Der Fernsehturm im Teuto. - © Susanne Brinkmann
Der Fernsehturm im Teuto. | © Susanne Brinkmann

Steinhagen Snacks aus dem Funkturm: Das ist der höchste Kiosk weit und breit

In dritter Generation betreibt Susanne Brinkmann neben dem Fernsehturm auf dem Teuto ihren Kiosk mit Aussicht - wenn nötig, trägt sie die Wasserkisten sogar auf dem Rücken auf die Hünenburg-Kuppe

Steinhagen. Jeder Steinhagener kennt ihn. Aber viele haben den Kiosk von Susanne Brinkmann noch nie betreten. Immerhin braucht es einen kräftigen Fußmarsch – am besten von Peter auf’m Berge aus – um das markante Gebäude zu erreichen. Der höchste Kiosk der Umgebung liegt im ausgemusterten Funkturm, direkt neben dem "Fernmeldeturm Hünenburg" auf dem Teuto-Kamm. Höhe: 360 Meter über Normalnull. Dass der hungrige Wanderer an diesem doch ungewöhnlichen Ort überhaupt einen Kaffee bekommt, ist der Familientradition von Susanne Brinkmann zu verdanken. Alte Steinhagener werde sich vielleicht noch erinnern, dass auf der Kuppe früher der Drei-Kaiser-Turm aus dem 19. Jahrhundert stand. Das ehrwürdige Wahrzeichen wurde schändlicherweise im Jahre 1952 abgerissen, um Platz für einen hochmodernen Fernmeldeturm für die Deutsche Bundespost zu schaffen. „Damals hat mein Großvater mitgebaut", weiß Susanne Brinkmann zu berichten. "Wirklich lohnen tut es sich nicht" Ihr Großvater, Helmut Wiebracht, war in der Region vielen als "der Türmer" bekannt. 35 Jahre lang betreute er Kiosk und Aussichtsplattform. Als der Großvater nicht mehr konnte, übernahm Brinkmanns Mutter den Fernsehturm. Als auch deren Zeit gekommen war, übernahm die heute 55-Jährige das Turmerbe. Bereits seit 2006 hält sie nun den Kiosk am Leben. „Man muss das als Hobby sehen", sagt sie. „Wirklich lohnen tut es sich nicht." Das ganze Jahr über öffnet die aktuelle "Türmerin" samstags von 13 bis 17.30 Uhr, sonntags bereits ab 11 Uhr. „Aber nur bei gutem Wetter", betont die 55-Jährige. Gutes Wetter kann im Winter aber natürlich auch mal Schnee bedeuten. „Manchmal ist es wirklich schwierig. Wenn die Straße im Winter vereist ist, muss ich das Wasser schon mal zu Fuß hoch tragen." Trotzdem liebe sie ihr Hobby. „Und wenn es schneit, ist manchmal sogar mehr los als im Sommer." Das Wasser braucht sie für den Kaffee. Fließendes Wasser gibt es derzeit nicht. Dafür heiße Schokolade, Schokoriegel, Limo und natürlich Eis. "Von außen sieht es etwas usselig aus" Einen pittoresken Kiosk mit frisch gebackenem Kuchen und Jugendstilmöbeln sollte der neugierige Besucher allerdings nicht erwarten. Das gibt auch die Betreiberin zu. „Von außen sieht es etwas usselig aus", sagt die Türmerin. Immerhin ist ihr Kiosk in erster Linie ein Funktionsbau. Aus Stahlbeton wurde der knapp 30 Meter hohe Fernsehturm in der 1960ern gebaut. Auf Charme hat damals niemand geachtet. Den haben erst die drei Kioskbetreiber mitgebracht. Eine Holzvertäfelung, Blumen und ein großes Wandgemälde vom historischen Drei-Kaiser-Turm machen die runde Stube etwas wohnlicher. In den oberen Stockwerken ist ein kleines Museum eingerichtet. Queller Heimatforscher stellen Fotos aus der langen Geschichte des Berges aus. Sie zeigen das alte Berghotel, die altgeschichtliche Entwicklung der eigentlichen Hünenburg oder auch den "Ersten deutschen Rundflug" des legendären Segelfliegers "Taube". Ach so, Leihferngläser zu einem Euro gibt es im Kiosk übrigens auch. Denn bei gutem Wetter reicht der Blick von der Aussichtsplattform auf dem Turmdach bis zu den Beckumer Zementwerken oder vielleicht sogar zum Münsteraner Fernmeldeturm. Also: Der Berg ruft!

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