Alexander Schal mit dem Meistershirt des TuS Bruchmühlen. - © Andreas Gerth
Alexander Schal mit dem Meistershirt des TuS Bruchmühlen. | © Andreas Gerth

Herford Ein Fußballer aus Oetinghausen ist bereits sechs mal aufgestiegen

Stolze sechs Mal schon durfte der Torjäger mit seinen Mannschaften feiern. Jetzt ist Alexander Schal freiwillig abgestiegen - und hat einen guten Grund dafür.

Andreas Gerth
14.07.2019 | Stand 13.07.2019, 18:30 Uhr

Herford. Wer ihn in seiner Mannschaft hat, darf hoffen. Denn zum einen trifft Alexander Schal für seine Vereine in schöner Regelmäßigkeit, zum anderen kann der 30-Jährige geballte Spielerfahrung aus mehreren höherklassigen Ligen aufweisen. Doch das eigentliche Kunststück, das den Fußballer aus Oetinghausen so außergewöhnlich macht, ist ein anderes: Stolze sechs Mal hat der Stürmer im Seniorenbereich mit seinen Vereinen den Aufstieg geschafft – „Schali" ist der Aufstiegsexperte. Aufstieg Nummer 1 „Das ist schon verdammt lange her", grinst Alexander Schal, kann sich aber noch erstaunlich gut an die Saison 2007/08 beim SC Herford erinnern. Aus gutem Grund. „Ich habe als A-Jugendlicher meine ersten Einsätze in der ersten Mannschaft bekommen und im Spiel gegen Hausberge nach meiner Einwechslung das Siegtor zum 1:0 erzielt. So etwas vergisst man nicht", erzählt „Schali", der damit schon als Nachwuchsspieler einen Beitrag zum Herforder Aufstieg von der Bezirks- in die Landesliga leistete. Zum Herforder Meisterteam, das mit 68 Punkten vor dem VfL Klosterbauerschaft (59) aufstieg, gehörten u. a. Marco Schlobinski, Tony Yeung sowie Trainer Markus Kleine-Tebbe, der offenbar schon damals das Talent des jungen Stürmers erkannt hatte, ihn im letzten Spiel vor der Meisterfeier aber nicht mehr einsetzen konnte – Schal hatte bei den A-Junioren „Rot" gesehen, „weil ich dem Schiedsrichter den Vogel gezeigt habe." Aufstieg Nummer 2 Das Projekt beim SV Rödinghausen war gerade ins Rollen gekommen, da rief Horst Finkemeier bei Alexander Schal an. „Daraus sind fünf Jahre und vier Aufstiege geworden", fasst der Oetinghauser diese „super Zeit" zusammen. Zunächst wurde er in der zweiten Mannschaft eingesetzt, die in der Saison 2010/2011 nach dem Willen der SVR-Verantwortlichen den Bezirksliga-Aufstieg schaffen sollte – und dank der 37 (!) Rückrunden-Tore eines gewissen Alexander Schal dann auch schaffte. Aufstieg Nummer 3 In der Saison 2011/2012 ging es für den Torjäger mit der ersten Mannschaft des SV Rödinghausen, die mittlerweile Mario Ermisch als Trainer übernommen hatte, eine weitere Etage nach oben, diesmal von der Landes- in die Westfalenliga. „Wir sollten unbedingt hoch. Ich kann mich noch an die Überschrift in der Zeitung erinnern: Aufstieg als Minimalziel", berichtet Schal und zeigt einen der alten Artikel, die sein Vater damals sammelte. Mit 75 Punkten aus 28 Spielen und einem Torverhältnis von 102:20 erfüllten Schal und Co. den Aufstiegsauftrag dann auch sehr souverän, doch das änderte an der Intensität der Meisterfeier kaum etwas. Eines der T-Shirts mit dem Aufdruck „Nächster Halt Westfalenliga" hat der Oetinghauser heute noch, ebenso das Bild mit Teamkollege Bünyamin Atasayar auf seinen Schultern. „Jeder Aufstieg für sich ist schön gewesen, aber das war sicherlich die tollste Feier", meint Alexander Schal