen beschäftigt sein. Positiv zu beurteilen sei, dass der Informationsfluss zwischen Unternehmensführung und Beschäftigten laufe, sagt Frank Branka. „Das ist schließlich die Basis dafür, dass Restrukturierungsmaßnahmen auch von den Beschäftigten mitgetragen werden." Auch in der Unternehmensmitteilung heißt es: „Die qualifizierten und motivierten Mitarbeiter unterstützen ihren Inhaber auf diesem Weg nach allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften."

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