Der Bauplan der Kirche: Stadtarchivar Christoph Laue hält den Grundriss in der Hand und zeigt auf die Stelle, wo er gerade an der Baugrube steht. Dort schloss sich im 15. Jahrhundert der Kreuzgang der Augustinerkirche an die Außenmauern an. Fotos: Thomas Hagen - © Thomas Hagen
Der Bauplan der Kirche: Stadtarchivar Christoph Laue hält den Grundriss in der Hand und zeigt auf die Stelle, wo er gerade an der Baugrube steht. Dort schloss sich im 15. Jahrhundert der Kreuzgang der Augustinerkirche an die Außenmauern an. Fotos: Thomas Hagen | © Thomas Hagen

Herford Klosterreste am Kaufhof entdeckt

Baggerführer stößt bei Ausschachtungsarbeiten auf ein Mauerstück der Kirche des ehemaligen Augustinerklosters aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert

Herford. Historiker und Archäologen in der Stadt haben wieder Gesprächsstoff. Am Montag stieß ein Baggerführer hinter dem ehemaligen Kaufhofareal auf historische Mauerreste und legte einen Teil vorsichtig frei. Die Bauleitung informierte den Archäologen Sven Spiong in Bielefeld. Der machte sich sogleich mit Grabungstechnikerin Maria Hahne auf den Weg nach Herford, legte selbst Hand an und überwachte die Grabungen. Schnell war klar, dass man hier auf die Reste des Augustinerklosters aus dem späten 13. Jahrhundert gestoßen war. „Wir haben dann rund um den Fundort das Erdreich entfernt und sind nun sicher, dass wir es mit der Nordmauer und somit auch dem letzten Rest der Klosterkirche zu tun haben. An diese Mauer schloss sich einst der Kreuzgang des Klosters an", stellte Spiong gestern an der Fundstelle fest. Nebenan lief währenddessen der Betrieb auf der Baustelle unvermindert weiter. „Ein Aufschub der Arbeiten ist nicht denkbar, ein Baustopp schon gar nicht", sagt Bauleiter Gernot Ladleif. Schließlich soll am 15. Dezember die Übergabe an die zukünftigen Mieter des neuen Altstadt-Centers über die Bühne gehen. »Das tut zeitlich und finanziell richtig weh« Ladleif dämpft gleichzeitig die Erwartungen, dass der Mauerrest an Ort und Stelle belassen werden kann. „Der Fund liegt exakt in der Fundamentlinie für das neue Treppenhaus das unter anderem auch zur Tiefgarage führen soll", sagt der Ingenieur. Wolle man die Mauer als Bodendenkmal im Erdreich belassen, müsse die Statik des noch zu bauenden Treppenhauses komplett geändert werden. „Das tut finanziell und zeitlich richtig weh", unterstreicht Ladleif seine Einschätzung. Trotzdem besteht noch ein Fünkchen Hoffnung, denn am Dienstag wollen sich alle Beteiligten zusammensetzen und das Für und Wider für den Erhalt des Bodendenkmals in der Erde erläutern und abwägen. „Es handelt sich schließlich um den unwiederbringlich letzten Rest der Klostermauer. Da müssen wir alles versuchen was möglich ist", sagt Ausgrabungsspezialist Spiong. Möglich ist in jedem Falle das Anheben des Mauerrestes in einem Stück (geschätzte Kosten 20.000 Euro). Die Mauer besteht aus Schilfsandstein aus Schwarzenmoor und Rhät-Quarzit aus dem Stuckenberg, das hat Stadtführer und Steinexperte Mathias Polster herausgefunden. Zeit ist nicht mehr viel, denn im Zuge des Umbaus für das Altstadt-Center müssen zwei Gebäude abgerissen werden. Das geschieht ab dem 15. Juli. So entsteht der Durchstich zur kleinen Einkaufsmeile, der Raum schafft für ein Geviert, den „Augustinerplatz" – mit mittelalterlichem Mauerrest.

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