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Auf dem Weg zu Jugend forscht: Thomas-Michael Braun (l.) betreut die Jugend-forscht-Teams seit vielen Jahren. Linus Schmidt brachte seinen Lehrer Kai Schneider zum Stutzen, als er ihm Fragen aus einem Bereich der Höheren Mathematik stellte. Für die Vorführung hat der Schüler eine schicke Bildschirmoberfläche programmiert. Foto: DUNKEL - © www.gerald-dunkel.de
Auf dem Weg zu Jugend forscht: Thomas-Michael Braun (l.) betreut die Jugend-forscht-Teams seit vielen Jahren. Linus Schmidt brachte seinen Lehrer Kai Schneider zum Stutzen, als er ihm Fragen aus einem Bereich der Höheren Mathematik stellte. Für die Vorführung hat der Schüler eine schicke Bildschirmoberfläche programmiert. Foto: DUNKEL | © www.gerald-dunkel.de

Bünde Schüler haucht Computern künstliche Intelligenz ein

Jugend forscht: Der 16-jährige Linus Schmidt vom Gymnasium am Markt tritt beim Jungforscher-Wettbewerb mit einem Computersystem an, das mit jeder Frage, die ihm gestellt wird, hinzulernt

Gerald Dunkel
30.01.2019 | Stand 29.01.2019, 18:07 Uhr

Bünde. Wer auch immer „Alexa“ nutzt, nutzt nicht viel mehr als eine Fernbedienung, die auf zuvor programmierte Sprachbefehle reagiert – nicht wirklich intelligent. Ganz im Gegensatz zu einem System, das der 16-jährige Linus Schmidt vom Gymnasium am Markt in Bünde gerade entwickelt. Das nämlich lernt mit jeder neuen Frage hinzu. Es ist ein Projekt, das in der fast 30-jährigen Geschichte des Gymnasiums am Markt bei Jugend forscht als „kleiner Diamant“ heraussticht, sagt Lehrer Thomas-Michael Braun, der die Jugend-forscht-Teams betreut. Von diesen Diamanten kann die Schule aber schon einige vorweisen. Die Idee zu einem solchen System kam dem Schüler der EF-Stufe, als er den Film „Iron Man“ sah, in dem dem Helden ein System namens Jarvis zur Seite steht, das sein Haus und seine Ausrüstung kontrolliert. „So etwas wollte ich auch“, sagt Linus Schmidt bei der Vorstellung seines Systems, das er „Ava“ getauft hat. Er fing also an zu programmieren stieß auf Herausforderungen, bei denen ihm das Erlernte aus dem Unterricht nicht weiterhalf. Als er eines Tages vor seinem Mathe-Lehrer Kai Schneider stand und fragte, ob er ihm bei einer Frage zur Matrizentechnik – ein Verfahren aus der höheren Mathematik – helfen könne, stutzte der zunächst und sagte: „Das ist jetzt aber nichts für die Schule.“ Als Schneider erfuhr, wofür der Schüler seine Informationen benötigte, schickte er ihn zu Thomas-Michael Braun. Das war ein Fall für Jugend forscht. Der Jungforscher im Bereich Informatik merkte schnell, dass die Rechenkapazität seines Computers nicht mehr reichte und fand Unterstützer in der Firma Delta Computer in Hamburg, die ihm Zugang zum eigenen System verschaffte – eine schnelle Datenleitung ins Internet war allerdings Voraussetzung. „Ich versuche, mit meiner Arbeit das menschliche Gehirn zu simulieren“, sagt Linus Schmidt. Also ein so genannte „neuronales Netz“ schaffen, das in der Lage ist, selbst zu lernen – aus Fragen und aus Fehlern. „Mein Ziel ist es dabei, dass zu jeder Frage eine möglichst gute Antwort herauskommt“, so der Schüler. Wo bei „Alexa“ eine Datenbank im Hintergrund steht, die erst mit den entsprechenden Daten gefüttert werden muss, bevor man ihr Fragen stellen kann, steht bei „Ava“ von Linus Schmidt die Offline-Version der englischen Wikipedia. Diese Daten werden von seinem System bei jeder Frage durchsucht, Verbindungen selbst hergestellt und schließlich Antwortmöglichkeiten ausgegeben. Bis „Ava“ auf gesprochene Befehle hört, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein. Momentan gibt Linus Schmidt die Fragen noch in englischer Sprache ein. Was der 16-jährige Jungforscher bislang geschaffen hat, ist nach den Worten seiner Lehrer längst Universitätsniveau. „Natürlich kann man nicht erwarten, dass das System von Linus jetzt schon so läuft wie bei einem 1.000-köpfigen Programmiererteam von Google“, sagt Kai Schneider. Wie viele Programmierzeilen er dafür schon geschrieben hat, kann Linus Schmidt nicht genau sagen und beziffert die Antwort mit „20.000 bis 30.000“. Die, die jetzt vielleicht annehmen, Linus Schmidt würde den ganzen Tag nur vor dem Rechner sitzen, die täuschen sich. Er ist ruhig und besonnen, treibt aber auch Sport und liebt Badminton. Wenn er dann aber vor dem Computer sitzt und an „Ava“ arbeitet, ist er mit ganzem Geist nur dabei. „Anders ginge das auch nicht. Man braucht etwa zwei bis drei Stunden, bis man wieder richtig drin ist“, sagt Linus Schmidt.

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