Verl Als der Erste Weltkrieg nach Verl kam

Der Heimatverein bereitet Veranstaltungen zum Gedenken an 100 Jahre Erster Weltkrieg vor

Von Roland Thöring
Der Heimatverein will im Oktober mit einer ersten Vortragsveranstaltung an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnern. Gezeigt werden sollen in einer kleinen Ausstellung auch ein paar Exponate aus jener Zeit, wie diese eiserne Schutzhülle für eine Taschenuhr von 1914, die Vorsitzender Matthias Holzmeier hier präsentiert. "Eisen zur Ehr" steht auf der Uhrenkette, die der damalige Besitzer als Dank erhielt, weil er die eigentlich goldene zur Kriegsfinanzierung abgab. - © FOTO: ROLAND THÖRING
Der Heimatverein will im Oktober mit einer ersten Vortragsveranstaltung an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnern. Gezeigt werden sollen in einer kleinen Ausstellung auch ein paar Exponate aus jener Zeit, wie diese eiserne Schutzhülle für eine Taschenuhr von 1914, die Vorsitzender Matthias Holzmeier hier präsentiert. "Eisen zur Ehr" steht auf der Uhrenkette, die der damalige Besitzer als Dank erhielt, weil er die eigentlich goldene zur Kriegsfinanzierung abgab. | © FOTO: ROLAND THÖRING

Verl. Am Ölbach begann der Erste Weltkrieg am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland. Der Gestellungsbefehl, mit dem die ersten acht Verler Kriegsteilnehmer in ihre Kaserne einberufen wurden, trägt das Datum 31. Juli 1914; am Tag darauf befand sich das Kaiserreich im Krieg. Das Dokument ist eines der Zeitzeugnisse, die der Arbeitskreis des Heimatvereins zur Aufarbeitung der lokalen Geschehnisse im Ersten Weltkrieg zusammengetragen hat.

Mit einem Vortrag wollen die Heimatfreunde am 23. Oktober den Reigen von Veranstaltungen zum Gedenken an 100 Jahre Erster Weltkrieg eröffnen. Vorsitzender Matthias Holzmeier, Josef Freise, Bernhard Klotz, Annette Kröning und Elisabeth Pieper sowie Stadtarchivarin Annette Huss haben sich durch die Archive gearbeitet: "Die Quellenlage ist bis in die Nachkriegszeit erstaunlich gut", sagt Holzmeier. Zur Einführung wollen die Mitglieder des Arbeitskreises einzelne Aspekte in kurzen Referaten beleuchten. Welche weiteren Veranstaltungen bis 2018 folgen, stehe noch nicht fest, sagt Holzmeier. "Wir werden aber weiter am Thema arbeiten." Ob es eine eigene Ausstellung des Heimatvereins geben wird, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass einzelne Zeitzeugnisse im Heimathaus im Laufe der nächsten Monate gezeigt werden.

So hat Matthias Holzmeier beispielsweise einige Feldpostkarten Ernst Meurins aufgespürt. Der Autor und Bornholter Lehrer verschickte sie von der Front in die Heimat an einen Freund und Kollegen. Sie zeigen Meurin mit anderen Soldaten im Schützengraben oder geben ein Gedicht wieder, mit dem er ein Preisausschreiben zum "eisernen Reinoldus von Dortmund" gewonnen hatte. Zur Sammlung gehören weiter ein Militärpass eines Verler Bürgers, Kriegsorden sowie Ringe, Medaillen und Taschenuhrhüllen aus Eisen – der Dank des Vaterlands an Bürger, die halfen, den Krieg mitzufinanzieren, wie Inschriften verraten: "Gold gab ich zur Wehr, Eisen bekam ich zur Ehr".

Dass der Krieg auch fernab der Front in Verl Folgen hatte, zeigen nicht nur die inzwischen zusammengetragenen mehr als 350 Namen gefallener Bürger. Belege für einen "Hurra-Patriotismus" in Verl haben die Heimatfreunde bislang nicht gefunden, wohl aber Dokumente, die von den Einschnitten im dörflichen Leben berichten. So mussten die Schulferien in Verl verlängert werden, weil die Männer zum Einbringen der Ernte fehlten und jede Hand gebraucht wurde. Im St.-Anna-Hospital wurden ab 1915 verwundete Soldaten behandelt, und im gleichen Jahr richtete das Kriegsgefangenenlager Sennelager in der Verler Schützenhalle eine Außenstelle für 80 Männer ein.

Ein Zeitzeugnis ist im Verler Ortskern noch heute präsent: das Kriegerehrenmal, steingewordener Abschluss des Ersten Weltkriegs, 1923 vom Kriegerverein im Geist der im Feld unbesiegten deutschen Armee auf dem Denkmalplatz errichtet.

Im Zusammenhang mit der Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren überlegt der Heimatverein, die Gestaltung des Gedenkraums im Heimathaus zu überarbeiten. Matthias Holzmeier wünscht sich eine bessere Kommentierung der Exponate, zu denen die fünf Ehrentafeln mit den Namen der Kriegsteilnehmer und Gefallenen aus dem Amt Verl gehören.

Wer dem Heimatverein weiteres historisches Material (z. B. Fotos, Tagebücher) zur Verfügung stellen möchte, kann sich melden bei Matthias Holzmeier, Tel. (0 52 46) 93 66 33.

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