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Die Haltestelle Friedenstal am früheren Autohaus Corsmann an der Salzufler Straße hatte zwei Gleise. - © Sammlung Mathias Polster
Die Haltestelle Friedenstal am früheren Autohaus Corsmann an der Salzufler Straße hatte zwei Gleise. | © Sammlung Mathias Polster

Mittwochrätsel Auflösung: Jenseits des Herforder Friedenstals begann die weite Welt

In der Straßenbahn fuhren Ausflügler nach Bad Salzuflen und an die Weser. Mancher erinnert sich daran, wie er bei Opel Corsmann sein erstes Auto gekauft hat.

10.03.2021 | Stand 09.03.2021, 20:17 Uhr

Herford. Das Rätselfoto der vergangenen Woche zeigte die Haltestelle der Kleinbahn an der Salzufler Straße auf Höhe Opel Corsmann. Heute ist dort ein OBI-Baumarkt. Uns erreichten viele Erinnerungen, die wir teilweise stark kürzen mussten.

Hans-Peter Pahmeyer schreibt: „Ich sehe im Rätselfoto die Haltestelle der Kleinbahn Friedenstal. Auf der einen Seite Opel Corsmann und die Gaststätte Atchen Böke und auf der anderen Seite das langgestreckte Haus der Familie Scheidt. Bei diesen Überlegungen fiel mir ein Schulausflug von der Realschule Uhlandstraße 2b zur Burg Vlotho ein. Dieser konnte mit der Straßenbahn durchgeführt werden. Die Schüler aus der Stadt stiegen am Kleinbahnhof zu.

Die Salzufler Straße soll im April – womöglich noch vor Ostern – wieder komplett befahrbar sein. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Die Salzufler Straße soll im April – womöglich noch vor Ostern – wieder komplett befahrbar sein. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Mit zwei Glas Kartoffelsalat auf Klassenfahrt

Wir Land-Schüler stiegen in Herringhausen, Oetinghausen, Lippinghausen ein. Mein Einstieg in Lippinghausen war für mich ein weiter Fußweg (etwa 20 Minuten). Meine Verpflegung bestand aus zwei Gläsern mit Kartoffelsalat mit Gurken- und Eierscheiben, wie es damals üblich war. Zum Nachtisch gab es Vanillepudding und Himbeersaft. Diese ‚Fressalien‘ wurden in einem Brotbeutel meines Großvaters aus dem Ersten Weltkrieg verstaut. An der Haltestelle Friedenstal bekam ich fürchterlichen Hunger in der Bahn und holte das Klapp-Essbesteck (ebenfalls vom Großvater aus der Weltkriegszeit) und ein Glas des Kartoffelsalates aus dem Brotbeutel. Nach dem Öffnen futterte ich hungrig drauflos. Drei Damen, die vor mir saßen, drehten sich plötzlich zur Seite und eine bemerkte: ,Ich war das aber nicht!‘ Ich muss ja sicherlich nicht deutlicher werden. Ich habe das Glas allerdings sehr schnell zugedreht.“

Michael Stachowski weiß: „An das Opel-Autohaus habe ich eine besondere Erinnerung, weil ich dort am Sonntag immer die Autos angeschaut habe. Im Keller war eine große Gebrauchtwagen-Ausstellung und es roch nach Benzin und Gummi.“

Rainer Decius schreibt: „Wir sind damals oft durch den Wald nach Bad Salzuflen gelaufen und mit der Straßenbahn zurück gefahren. Während meiner Lehrzeit sind wir zu Baustellen nach Vlotho immer mit der Straßenbahn gefahren.“

Manfred Mohning weiß: „Erinnerungen daran habe ich nicht mehr, da ich erst seit 1985 im Friedenstal wohne, sehr wohl aber an die Gaststätte Friedenstal wo ich als junges SPD-Mitglied zum ersten Mal eine Parteiversammlung mitgemacht habe.“

Michael Streitparth erinnert sich: „Als Kinder sind meine Mutter, mein Bruder , die kleine Schwester und ich immer nach Enger gefahren, dort gab es neue Hosen – damals für 5 DM.“

