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Grässliche Fratze: Seit ein paar Wochen erschreckt ein gruseliges WhatsApp-Konto zahlreiche Nutzer. Eine unbekannte Nummer taucht unter dem Namen "Momo" in Kontaktlisten auf. Jetzt haben auch 20 Kinder einer Klasse des Friedrichsgymnasiums eine bedrohliche Sprachnachricht von "Momo" bekommen. - © Foto: imago/Montage: Horstmann
Grässliche Fratze: Seit ein paar Wochen erschreckt ein gruseliges WhatsApp-Konto zahlreiche Nutzer. Eine unbekannte Nummer taucht unter dem Namen "Momo" in Kontaktlisten auf. Jetzt haben auch 20 Kinder einer Klasse des Friedrichsgymnasiums eine bedrohliche Sprachnachricht von "Momo" bekommen. | © Foto: imago/Montage: Horstmann

Herford/Bielefeld Horror-Kettenbrief sorgt für Angst unter Schülern

WhatsApp: 20 Herforder Schüler haben Handy-Mitteilung bekommen, in der ihnen eine Computerstimme mit dem Tod droht. Bielefelder Expertin befürchtet Einfluss auf Schlafverhalten

Natalie Gottwald
17.10.2018 | Stand 17.10.2018, 13:24 Uhr |

Herford/Bielefeld. Angst und Schrecken verbreitet eine Sprachnachricht, die aktuell per Messengerdienst WhatsApp an Kinder zahlreicher Schulen verschickt wurde - so wie bei einer Klasse des Herforder Friedrichsgymnasiums. „Hallo. Bevor Du denkst, dass der Kettenbrief nicht stimmt – Du liegst falsch. Der Kettenbrief stimmt", sagt eine verzerrte weibliche Computerstimme in der Voicemail. Und weiter: „Wenn Du den Kettenbrief nicht an mindestens 20 Kontakte weiterschickst, wirst Du mich heute Nacht um 24 Uhr in Deinem Zimmer finden. Ich werde in einer Ecke stehen und Dich die ganze Nacht lang beobachten." Länger habe sie nicht zugehört, sagt die zehnjährige Lena (Name v. d. Red. geändert), die die Sprachnachricht gleich drei Mal von Klassenkameraden weitergeleitet bekommen hat. „Erst habe ich gedacht, ich muss das nicht weiterschicken. Das ist nur Quatsch", sagt die Schülerin. Aber als sie abends im Bett gelegen habe, habe sie doch mit ihrer Mutter darüber gesprochen. Über zehn Minuten lang Über zehn Minuten lang ist die Sprachnachricht, die von einem angeblichen Whats-App-Profil namens Momo gestreut wird. Und sie wird mit zunehmender Abspieldauer immer brutaler. In grausamer, blutiger Weise werde sie den Empfänger ermorden, verspricht die Stimme – und zählt einige Namen auf, denen genau das schon geschehen sein soll. Im WhatsApp-Profil taucht dann außerdem eine Horrorfratze auf, eine Frau mit herausquellenden Augen und einem verzerrten Mund. „Als meine Tochter mir die Nachricht gezeigt hat, ist mir schnell klar geworden, dass man da Angst bekommt", sagt Lenas Mutter. Gemeinsam mit ihrer Tochter hat sie am Dienstag die Absender der Nachrichten – alle stammen aus einer WhatsApp-Klassengruppe – kontaktiert. „Erst haben die nicht zugegeben, dass sie die Nachricht weitergeschickt haben. Aber dann haben sie gesagt, dass sie Angst hatten, dass ihnen sonst die Horror-Fratze Momo auflauert", sagt Lena. Phänomen "Momo" im Kreis bekannt Das Phänomen „Momo" sei vor Monaten schon einmal im Kreis aufgetaucht, sagt Polizeisprecher Steven Haydon auf Nachfrage der NW. Außerdem ist es auch schon international bekannt. Erstmals wurden die Horror-Meldungen wohl von einem japanischen Absender aus nach Spanien verschickt. Das furchteinflößende Grusel-Gesicht im WhatsApp-Account gehört wohl zu einer Skulptur, die vor zwei Jahren in einer japanischen Galerie ausgestellt wurde und eine Figur aus dem japanischen Volksglauben darstellt. „Im Grunde ist das , was jetzt den Herforder Schülern passiert ist, nicht neu und gehört in den Phänomenbereich der Kettenbriefe", sagt Steven Haydon. „Im Unterschied zu früher, wo diese analog verschickt wurden, ist die betroffene Personenzahl eben nur deutlich größer." Strafrechtlich sei das Verschicken dieser Nachrichten allerdings nicht relevant und eher in der Kategorie „geschmackloser Scherz" einzuordnen, so Haydon. Ängste ernst nehmen Dennoch empfiehlt die Polizei, die Ängste der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen. „Das Stichwort heißt hier Medienkompetenz", betont Haydon. „Die Eltern oder Lehrer sollten mit den Kindern über die verantwortungsvolle Nutzung – vor allem auch der sozialen Medien – sprechen." Grundsätzlich gelte: Nachrichten von Absendern, die unbekannt seien, sollten nicht geöffnet werden. Die beste Methode: Ignorieren und löschen. „Das Phänomen Kettenbrief sollten Eltern ihren Kindern erklären und ganz deutlich sagen, dass die Drohungen, die darin ausgesprochen werden, nicht ernst zu nehmen sind", sagt der Polizeisprecher. Horror-Szenarien haben auf Schlafverhalten Einfluss Dass das nicht immer so einfach funktioniert, weiß Prof. Angelika Schlarb, Leiterin der Hochschulambulanz für Kinder- und Jugendpsychotherapie an der Uni Bielefeld. „Vor allem auf das Schlafverhalten der Kinder können solche Horror-Szenarien großen Einfluss haben", so Schlarb. Zunächst sei es wichtig, dass Kinder sich ihren Eltern oder einer anderen Person in ihrem Umfeld anvertrauen könnten. „Nur dann können sie auch unterstützt werden." Wenn das Reden darüber allein nicht helfe und das Kind abends beim Einschlafen immer noch Angst habe, könne ein gemeinsamer Realitäts-Check helfen. „Man kann überall hin leuchten, alles hell machen, jede Ecke durchsuchen und damit gemeinsam feststellen, dass niemand da ist", so Schlarb. Lenas Mutter hat mit ihrer Tochter ausführlich über Momo gesprochen. „Jetzt weiß ich, dass alles nur Quatsch ist und habe das auch meinen Klassenkameraden gesagt", sagt die Zehnjährige.

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