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SHS Appell gegen militärische Intervention in Syrien

Redner der Mahn- und Gedenkfeier auf Ehrenfriedhof beschwören Frieden und Versöhnung

09.09.2013 | Stand 08.09.2013, 19:50 Uhr
Am sowjetischen Mahnmal auf dem Ehrenrfriedhof legten Vertreter der russischen und weißrussischen Konsulate einen Kranz nieder. - © FOTO: KEMNA
Am sowjetischen Mahnmal auf dem Ehrenrfriedhof legten Vertreter der russischen und weißrussischen Konsulate einen Kranz nieder. | © FOTO: KEMNA

Schloß Holte-Stukenbrock (kem). Ein einhelliges Votum gegen eine militärische Intervention in Syrien gab es auf der Mahn- und Gedenkfeier auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof anlässlich des Antikriegstags. "Es gibt keine Entschuldigung für einen Giftgaseinsatz, aber dieses Verbrechen kann man nicht vergelten, wenn man Bomben auf Syrien abwirft", sagte Uli Sander unter dem Beifall der rund 250 Besucher.

Die Hauptredner zur Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock am Samstag waren verhindert: Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Dr. Silvio Peritore, als Hauptredner vorgesehen, hatte kurzfristig aus persönlichen Gründen abgesagt. Lühr Henken, Sprecher des Bundesausschusses Kasseler Friedensratschlag, steckte im Stau, seine Rede las Jochen Schwabedissen, langjähriger stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises vor. Er machte deutlich, dass die Rüstungsindustrie in Deutschland boomt. "Exporte von Waffen "Made in Germany" fördern Kriege! Unser Land macht sich dadurch mitschuldig."

Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises, gedachte nach der Kranzniederlegung der 65.000 Rotarmisten, die in dem größten in Deutschland eingerichteten Lager für sowjetische Soldaten zu Tode gequält wurden. Er erinnerte an Georgi Kholny, einen ehemaligen Kriegsgefangenen in Stukenbrock, dem "die Versöhnung zwischen Deutschen und Russen eine Herzensangelegenheit" war und im Juli im Alter von 92 Jahren in Moskau starb. Schwabedissen dankte den Vertretern der "Völker der Sowjetunion", die zu der Feier gekommen waren. "Sie sind ein leuchtendes Zeichen dafür, dass sich Feindschaft in Freundschaft verwandeln kann."

Uli Sander, Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, forderte die Bestrafung aller noch lebenden Verbrecher aus SS und Wehrmacht. Eine Intervention in Syrien könne einen internationalen Flächenbrand auslösen, warnte er. Anna und Lena sprachen für das "Antifa- Workcamp, das am Wochenende neben dem Friedhof stattfand und auf dem sich junge Leute in Vorträgen, einem Zeitzeugengespräch und Arbeitsgruppen mit der Geschichte des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, den Verbrechen des Nationalsozialismus und dem heutigen Rechtsextremismus befasst haben. "Wir finden es toll, dass dieses Jahr so viele Menschen hier für Gerechtigkeit kämpfen", sagten die jungen Mädchen und wandten sich gegen Ausländerfeindlichkeit, Vorurteile und Auswüchse des Kapitalismus.

"Von dieser Mahn- und Gedenkveranstaltung wollen wir einen Appell an die Menschen in Deutschland senden, sich einzusetzen gegen einen neuen Krieg in Syrien", sagte Werner Höner, langjähriger erster Vorsitzender des Arbeitskreises. Stattdessen solle auf dem Verhandlungswege der Konflikt beigelegt werden. Großer Beifall brandete auf und mit der Friedensbotschaft von John Lennon "Give peace a chance" verließen die Besucher den Friedhof.

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