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Angezündet: Einer der Hochsitze bei Lübbecke. - © Foto: Polizei
Angezündet: Einer der Hochsitze bei Lübbecke. | © Foto: Polizei

Kreis Herford/Kreis Minden-Lübbecke Mutmaßlicher Hochsitz-Brandstifter wegen Drogen verurteilt

Prozess: Es geht um Marihuana, Haschisch und Kokain. Die Ermittlungen wegen der 15 Feuer dauern derzeit noch an. Im Falle einer Verurteilung erwarten den Mann hohe Schadenersatzforderungen

Jobst Lüdeking
27.02.2019 | Stand 27.02.2019, 09:27 Uhr

Kreis Herford. Bis in den Mai 2018 soll er in 15 Fällen Hochsitze in den Kreisen Herford, Minden-Lübbecke und Osnabrück angezündet haben. Jetzt musste sich der mutmaßliche Täter (28) aus Bünde vorm Herforder Schöffengericht verantworten. Allerdings ging es dabei nicht um die Hochsitze, sondern um einen weiteren Vorwurf. Denn die Polizei hatte - nach dem er im Juni vergangenen Jahres gefasst worden war, bei einer Durchsuchung Drogen bei ihm gefunden: Marihuana, Haschisch sowie rund zehn Gramm Kokain. Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, genauer wegen illegalen Handels mit Drogen, saß der mutmaßliche Brandstifter jetzt auf der Anklagebank - und kam wohl mit einem blauen Auge davon. "Mein Mandant hat sich geständig zu den Vorwürfen eingelassen", bestätigte sein Bad Oeynhauser Strafverteidiger Tobias Diedrich gegenüber der Neuen Westfälischen. Der Bünder räumte die Vorwürfe ein und erhielt schließlich eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten Haft, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurden. Diedrich zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Angesichts der gesetzlich vorgesehenen Mindeststrafe von 12 Monaten lägen die 15 Monate nur leicht darüber. Verfahren wegen der 15 Brände läuft noch Allerdings laufen noch die Ermittlungen in dem Verfahren wegen Brandstiftung. Nach dem bisherigen Stand werden dem Bünder 15 Feuer zugerechnet. Danach soll er drei Mal in Groß-Aschen, vier Mal in Pr. Oldendorf, einmal in Blasheim, fünf Mal in Bünde und zwei Mal in Hücker-Aschen Brände an den Hochsitzen gelegt haben. Die Tatserie hatte im Oktober 2017 begonnen und sich dann bis in den Mai 2018 gezogen. Im Mai war der Bünder dann im Landkreis Osnabrück aufgeflogen. Hinweise auf den 27-Jährigen hatte eine Kamera geliefert, die eigentlich zur Beobachtung von Wildtieren in einem Revier aufgehängt war. Dort war der Mann auf Aufnahmen zu sehen. Danach jedoch fiel er auch Zeugen auf, die ihn in einem Revier erkannten und schließlich die Polizei alarmierten. Die Polizei durchsuchte auch den Rucksack des 28-Jährigen und entdeckte dort Spiritus, Grillanzünder - Material, wie es auch bei den Brandstiftungen verwendet worden war - und die Drogen. Hohe Schadenersatzforderungen bei Verurteilung Unklar ist bisher wohl noch, warum der Mann, der sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert hat, die Hochsitze ansteckt haben könnte. Verbindungen zu radikalen Tierrechtsverbänden gibt es bisher wohl nicht. Im Falle einer Verurteilung kommen hohe Schadenersatzforderungen auf den Bünder zu. Die Kosten pro Hochsitz liegen bei 1.000 bis 2.000 Euro. Darüber hinaus müsste er die Kosten für die vom Feuer erfassten Waldflächen und für die Löscheinsätze tragen. Damit würde sich der Schaden auf rund 30.000 Euro summieren.

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