Amtsinhaber Wolfgang Koch (CDU), links, tritt am 15. Juni gegen Horst Beck (SPD) an. - © FOTO: KLÜTER
Amtsinhaber Wolfgang Koch (CDU), links, tritt am 15. Juni gegen Horst Beck (SPD) an. | © FOTO: KLÜTER

Bünde Stichwahl zwischen Horst Beck (SPD) und Wolfgang Koch (CDU)

Kein Bürgermeisterkandidat erreicht die absolute Mehrheit

VON ANNIKA FALK (TEXT) UND THOMAS KLÜTER (FOTOS)

Bünde. Das Kopf-an-Kopf-Rennen war abzusehen. Doch am Ende des Wahlabends wurde es wirklich sehr spannend. Erst kurz nach 22 Uhr war klar: Amtsinhaber Wolfgang Koch (CDU) verpasst mit 48,23 Prozent der Stimmen nur knapp die absolute Mehrheit und muss am 15. Juni gegen seinen Herausforderer Horst Beck (SPD) antreten, der gestern 40,53 Prozent holte.

Eyüp Odabasi (Grüne) erreichte 11,52 Prozent. "Da kann man nur Glückwunsch sagen, das ist ein bemerkenswertes Ergebnis", sagte Horst Beck, der nun hoffen mag, dass die Unterstützer der Grünen in drei Wochen für ihn stimmen. "Unsere Wähler sind schlau, die wissen genau, wen sie dann wählen müssen", so Odabasi diplomatisch. Eine Wahlempfehlung werde seine Fraktion den Wählern nicht geben.
Dennoch will die SPD Gespräche mit Bündnis 90/Die Grünen führen. "Wir müssen jetzt hoffen, dass wir die Stimmen zu uns holen", sagte Beck, der dann mehr Stimmen hätte als Wolfgang Koch.

Zu Beginn des Wahlabends waren die Bünder Sozialdemokraten noch positiver gestimmt, tosender Applaus brandete auf, als ihr Bürgermeisterkandidat den Ratssaal betrat. Unter großem Jubel feierte die SPD die ersten geholten Direktmandate. Doch mehr und mehr zeichnete sich ein Patt zwischen den beiden "Großen" ab. Am Ende ist klar: CDU und SPD haben künftig jeweils 15 Sitze im Stadtrat.

Der große Verlierer des Abends war die FDP, die weniger als die Hälfte der Stimmen von 2009 holte. "Wir haben gehofft, dass wir die gleiche Stärke wie in der letzten Wahlperiode im Stadtrat erreichen", sagte FDP-Fraktionschef Martin Lohrie. "Doch damals sind wir mit dem Bundestrend mitgeschwommen, dieser hat uns diesmal auch nach unten gezogen." Die Liberalen wollen jetzt sowohl mit Wolfgang Koch als auch mit Horst Beck sprechen, wen sie unterstützen könnten, so Lohrie.

Der amtierende Bürgermeister Wolfgang Koch zeigte sich zufrieden mit seinem Ergebnis. "Vor fünf Jahren hatte ich nur 34 Prozent", so Koch, dem damals eine einfache Mehrheit für den Sieg reichte. "Wer realistisch war, dem war klar, dass eine Stichwahl wahrscheinlich ist."
Fraktionsübergreifende Enttäuschung herrschte angesichts einer geringen Wahlbeteiligung von 49,94 Prozent. Nicht mal die Hälfte der Bünder Wahlberechtigten gaben gestern ihre Stimme ab. "50 Prozent der Bürger interessiert wohl nicht, wer sie politisch und als Bürgermeister vertritt", war CDU-Fraktionschef Georg Kruthoff enttäuscht. "Das ist einfach nur traurig", sagte Armin Kuschel, dessen UWG einen Sitz mehr als 2009 ergattern konnte.

Da es keinem der drei Kandidaten gelang, mehr als 50 Prozent der Stimmen zu holen, müssen die Wähler in drei Wochen erneut zur Wahl. In den nächsten Tagen wird es wohl wichtige Gespräche von CDU und SPD mit den kleineren Parteien geben. Entscheidend wird dann sein, wer die meisten Wähler erneut von einer Stimmabgabe begeistern kann. Der Wahlkampf in Bünde geht also in die Verlängerung. Es bleibt spannend, der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Favoriten ist groß: Nicht mal für ein gemeinsames Foto waren Koch und Beck bereit.

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