Blick ins Hauptschiff: Der erste Stuhl steht noch etwas allein in der Laurentiuskirche. Ab Sonntag ist er in der Pauluskirche zu sehen. - © Anne Webler
Blick ins Hauptschiff: Der erste Stuhl steht noch etwas allein in der Laurentiuskirche. Ab Sonntag ist er in der Pauluskirche zu sehen. | © Anne Webler

Bünde Die Laurentiuskirche erstrahlt in neuem Glanz

Sanierung: Die letzten Arbeiten werden abgeschlossen. Der erste von 128 Stühlen wurde geliefert und ist ab Sonntag in der Pauluskirche zu besichtigen. Die Gemeinde sucht Stuhlpaten, die sich mit Spenden an den Kosten beteiligen

Anne Neul

Bünde. Schön ist die sanierte Laurentiuskirche geworden, und hell. Trat man vorher in eine düstere Kirche, ist es jetzt ein heller, freundlicher hoher Raum. Und größer wirkt sie. Die Empore ist hellgrau gestrichen, die Kanten mit Blattgold veredelt, die Wände weiß verputzt, die Bodenfliesen aus Wesersandstein schräg verlegt. Modern und geschmackvoll. Im Hauptschiff steht ein Stuhl, der erste von 128, die bis Mitte August geliefert werden sollen. Sie sind aus Holz, Buche auf Eiche gebeizt, die Sitzfläche mit abriebfestem grauem Stoff bezogen, passend zur Farbe der Empore. 88 Stühle werden im Hauptschiff stehen, zwischen Orgel und Altar, jeweils acht zu einer Reihe verbunden. Die übrigen 40 Stühle werden ins Südschiff gestellt. "Wir haben auf Bänke verzichtet, weil wir so bei Veranstaltungen flexibel sind", erklärt Kirchmeister Rainer Alexander. So sei auch ein Tischabendmahl möglich. Und doch bleibt der Bankcharakter erhalten: Die Stühle werden ineinandergehängt, da die Lehne etwas breiter ist als die Sitzfläche, entstehen Bänke. Die Stühle miteinander zu verbinden sei eine Sicherheitsvorschrift, damit sie bei einer Panik nicht umherflögen, erklärt Alexander. Bis zum 17. August sollen alle Stühle geliefert sein, weil am 25. August die erste Trauung nach der Sanierung gefeiert wird. Einige Orgelpfeifen stammen aus dem Mittelalter Die Sanierung kostet insgesamt 1,3 Millionen Euro, wovon der Kirchenkreis 60 Prozent übernimmt. "Darüber sind wir sehr froh", sagt Nellissen. Der Förderverein Laurentiuskirche übernehme die Kosten für den neuen Altar und für das stilisierte Kreuz, das im Südschiff an der Wand hängt. Es besteht aus vergoldeten Messingblättern und wird von unten angestrahlt. Die Blätter nehmen das Motiv der Fenster auf, auf denen ebenfalls Blätter zu sehen sind. Die Orgel wurde komplett überholt, der Orgelbauer baut sie gerade wieder zusammen. Im Moment steht noch ein hohes verschiebbares Gerüst davor, ein paar Pfeifen liegen darauf. Einige Pfeifen stammten noch aus dem Mittelalter, sagt Alexander. Die Kanzel wurde restauriert, ebenso die drei Fenster der Künstlerin Ute Rakob über dem Altarraum. Die Bänke auf der Empore wurden aufgearbeitet, auch unter der Empore werden weiterhin Bänke stehen. An verschiedenen Stellen in der Kirche haben die Maler Rechtecke ausgelassen, in denen man die historische Bemalung der Empore und der Wände sieht - eine Vorgabe der Denkmalbehörde. Überhaupt hätten die Maler eine spezielle Farbe verwendet, die sich auch wieder abtragen lasse, um die Original-Bemalung wieder freizulegen, sagt Gaby Körber vom Presbyterium. Der Ausschnitt an der Empore zeige die Bemalung aus der Jugendstilzeit nach 1904, die rot-weiße Bemalung in der Aussparung am Fensterbogen darüber stamme noch aus dem Mittelalter, vermutet Alexander. Kirchturm wurde um 1170 erbaut Bis auf zwei Meter Höhe wurde die Kirche von innen neu verputzt und gestrichen, in dem Gewölbe unter dem Kirchturm haben die Handwerker die Mauern teilweise freigelegt. Deckenstrahler hüllen es in warmes Licht. Vier Jahre haben die Sanierungsarbeiten gedauert, im Dezember 2009 seien sie zum ersten Planungstreffen zusammengekommen, sagt Alexander. Um ein Jahr haben sich die Arbeiten verzögert. Der Turm sei der älteste Teil der Kirche in ihrer heutigen Form. Er stamme aus der Zeit um 1170. Ursprünglich sei es wahrscheinlich ein Wehrturm gewesen. Die Laurentiuskirche sei in der Zeit von Karl dem Großen gegründet worden, um 700, der Karolingerzeit. Es sei kein reicher Kirchensitz gewesen, weshalb die Laurentiuskirche so schlicht sei. Der Kalkmörtel des Turms werde zur Zeit mit der Radiokarbon (C14)-Methode untersucht, Alexander rechnet mit den Ergebnissen im August/September. Die erste Urkunde sei auf das Jahr 865 datiert. Leider seien nur wenige Schriftstücke erhalten, es sei in Bünde wenig geschrieben worden. Im September erscheint ein Buch über die Laurentiuskirche, mehrere Historiker haben gemeinsam daran gearbeitet. Es wird weitere Geheimnisse und Mosaiksteine der Geschichte der Laurentiuskirche darlegen.

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