heute. Aufstieg Nummer 4 „Die Zeit in Rödinghausen mit den vielen Erfolgen war natürlich super, allerdings habe ich in dieser Zeit auch viele Spieler kommen und gehen sehen", erzählt Schal, der zur Saison 2012/2013 in die nun als U23 formierte zweite Mannschaft des SVR wechselte – und mit ihr einen weiteren Aufstieg feierte. Mit 81 Punkten aus 34 Spielen stand Rödinghausen II in der Abschlusstabelle der Bezirksliga vor dem VfL Holsen (76). Und Schals Aufstiegs-Hattrick war perfekt. Aufstieg Nummer 5 Doch damit war „Schalis" Erfolgsserie in Rödinghausen noch nicht zu Ende. Es folgte sein vierter Streich, als Rödinghausen II in der Saison 2014/2015 mit 67 Punkten als souveräner Landesliga-Meister vor dem SV Spexard (58) grüßte. In der Westfalenliga spielt Rödinghausens U23 bis heute. Ein verpasster Aufstieg Mit diesem Erfolgserlebnis verabschiedete sich der schnelle und durchsetzungsstarke Stürmer vom SV Rödinghausen und wechselte zur Saison 2015/2016 zum TuS Tengern ins Landesligateam von Trainer Holm Hebestreit. „Eine super Truppe. Ich habe mich dort herzlich willkommen gefühlt", betont der ehemalige Kleeblatt-Akteur, der als „Aufstiegsexperte" diesmal jedoch keinen Erfolg an seiner neuen Wirkungsstätte hatte. Tengern schloss die Saison auf Rang sechs ab. „Umso mehr freut es mich, dass die Jungs wie Waldemar Jurez, Richi Urban, Lukasz Grzegorczyk und der verrückte Fischer den Aufstieg in die Westfalenliga jetzt geschafft haben", betont Alexander Schal. Aufstieg Nummer 6 Beim TuS Bruchmühlen entstand ein interessantes Projekt, das Schal ab der Spielzeit 2016/17 in Angriff nahm und drei Jahre begleitete – und in der abgelaufenen Saison mit dem Aufstieg in die Landesliga krönte. „Das war sicherlich der überraschendste Aufstieg, denn der FC Bad Oeynhausen war ja an der Tabellenspitze schon 13 Punkte weg. Doch von den letzten 15 Spielen haben wir 14 gewonnen und immer weiter aufgeholt. Deshalb hat vor dem letzten, entscheidenden in Oeynhausen eigentlich jeder bei uns gewusst: Das Ding gewinnen wir jetzt auch noch", grinst der Stürmer, der damit in Sachen Aufstiege das halbe Dutzend voll machte. Anschließend wiederholte sich seine Geschichte: „Schali" verabschiedete sich mit dem Aufstieg. Aufstieg Nummer 7? Die Entscheidung, in dieser Saison zur Spvg. Hiddenhausen in die Herforder Kreisliga A zu wechseln, sei auch eine für seine Frau Kristina gewesen. Die beiden sind seit zwei Jahren verheiratet und haben nun mehr Zeit füreinander. „Die Leidenschaft für den Fußball ist natürlich noch da, doch die Prioritäten sind jetzt andere. Außerdem werde ich ja nicht jünger", lacht der 30-Jährige, der sich auf die neue Aufgabe auf der Lippinghauser Alm freut. Dort erwarten ihn mit Juri Richter und Leo Wetsch zwei alte Freunde und mit Karl-Heinz Kufeld sein früherer C-Jugend-Trainer. „Außerdem kann ich mit dem Fahrrad zum Training fahren, das ist optimal", sagt der Oetinghauser, der gegen einen weiteren Aufstieg am Ende dieser Saison natürlich nichts einzuwenden hätte. Doch eines habe er in dieser für ihn so erfolgreichen Zeit gelernt: „Für einen Aufstieg muss immer viel zusammenpassen. Das nötige Quäntchen Glück gehört auch dazu." Und ein Aufstiegsexperte wie Alexander Schal kann auch nicht schaden.

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