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Herford Herford, oh Du Hansestadt

Mit Dreiviertelmehrheit beschließt der Rat die Ergänzung des Stadtnamens

VON HARTMUT BRAUN
17.05.2013 | Stand 17.05.2013, 10:44 Uhr

Herford. Bis zuletzt war es gestern Abend spannend im Rathaussaal: Die wichtigen Zukunftsthemen Stromnetz-Übernahme und Nachnutzung der Kasernen waren ausführlich abgehandelt worden. Ein langer Bericht über das Hansetag-Programm stand bevor. Und dann stand noch eine Entscheidung bevor: Soll Herford künftig "Hansestadt Herford" heißen?

Das Stadtparlament hat seit 2011 die Möglichkeit zu solchen Umbenennungen: Die rot-grüne Landesregierung erlaubt Führung anderer "Bezeichnungen, die auf der Geschichte oder der heutigen Eigenart oder Bedeutung der Gemeinden beruhen". Dafür hat der Gesetzgeber allerdings eine Hürde eingebaut: Drei Viertel der Ratsmitglieder müssen zustimmen. In Herford sind das 34 Mandatsträger. Würden so viele "Ja" zur Hanse im Namen sagen?

Dass der Zusatz eine Idee von Kämmerer und Hanse-Vormann Manfred Schürkamp ist, musste man im Ratssaal niemandem erklären. Immer mal wieder war er ins Spiel gebracht worden. Ist Herford nicht Motor und Gründungs-Stadt des modernen Westfälischen Hansebundes?

Richtig ernst wurde es mit der Umbenennung Ende April, als die Tagesordnung der gestrigen Ratssitzung veröffentlicht wurde. Dort tauchte der Punkt "Ergänzung des Stadtnamens um die Bezeichnung Hansestadt" als TOP A8.b auf.

Zeit für eine große öffentliche Debatte blieb nun nicht mehr. Es gab nur einige Leserbriefe - und die Gewissheit, dass die Entscheidung nicht vertagt werden könnte: Eine Umbenennung nach dem Internationalen Hansetag würde keinen Sinn machen.

Inzwischen hatte Schürkamp genügend Sponsoren für die Namensergänzungen auf den Ortseingangstafeln beisammen. CDU und SPD hatten im Vorfeld Zustimmung signalisiert. Doch die beiden Großen verfügen nur über 33 von 45 Rats-Stimmen. Außerdem gab es Andeutungen über Hanse-Muffel in ihren Reihen. Schließlich wurde bekannt, dass 3 von den 33 gestern nicht an Bord sein würden. Die vier Grünen hatten bereits erklärt, sie hielten die Ergänzung des Stadtnamens für "groben Unfug". Auch einem aus den Reihen der Wienböker-Wählergemeinschaft FFH, so hieß es, fehle es an hanseatischem Geist. Plötzlich stand die Umbenennung auf der Kippe.

Allerdings hatten die Hanseaten gestern den ganzen Tag über noch leidenschaftliche telefonische Überzeugungsarbeit geleistet. Doch es blieb spannend bis zuletzt: Um 21.46 Uhr rief der Bürgermeister endlich zur Abstimmung. Und siehe da: Es reichte. 34 Ratsmitglieder stimmten zu. Es hätte nicht eine Stimme weniger sein dürfen.
 

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