0
Leckere Sonnenblumen: Die Bienen von Imker Norbert Aschoff finden derzeit ein gutes Nahrungsangebot auf einem nahen Sonnenblumenfeld. Generell allerdings wird die Suche nach Nektar und Pollen immer schwieriger. - © Martina Chudzicki
Leckere Sonnenblumen: Die Bienen von Imker Norbert Aschoff finden derzeit ein gutes Nahrungsangebot auf einem nahen Sonnenblumenfeld. Generell allerdings wird die Suche nach Nektar und Pollen immer schwieriger. | © Martina Chudzicki

Enger Blütenpower gegen Bienensterben

Imkervereine boomen: Auch in Enger gibt es einige Neuzugänge. Norbert Aschoff sagt, was jeder gegen das Bienensterben tun kann

Martina Chudzicki
25.08.2017 | Stand 25.08.2017, 15:45 Uhr

Enger/Spenge. Sie sind fleißig, perfekt organisiert und spielen für den Menschen eine immens wichtige Rolle. Bienen begleiten den Menschen, seit er sesshaft geworden ist. Als Pflanzenbestäuber sind sie unersetzlich. Und als Lieferant von Honig bei vielen sehr geschätzt. Doch die Symbiose zwischen Biene und Mensch ist längst nachhaltig gestört. Und Schuld daran ist vor allem der Mensch. Bienen sterben massenhaft durch Pestizide, Monokulturen und den Verlust von Lebensräumen. Gleichzeitig gibt es seit einigen Jahren einen regelrechten Hype um die Biene. Kaum ein Tag vergeht, in dem das Bienensterben nicht Thema in den Medien ist, abendfüllende Spielfilme über Bienen werden zu Publikumsschlagern, ganze Ausstellungen – so wie kürzlich in Paderborn – widmen sich den Bestäubern der Welt. Und viele Imkervereine können sich vor Anfragen von Menschen, die mit der Imkerei beginnen wollen, nicht mehr retten. Norbert Aschoff sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits freut sich der Vorsitzende des Imkervereins Spenge-Enger darüber, dass es auch in seinem Ortsverein in den letzten Monaten sechs Neuzugänge gegeben hat. „Junge Leute", wie er betont. Andererseits ärgert er sich über so manchen der meint, dem Bienensterben mit „einer Bienenkiste am Balkongeländer" entgegenwirken zu können. Viele dieser vermeintlichen Bienenretter würden auf ökologische Bienenhaltung setzen und ihr Volk unkontrolliert schwärmen lassen. Mit unvorhersehbaren Folgen. Denn kämen diese Bienen in Kontakt mit anderen Völkern, würden sie oft Krankheiten übertragen. „Mit der Imkerei muss man sich eingehend befassen", sagt Aschoff, der selbst schon seit über 30 Jahren Bienen züchtet und für den dieses Hobby noch immer „Suchtfaktor" hat. Am besten, so sagt er, würden sich Einsteiger einen Imkerpaten suchen, der sie ein bis zwei Jahre begleitet und sein Wissen ganz praktisch weitergibt. „Alleine rumwurschteln mit einem Halbwissen aus dem Internet – das reicht nicht!"  Nicht jeder muss gleich Imker werden Doch man muss nicht gleich selbst Imker werden, um den Bienen beim Überleben zu helfen. Wer einen Garten hat, so Norbert Aschoff, könne mit den richtigen Pflanzen für ein breites Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten sorgen. „Und nicht gleich jedes vermeintliche Unkraut rausrupfen", sagt er. „Das hilft auch schon!" Entsetzt ist der Imker über den Trend in vielen Wohnsiedlungen, den Vorgarten mit Kies zu gestalten. „Da wächst dann nichts mehr und dann wundern sich die Leute, wenn es keine Bienen mehr gibt", ärgert er sich. Selbst wer keinen Garten, sondern nur einen kleinen Balkon hat, kann mit der richtigen Blumenmischung viel für die Bienen tun. „Überhaupt finden die Bienen in den Städten heute längst ein besseres Nahrungsangebot als auf dem Land", sagt Aschoff. Der Einsatz von Pestiziden und Neonicotinoiden in der Landwirtschaft – das ist ein Thema, das dem Imker die Zornesröte ins Gesicht treibt. „Wir schaffen es, uns selbst kaputt zu spritzen", sagt er. Manche Landwirte, so glaubt er, wüssten noch immer zu wenig über die Gifte, die sie auf ihren Feldern einsetzen, und über ihre oft gefährlichen Wechselwirkungen. „Die vertrauen oft einfach dem, was ihnen die Pharmaindustrie erzählt", vermutet er. Mit verheerenden Auswirkungen auf die Insektenvielfalt, aber letztlich, so ist Aschoff überzeugt, auch auf den Menschen. Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer: „Der Dialog zwischen Landwirten und Imkern kommt so langsam in Gang", freut sich Aschoff. Und vielleicht wird ja irgendwann sein großer Traum wahr, dass Ackerränder künftig wieder mit einem „mindestens fünf Meter breiten blühenden Ackerrandstreifen" umgeben sind. Damit mehr Pflanzenvielfalt in die Städte und Vorgärten zurückkehrt, verteilen die Mitglieder des Imkervereins Spenge-Enger seit einigen Jahren bei Veranstaltungen immer wieder kostenlos bunte Blumenmischungen. „Die sehen wunderschön aus, wenn sie blühen", sagt Aschoff. Und sie bieten einen reich gedeckten Tisch für alle Arten von Insekten. Wenn es nach ihm ginge, wären auch alle Verkehrskreisel in der Stadt und alle Straßenränder mit dieser Blütenmischung bepflanzt. „Die sind doch auch viel pflegeleichter, als die Rasenflächen, die der städtische Bauhof immer wieder mähen muss."

realisiert durch evolver group