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Herford Der Kettensägen-Künstler

Carsten Bölts bewegt sich beim Speed-Carving zwischen Handwerk und Kunst

VON CORINA LASS
03.12.2009 | Stand 02.12.2009, 19:56 Uhr
Förster Carsten Bölts hat die Eule aus einem Baumstumpf im Stuckenberg mit einer Kettensäge gesägt, die ein spitz zulaufendes Spezial-Schwert hat. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Förster Carsten Bölts hat die Eule aus einem Baumstumpf im Stuckenberg mit einer Kettensäge gesägt, die ein spitz zulaufendes Spezial-Schwert hat. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, die Kettensäge das Fitnessstudio: Speed-Carving (Schnellschnitzen) ist das Hobby von Carsten Bölts. Der Förster, der unter anderem für die Pflegearbeiten im Wald auf dem Stuckenberg zuständig ist, schneidet Skulpturen aus Holz.

"Das ist kreativ, macht Spaß, und man bewegt alle Muskeln", sagt Bölts, der sein Hobby als Wettkampfsport betreibt, aber auf Wunsch auch vorführt. Auf die ursprünglich aus Kanada stammende Sportart ist der Vater von drei Kindern, der in Petershagen lebt, durch andere Förster gekommen: "Es sind meistens Förster, die Speed-Carving betreiben."

Schafböcke, Wildschweine, Adler, Eulen – viele Tiere sind unter den Motiven, die Bölts, der ein gläubiger Christ und in seiner Kirchengemeinde Laienprediger ist, aus dem Holz sägt. Am liebsten fertigt er aber Abstraktes, gerne auch nach Bibelversen. "Das eine ist Handwerk, das andere Kunst", sagt er.

Einmal habe ihn sein Chef gefragt, ob er etwas über Nachhaltigkeit schnitzen könne. Entstanden ist ein Baum mit geteilter Krone als Symbol für den Lebensbaum. Zahlreiche Motive hat er hineingeschnitten, die Weltkugel mit Tieren auf der einen Seite, Fichten, einen Bachlauf und einen Forstschlepper auf der anderen Seite. "Das Leben hat viele Facetten und Lebensräume, es gibt viele Welten in dieser einen Welt", erklärt Bölts.

Auf Wettkämpfen geht es darum, in 15 bis maximal 30 Minuten etwas Schönes aus dem Holz zu schneiden, manchmal nach vorgegebenem Thema. "Da sitzt jeder Schnitt", erklärt Bölts, "das habe ich dann schon vier- oder fünfmal in der Woche vorher geübt." Wer beim anschließenden Verkauf den höchsten Preis erzielt, hat gewonnen. Für die eigenen Motive braucht der Förster länger. Sie schleift er nach, dann arbeitet er auch mit Flex und Fräser.
Wichtig ist die Holzauswahl. Wenn eine Figur für den Garten gedacht ist, sollte sie aus einem Holz sein, das seine Gefäße verschließt und in das deshalb kein Wasser eindringt, erklärt Bölts. Ein solches Kernholz ist zum Beispiel Lärchen-, Douglasien-, Eichen-, Esskastanien- und Robinienholz.

Zudem braucht Bölts das richtige Werkzeug: Das Schwert der Kettensäge muss, anders als bei herkömmlichen Werkzeugen, spitz zulaufen. Die handelsüblichen Motorsägen sind zu gefährlich, erklärt er. Denn im oberen Drittel ihres Schwertes gebe es eine Stelle, die das Werkzeug zurückschnellen lasse, wenn diese auf Holz trifft. Das Bewusstsein dafür rücke beim Schnitzen von Skulpturen leicht mal in den Hintergrund, erklärt Bölts.

Der Förster hat das Speed-Carving erst vor zweieinhalb Jahren für sich entdeckt. Seine erste, noch recht unförmige Eule mit krummem Schnabel hat er noch heute. Damals hat ihn seine Tochter grinsend gefragt, ob das ein Selbstportrait sei. Schmunzelnd erinnert er sich auch noch an die ersten 20 Eulen, die er verkaufen wollte. Sie seien dermaßen hässlich gewesen, dass er sie habe verschenken müssen.

Wie weit seine Fertigkeiten inzwischen gediehen sind, können Wanderer auf dem Stuckenberg sehen. Aus einem Baumstumpf am Bismarckturm hat Bölts einen Adler geschnitzt, aus einem Baumstumpf am Wanderweg nach Bad Salzuflen einen Uhu, der augenscheinlich gerade zum Abflug ansetzt. Für die beide ausdrucksstarken Skulpturen hat Bölts deutlich länger gebraucht als beim Speed-Carving üblich.
    

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