Wolfgang Koch macht das Rennen

CDU-Kandidat tritt die Nachfolge von Anett Kleine-Döpke-Güse an

VON ANDREA ROLFES
Der Marathonläufer Wolfgang Koch weiß zu jubeln. Die Nervenanspannung beim Wahlkrimi im Ratssaal war ihm gestern aber deutlich anzumerken. - © FOTO: PATRICK MENZEL
Der Marathonläufer Wolfgang Koch weiß zu jubeln. Die Nervenanspannung beim Wahlkrimi im Ratssaal war ihm gestern aber deutlich anzumerken. | © FOTO: PATRICK MENZEL

Bünde. Eine steile Karriere: Noch vor einem Jahr spielte Wolfgang Koch in Bündes Kommunalpolitik keine Rolle. Nun ist der vor eineinhalb Jahren in die Partei eingetretene Christdemokrat de facto neuer Bürgermeister der Stadt. Mit 34,71 Prozent der Stimmen setzte er sich gegen fünf Mitbewerber durch. Neu in die Bünder Kommunalpolitik hat es auch die Linke geschafft. Die Partei zieht mit zwei Vertretern in den Stadtrat ein.

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Zu den Wahlergebnissen

Nach monatelangen Querelen innerhalb der Partei atmeten die Christdemokraten bei Bekanntwerden der Ergebnisse sichtlich auf. So auch Christoph Lübeck (CDU), stellvertretender Bürgermeister: "Mensch Wolfgang, mit deinem Stehvermögen hast du uns gerettet." Gewissheit, dass er ab Oktober die Fäden im Bünder Rathaus ziehen wird, hatte Wolfgang Koch erst gegen 21 Uhr. Vorher lieferte sich der Kreisgeschäftsführer beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband mit Horst Beck (SPD) ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich in die Länge zog.

Nur peu a peu erschienen die Ergebnisse auf der Wand im Bünder Rathaus. Auf den Gesichtern der SPD- und CDU-Mitglieder zeichnete sich zunehmend Nervosität ab, bis sich langsam aber sicher entschied, dass die CDU die Nase vorn hat, sowohl bei der Bürgermeisterwahl wie auch bei der Wahl des Stadtrates (34,97). Der CDU- Wahlkampfmanager Friedel Heitkamp hat dafür eine für ihn schlüssige Erklärung: "Wir haben alles richtig gemacht." Koch sei der richtige Mann gewesen. "Eine andere Entscheidung hätte uns fundamental geschadet", sagt Heitkamp mit Bezug auf die parteiinterne Diskussion um einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten mit der FDP.

Nicht weniger selbstbewusst gab sich Wolfgang Koch selbst: "Ich hab damit gerechnet, dass ich gewinnen und über 30 Prozent holen kann." Obgleich er lächelnd zugibt, während der Stimmenauszählung ins Schwitzen gekommen zu sein. Einer seiner ersten Gratulanten war sein ärgster Rivale. Horst Beck nahm sein Ergebnis (30.09 Prozent) enttäuscht zur Kenntnis. "Ich hatte in den Gesprächen, die ich geführt habe, den Eindruck, dass die SPD besser abschneiden würde." Den Grund dafür sieht Beck unter anderem im Erfolg der Grünen. "Das hat mich viele Stimmen gekostet", so Beck.

Für Elmar Holstiege, Bürgermeisterkandidat der Grünen, ist es zwar ein Trost, dass seine Partei mit 13,69 Prozent der Stimmen auf sechs Sitze kommt und sich damit zwei Mandate mehr erkämpft hat, als die Partei zuvor hatte. Trotzdem zeigt sich Holstiege auch enttäuscht: Was meine Kandidatur als Bürgermeister betrifft, lagen Wunsch und Hoffnung neben der Realität. Das muss ich akzeptieren." Holstiege erreichte 15.54 Prozent und blieb damit weit hinter den Kandidaten der großen Parteien zurück.

Überrascht und Enttäuscht über das Ergebnis zeigte sich auch Martin Lohrie. Der Kandidat der FDP erhielt 13,36 Prozent der Stimmen. "Da bin ich Demokrat, das muss ich so akzeptieren wie es ist", sagt er. Allerdings habe die Partei das Ziel erreicht, ihre Ratsfraktion deutlich zu stärken. "Bei der jetzigen Konstellation im Stadtrat beneide ich Herrn Koch nicht um sein Amt", so Lohrie.

Einen herben Verlust muss die UWG hinnehmen. Ihr erklärtes Ziel, erneut mit drei Vertretern in den Stadtrat einzuziehen, ist gescheitert. "Einen so großen Verlust haben wir nicht erwartet", sagt der Parteivorsitzende Armin Kuschel. "Wir müssen uns jetzt auf die Kernthemen konzentrieren und neu angreifen."

Die Linken haben dies bereits in Bünde getan. 4,01 Prozent der Stimmen erhielten sie dafür. Alois Stiegeler ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden: " Die politische Wende in der Stadt einzuleiten haben wir nicht geschafft", sagt der Stadtverbandsvorsitze. Wobei er sich auf spannende Auseinandersetzungen im künftigen Stadtrat freue.

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