Die beiden Bauhof-Mitarbeiter Dieter Brummel (l.) und Uwe Westhoff bei der Verlegung der Messing-Erinnerungstafel an den ehemaligen Verler Bürger Fritz Hope vor dem Haus Schmalenstroer an der Hauptstraße 33. - © FOTOS: ROLAND THÖRING
Die beiden Bauhof-Mitarbeiter Dieter Brummel (l.) und Uwe Westhoff bei der Verlegung der Messing-Erinnerungstafel an den ehemaligen Verler Bürger Fritz Hope vor dem Haus Schmalenstroer an der Hauptstraße 33. | © FOTOS: ROLAND THÖRING

Verl "Niemals vergessen"

Vor dem Haus Hauptstraße 33 erinnern jetzt vier Stolpersteine an das Schicksal der Familie Hope

VON ROLAND THÖRING

Verl. Die Erinnerung an die von den Nationalsozialisten verfolgte und ermordete Verler Familie Hope ist jetzt an einem Platz vereint. Gestern ließ der Heimatverein vor dem Haus Schmalenstroer an der Hauptstraße 33 einen sogenannten Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig für Fritz Hope setzen - zwischen den bereits hier im April angebrachten beschrifteten Messingplatten zur Erinnerung an dessen Schwestern Auguste und Anna Toni sowie die gemeinsame Mutter Laura.

Während Auguste Altmann in den Freitod getrieben, Laura Hope in Theresienstadt und Anna Toni Wichelhausen in Auschwitz ermordet worden waren, hatte Fritz Hope die Juden-Verfolgung dank der Flucht über die Niederlande nach Brasilien überlebt. Der Heimatverein setzte den Erinnerungsstein im Gehweg vor dem Haus Schmalenstroer deshalb mit zeitlichem Abstand zu den anderen drei Stolpersteinen. Doch solle in gleicher Form an Fritz Hope erinnert werden wie an die ermordeten Familienmitglieder, stehe er doch exemplarisch für die Judenverfolgung auch in Verl, sagte Heimatvereinsvorsitzender Matthias Holzmeier im Rahmen der feierlichen Verlegung des Stolpersteins. Fritz Hope sei wie Mutter und Schwestern "Opfer und gebrochene Person".

1894 als zweites Kind der Familie geboren, hatte Fritz Hope das Rietberger Progymnasium besucht und als Soldat für Deutschland im Ersten Weltkrieg gekämpft. Er studierte Elektrotechnik, wurde als Beamter in den Staatsdienst übernommen und arbeitete ab 1930 als Gewerbeassessor beim Aufsichtsamt in Düsseldorf, bis er 1935 entlassen wurde.

Die Pogromnacht am 9. November 1938 erlebte Fritz Hope als Besucher in seinem Elternhaus in Verl. Als die SA in das Haus eindrang, konnte er sich zu seinem Nachbarn Konrad Schmalenstroer flüchten, der ihn in einem Kleiderschrank versteckte. Wenige Tage später wurde Fritz Hope jedoch festgenommen und in Buchenwald inhaftiert. Nach seiner Freilassung einen Monat später ging er ins Exil nach Brasilien, von wo aus er 1949 zurückkehrte. Hope starb 1951 in Aachen.

Den Anstoß für die Verlegung der Stolpersteine in Verl hatte eine Fahrt von Hauptschülern zur Grammar School im englischen Loughborough gegeben, bei der die jungen Leute an einer Holocaust-Gedenkfeier teilgenommen und mit Überlebenden der Gräueltaten gesprochen hatten. Die Einladung dazu kam von Anthony Gimpel, einem Mitglied der Familie Hope.

Gimpel war aus Anlass der Stolperstein-Verlegung gemeinsam mit seiner Frau Ann aus England angereist. Wie die Heimatvereinsvorsitzende Regina Bogdanow sei er erst nach dem Krieg geboren. "Sie hat nichts getan, und mir persönlich ist nichts geschehen - trotzdem haben wir gemeinsam dieses schreckliche Erbe bekommen", mahnte er wie zuvor Verls stellvertretender Bürgermeister Josef Lakämper, die Geschichte nie zu vergessen.

So bewegend wie seine Rede, so bewegt seine Abschiedsworte, die er an die verfolgten und ermordeten Mitglieder der Verler Familie Hope richtete, nachdem der vierte Gedenkstein gesetzt war: "Ruhet jetzt in Frieden."

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group