Rainer Maukisch weiß: „Das Gebäude gehörte Opel Corsmann. Das Foto muss Anfang der 1960er Jahre aufgenommen worden sein. Vorher war die Firma an der Mindener Straße, damals noch mit Tankstelle.“

Rita Frentrup schreibt: „Bei Opel Corsmann hat sich mein Ex-Mann 1972 den berühmten Opel Manta in orange gekauft, weil er gleich im neuen Jahr zur Bundeswehr nach Rothenburg an der Wümme musste. Und um diese 150 Kilometer schnell zurück zu legen, musste auch ein schnelles Auto her.“

Jochen Hartig bedauert: „Es wäre heute eine Attraktion, mit der Bahn von Bad Salzuflen über Herford bis nach Enger/ Spenge fahren zu können. Aber, wie die Zeit so war, habe ich dann doch mehr mit dem Gebäude rechts zu tun gehabt, das nun mittlerweile auch schon Geschichte ist und auf dessen Platz nun ein OBI-Markt eröffnet hat. Nach der Lehre und nach dem ,Bund‘ musste ein neuer fahrbarer Untersatz her und den habe ich dann bei Corsmann gefunden. Große Augen bekam man immer in der Eingangshalle, in der die neuesten (und auch teureren) Fahrzeuge präsentiert wurden. Das war jedoch nichts für meinen Geldbeutel, so dass ich vom freundlichen Verkäufer auf den Hinterhof geführt wurde, auf dem die zurückgegebenen Fahrzeuge standen. Auch da wurden wir nicht fündig, so dass es als letzte Chance noch in den Keller des Gebäudes ging. Dort fand ich einen B-Kadett in schockgrüner Farbe, der aus vergangener Zeit übrig geblieben war. Dieser ,Laubfrosch‘ wurde meiner und hat mir dann 13 Jahre treue Dienste geleistet!“

Ulrich Stille erinnert sich: „Bis zur Weser habe ich es mit der ,Elektrischen‘ nicht geschafft, wenn ich als Stepke dann und wann mit meiner Tante zum Verwandtenbesuch nach Bad Salzuflen gefahren bin. Ich kam aus der Radewiger Feldmark und wenn ich in die Badestadt im fürstlichen Lippe mitfahren durfte, begann für mich spätestens nach der Haltestelle ,Friedenstal‘ die ,große weite Welt‘.

Wiedersehen mit der Kleinbahn auf Sylt

Richtig in die weite Welt ging es aber später für den auf dem Foto abgebildeten Kleinbahnwaggon mit der Nummer 36. Gebaut 1933 von der Düsseldorfer Waggonfabrik in Uerdingen rollte er zunächst auf den Gleisen der Mindener Straßenbahn. Von dort kam er 1959 zur Kleinbahn nach Herford. Hier war er bis zur Einstellung des Fahrbetriebs 1966 im Einsatz und wurde anschließend mit weiteren Wagen in den hohen Norden an die Inselbahn auf Sylt verkauft. Dort konnten Herforder Urlauber dann nostalgisch in ihrer alten Kleinbahn über die Insel fahren. Allerdings war dieses Vergnügen nicht von langer Dauer, denn 1970 wurde auch auf Sylt der Kleinbahnbetrieb eingestellt.“

Annelore Arning schreibt: „Als Kind bin ich oft mit meiner Mutter vom Kleinbahnhof nach Vlotho-Horst mit der ,Elektrischen‘ zu Oma gefahren, die Fahrt dauerte oft bis zu zwei Stunden. “

Klaus-Dieter Stork erinnert sich: „Besonders bei schönem Wetter am Sonntagnachmittag strömten die Menschen zu einem Ausflug nach Bad Salzuflen, vornehmlich zur Gaststätte ,Zur Loose‘. Manchmal hielten an der Haltestelle Friedenstal drei Straßenbahngarnituren. Man fuhr teilweise in Sichtabstand nach Loose. An der Einmündung der Oberingstraße auf die Salzufler Straße vor der Gaststätte Friedenstal, Inhaber Adolf Böke, gab es unter dem Halt-Schild an der linken Straßenseite ein einmaliges Verkehrsschild ,Straßenbahn‘, während an der rechten Straßenseite unter dem Halt-Schild das offizielle Schild ,unbeschrankter Bahnübergang‘ stand. Eine Herforder Besonderheit.“

