Der Kölner Künstler Gunter Demnig erläutert im Dachgeschoss des Widukindmuseums seinen künstlerischen Werdegang und die Hintergründe zum Stolperstein-Projekt. - © FOTO: BOHNENKAMP-SCHMIDT
Der Kölner Künstler Gunter Demnig erläutert im Dachgeschoss des Widukindmuseums seinen künstlerischen Werdegang und die Hintergründe zum Stolperstein-Projekt. | © FOTO: BOHNENKAMP-SCHMIDT

ENGER Stolpersteine geben den Opfern Namen

Gunter Demnig erläutert sein Lebenswerk

Enger (bs). Über 23.000 Stolpersteine in mehr als 500 europäischen Städten hat Gunter Demnig seit 1993 verlegt. Acht davon in Enger. Jeden einzelnen zum  Gedenken an einen Menschen, der Opfer des Nazi-Regimes wurde.

Nachdem der Bildhauer aus Köln am Freitagmorgen die Gedenksteine im Engeraner Straßenpflaster verlegt hatte (die NW berichtete), informierte er am Abend im Widukind-Museum über seinen eigenen Lebenslauf als Künstler. Dabei zeigte Demnig anschaulich auf, wie sich sein künstlerisches Schaffen konsequent bis hin zum Projekt Stolpersteine entwickelt hat, das er heute als sein "Lebenswerk" beschreibt.

Jeder einzelne Stein sei ein Kunstwerk, alle zusammen bildeten "eine dezentrale, soziale Skulptur", erläuterte er vor rund 50 Zuhörern. "Ich möchte den Opfern, die zuletzt nicht mehr als eine Nummer waren, auf diese Weise ihren Namen und ihr Gesicht zurückgeben."

Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte im 12. Jahrgang des Widukind-Gymnasiums hatten die Lebensgeschichten der Juden recherchiert, für die in Enger Stolpersteine verlegt wurden. Sie erzählten von Familien, die einst  im gesellschaftlichen Leben der Widukindstadt integriert waren - als Mitglieder im Sport- und Schützenverein oder als aktive Helfer beim Roten Kreuz. Die Aktion Stolpersteine böte "eine besondere Möglichkeit", dieser Menschen zu gedenken und zwar direkt vor Ort. Dadurch sei der persönliche Bezug viel größer als bei Gedenkstätten "in Berlin, Dachau oder Bergen-Belsen", betonten die Schüler.

Die Schwestern Stefanie und Franziska Hodde bereicherten den Informationsabend musikalisch. Mit Akkordeon und Geige spielten sie ausdrucksstarke Klezmermelodien aus der jüdischen Volksmusik und begeisterten mit dem Titelmotiv aus dem Film "Schindlers Liste".

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group