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Horst W. Krumsiek kann mit seinem Rollstuhl am Tönnies-Wellensiek-Platz problemlos in den Stadtbus einsteigen. Der Busfahrer hat dazu den absenkbaren Ein- und Ausstieg betätigt. Nicht alle Busse verfügen über eine solche Einrichtung, was an anderen Haltestellen Probleme bereiten kann. FOTO: DIETER SCHNASE
Horst W. Krumsiek kann mit seinem Rollstuhl am Tönnies-Wellensiek-Platz problemlos in den Stadtbus einsteigen. Der Busfahrer hat dazu den absenkbaren Ein- und Ausstieg betätigt. Nicht alle Busse verfügen über eine solche Einrichtung, was an anderen Haltestellen Probleme bereiten kann. FOTO: DIETER SCHNASE

Bünde Ohne Hindernisse in den Bus

Barrierefreiheit wird wichtiger / Bis 2022 muss auch Bünde neues Personenbeförderungsgesetz umsetzen

VON DIETER SCHNASE
21.08.2014 , 06:35 Uhr

Bünde. Wie gut Haltestellen, Busse oder Bahnen für Menschen geeignet sind, deren Bewegungsspielraum eingeschränkt ist, können vor allem die Betroffenen selbst - Rolli-Fahrer ebenso wie Mütter mit Kinderwagen - beurteilen. Nach der Neufassung des Personenbeförderungsgesetzes müssen Anlagen des ÖPNV bis 2022 barrierefrei zugänglich sein. Damit macht der Gesetzgeber erstmals eine zeitliche Vorgabe. Wie weit ist die Stadt Bünde schon in dieser Hinsicht gerüstet?, wollte die NW wissen.

Eine wichtige Voraussetzung für ein barrierefreies Ein- und Aussteigen ist die Ausstattung der Busse selbst. Bei den Stadtbussen handelt es sich nach Auskunft von Alfred Würzinger, Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft Bünde mbH (SVB), um sogenannte Niederflurfahrzeuge. "Diese Busse haben keine Stufen, so dass mobilitätsbehinderte Personen ohne Behinderungen einsteigen können."

Des Weiteren verfügten die Stadtbusse über einen "Kneeling-Ausstieg". Was bedeute, dass der Bus auf seiner rechten Seite für den Ein- und Ausstiegs absenkbar sei, sodass Bus und Bordstein beim Ein- und Aussteigen annähernd höhengleich seien.

Darüber hinaus sind nach Worten Würzingers die Stadtbusse mit einer Rollstuhlrampe ausgestattet. "Diese ermöglicht, dass zum Beispiel Rollstuhlfahrer mit eigener Kraft ein- und aussteigen können. Die Ein- und Ausstiege der Busse sind so breit konzipiert, dass Rollstuhlfahrer diese passieren können." Außerdem gebe es Rollstuhlplätze mit Gurten zur Fixierung der Rollstühle in den Bussen. Die Stadtbusse seien auf dem neuesten Stand der Technik.

Über die Niederflurtechnik verfügen auch die Regionalbusse nach Kirchlengern und Rödinghausen, wurde seitens der Omnibus-Verkehrsgesellschaft (OVG) Bollmeyer bestätigt. Das gilt ebenso für die Bahn-Busse zum Beispiel von und nach Herford (Linie 646), so Sigrun Richter, beim Busunternehmen BVO für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Fahrzeuge sind für sie nicht das Problem, wohl aber mangele es in etlichen Kommunen noch an der Infrastruktur. "Die Zeitmarge ist schon eng." Was den Stadtbus angeht, sind laut Alfred Würzinger die Haltestellen mit Bordstein in Verbindung mit dem Bus annähernd höhengleich. "Bei den Haltestellen ohne Bordstein ist über die Kneeling-Funktion und die Rollstuhlrampe der Busse der Fahrgastumstieg für mobilitätsbehinderte Fahrgäste problemlos möglich", so der SVB-Geschäftsführer.

Horst W. Krumsiek, Vorsitzender des Rolli-Clubs Bünde, kennt die Situation aus eigener Erfahrung. Alle Busse hätten zwar ausklappbare Rampen - nicht alle seien aber zu 100 Prozent rollstuhlfahrergerecht ausgerüstet. So solle man sich in manchen Bussen gegen die Fahrtrichtung aufstellen die Bremse des Rollstuhls anziehen. "Wenn der Bus anfährt, hat man kaum eine Chance, sich zu halten." Es fehle mitunter an Befestigungsmöglichkeiten. Die Fliehkräfte sind schon gewaltig", sagt Krumsiek. In dem an vielen Stellen erhältlichen Stadtführer für Menschen mit Behinderung werde auch über geeignete Haltestellen informiert. In Bünde gebe es bislang nur wenige mit Hochborden.

Zwei Mütter mit Kinderwagen äußerten bei ihrem Rundgang durch Bünde in Sachen Kinderfreundlichkeit ebenfalls Kritik an Bussen und Bahnen (die NW berichtete). Im Schulverkehr seien sie mittags so voll, dass man mit einem Kinderwagen keinen Platz habe, so Martina Beneke. "Wer mit dem Zug von Bünde aus fahren will und zu den hinteren Gleisen muss, hat schlechte Karten, weil es außer der Treppe keine weiteren Möglichkeiten gibt, dorthin zu gelangen", ist sie sich mit Joana Klingberg einig. Das Zugproblem besteht allerdings die längste Zeit - der Bahnhof wird wie berichtet barrierefrei umgebaut.

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