Bernd Wilhelms: „ Ich habe eine lebhafte Erinnerung an unsere Abschlussfahrt in der 4. Klasse der Volksschule Diebrocker Straße 1958 mit Lehrer Gräfe nach Vlotho Schiffsanleger. Von dort ging es mit einem Fahrgastschiff nach Minden, wo wir in der Schachtschleuse in den Mittellandkanal hochgeschleust wurden und einmal über die Kanalbrücke die Weser überquerten. Anschließend ging es zurück bis Porta Westfalica, wo wir zum Kaiser Wilhelm Denkmal hoch wanderten und natürlich zu Fuß zurück zum Schiff, das uns am frühen Abend zurück nach Vlotho brachte. Mit der Kleinbahn wurde dann der Rest bis zum Kleinbahnhof bewältigt.“

Bruno Vehmeier: „Haltestelle Friedenstal der Kleinbahn: Der moderne Wagen fuhr nach Vlotho, der rechte alte Zug nach Wallenbrück. Rechts das ehemalige Autohaus Opel Corsmann, heute OBI-Baumarkt. Hinter den beiden Zügen Richtung Stadt gab es die Gaststätte Böke, Inhaber „Attjen“, nunmehr Dschingis Khan. Am linken Bildrand steht mein „Schätzchen“ Mercedes 190 WDB 121 Baujahr 160 vor dem ehemaligen Resthof der Familie Gehring.“

Ralf Oestreich: „Das Foto vom Bahnhof „Friedenstal“ symbolisiert die verunglückte Verkehrspolitik der letzten 60 Jahre auch in Ostwestfalen-Lippe. Die Kleinbahn fuhr noch elektrisch. Gleich nebenan wurden schon Klimakiller angeboten. In den ersten Jahrzehnten der kurzen Existenz dieser Schmalspurbahn war dieser Bahnhof die letzte Station in Preußen. Ich kann mich im Zusammenhang mit der Diskussion über die geplante ICE-Neubautrasse gut an ein Argument der heutigen politischen Bedenkenträger gegen dieses Projekt erinnern: ’Auf Schienen sind im Nahverkehr 90 Prozent der Fahrgäste unterwegs, im Fernverkehr dagegen nur 10 Prozent.’ Wenn man bedenkt, dass viele Strecken ausschließlich mit Nahverkehrszügen bedient werden sowie Berufspendler und Schüler täglich zweimal den Nahverkehr nutzen, den Fernverkehr aber nur gelegentlich, mag diese Statistik richtig und so wertvoll sein, wie andere Statistiken. Leerer sind die ICE-Züge vor Corona dadurch allerdings nicht geworden. Anders ausgedrückt: Wenn der Nahverkehr auf Schienen so dominiert, warum sind dann in den letzten 60 Jahren so viele Bahnstrecken wie auch die Herforder Kleinbahn stillgelegt worden? Weil man noch keinen Klimaschutz kannte? Weil in den 60er Jahren noch eigenwirtschaftlich ohne Regionalisierungsmittel gefahren werden musste?“

Michael Corsmann: „Über die alte Aufnahme habe ich mich sehr gefreut. Dargestellt ist die Kleinbahnhaltestelle „Friedenstal“. Ich kann mich noch an das Schild mit der altertümlichen Schrift erinnern. Im Hintergrund sieht man das Gebäude von Opel-Corsmann, das bis 2017 im Besitz unsere Familie war und 2018 abgerissen wurde.“

Holger Hillmann: „Die Kleinbahn kenne ich nur aus dem Museum und aus Büchern. Allerdings Opel Corsmann ist mir gut bekannt, weil das Autohaus eine der wenigen Wind und Wetter geschützten Gebrauchtwagen- Ausstellungen im Kreis hatte.“

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