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Neue Klänge als Maxime

Ehemaliger Kirchenmusikdirektor Hans Rudolf Siemoneit verstorben

28.10.2009 | Stand 27.10.2009, 20:23 Uhr
Am längsten und bis zu seinem Ruhestand war Hans Rudolf Siemoneit an der Pauluskirche und Laurentiuskirche in Bünde tätig.
Am längsten und bis zu seinem Ruhestand war Hans Rudolf Siemoneit an der Pauluskirche und Laurentiuskirche in Bünde tätig.

Bünde (NW). Musikalische Weggefährten, ehemalige Kollegen und Schüler, Chorsänger und Gemeindeglieder trauern mit den Angehörigen um den ehemaligen Bünder Kirchenmusikdirektor Hans Rudolf Siemoneit, der jetzt 82-jährig verstarb.

Sein Werdegang war durch ungewöhnliche Umstände geprägt und veranlasste den Kirchenmusiker, Komponisten und reflektierenden Zeitgenossen zu ungewöhnlichen Konzepten. Bereits mit 17 Jahren geriet er in Kriegsgefangenschaft, in der er seine Begabung fand, die ihm zur Berufung wurde: den Umgang mit Menschen durch die Musik.

Der jugendliche Soldat rekrutierte aus den Reihen seiner Mitgefangenen eine Chorarbeit, die viele in ihren Bann zog. Im Jahr 1947 nahm er das Studium der Kirchenmusik in Wuppertal auf, das er mit dem A-Examen abschloss. Ein Kompositionsstudium in Köln ergänzte die Voraussetzungen, um am qualifizierten Neuaufbau einer Klingenden Kirche maßgeblich mitzuwirken.

Die Fortführung der großen kirchenmusikalischen Tradition und die Notwendigkeit, Neues zum Klingen zu bringen, wurden für ihn zu bestimmenden Maximen in der Kirchenmusik. Der Landesjugendmusikwart der Badischen Landeskirche fand wesentliche Impulse für das neue geistliche Lied im Jazz. Mit dem Südwestfunk wagte er Anfang der 1960er Jahre die Aufnahme des ersten Jazzgottesdienstes. Ein Staatsanwalt reagierte darauf mit der Androhung einer Klage wegen Gotteslästerung.

In seinen Überzeugungen war Hans Rudolf Siemoneit nur durch überzeugende Argumente zu beeinflussen. Das blieb Grundlage für seine Verlässlichkeit. Die Vielfalt seiner Wirkungsfelder lässt sich an den Lebensstationen seiner beruflichen Laufbahn ablesen: Dozententätigkeiten in Bayern sowie an der Landeskirchenmusikschule in Herford, Kantorenämter an verschiedenen Kirchen, am längsten und bis zu seinem Ruhestand an der Pauluskirche und Laurentiuskirche in Bünde.

Daneben die mobile Aufgabe des Landessingwartes der Westfälischen Kirche, die ihm nach Jahren unermüdlichen Einsatzes den Titel des Kirchenmusikdirektors verlieh.

Die musikalische Praxis war stets von einem Reflektieren begleitet, das durch Veröffentlichungen in Aufsatz- oder Buchform Niederschlag fand. Im Evangelischen Gesangbuch sind eine seiner Liedvertonungen und einer seiner Kanons zu finden. Seine angegriffene Gesundheit veranlasste Hans Rudolf Siemoneit, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

Dabei blieb Geist stets wach und rege. Die Menschen, die nun von seinem endgültigen Abschied erfahren, sind unmittelbar betroffen, hat er doch aus seiner geistlichen Haltung heraus Verbindungen geschaffen, denen der Fortgang der Zeit nichts anhaben konnte.

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