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Schloß Holte-Stukenbrock "Erst einmal Kino genießen"

Im Rhythmus-Filmtheater werden Filme noch von der Rolle gezeigt

VON GUNTER HELD
15.08.2013 | Stand 14.08.2013, 19:15 Uhr
Kinobetreiber Frank Becker.
Kinobetreiber Frank Becker.

Schloß Holte-Stukenbrock. Es ist eine der letzten Bastionen analoger Technik in Zeiten immer dominierender Digitalisierung. Die Filme, die das Rhythmus-Filmtheater an jedem Sonntag und Dienstag zeigt, werden mit Hilfe großer Projektoren abgespielt. Und die Filmrollen haben einen Durchmesser von hundert Zentimetern. Doch die Technik schreitet schneller voran, als es Betreiber Frank Becker vermutet hat.

Die Filmrollen verschwinden, die digitale Vorführtechnik hält Einzug. Und die ist eigentlich viel zu teuer für Becker, der neben dem Rhythmus-Filmtheater auch noch das Melodie in Brackwede und das Odin in Bad Lippspringe betreibt. Für die Festplattentechnik, die jetzt en vogue ist, müsste er pro Kino 60.000 Euro investieren. "Das ist nicht finanzierbar", sagt Becker im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.

Information

10.000 Filme im Archiv

Von Endzeitstimmung ist im Rhythmus-Filmtheater noch nichts zu merken. Erst einmal läuft alles weiter, wie bisher: Vorstellungen sind sonntags und dienstags. Falls im kommenden Jahr die Umstellung auf die digitale Vorführtechnik nicht geleistet werden kann, wäre laut Frank Becker eine Alternative, ein- bis zweimal pro Monat Filme aus dem großen Fundus des Medienarchivs Bielefeld zu zeigen. Dieses Archiv ist aus der Frank-Becker-Stiftung hervorgegangen und verfügt über 10.000 analoge Filme. Die hat Cineast Becker in 39 Jahren gesammelt und im Jahre 2010 für sein Engagement den Kulturpreis des Landes NRW bekommen. Ins Rhythmus-Filmtheater kommen jährlich 1.600 Besucher. (guh)

Bis zum Jahresende bleibt alles, wie es ist. Erst einmal sollten wir weiterhin das Kino genießen", sagt der 53-Jährige. Und selbst wenn bis Anfang nächsten Jahres noch keine Lösung gefunden ist, will er die großen Projektoren in der Realschule nicht abbauen lassen. "Techniker, die sich damit auskennen, gibt es fast nicht mehr", sagt Becker. Noch werden die Projektoren von Mitgliedern des Rhythmus-Kinovereins bedient. Ein Film besteht aus zwei bis vier großen Filmrollen, und die müssen während der Vorführung gewechselt werden.

Doch selbst wenn die digitale Vorführtechnik mit Festplatten finanziert werden könnte, stehen noch bauliche Veränderungen an. "Die neue Technik produziert so viel Wärme, dass der Technikraum klimatisiert werden muss und ich bezweifle, ob es dafür so schnell eine Baugenehmigung gibt", gibt Becker zu bedenken.

Die – relativ – preiswerte Alternative sei ein Abspielgerät für Blu-Rays, einer Weiterentwicklung der DVD, und ein entsprechender Beamer. Diese Aufrüstung würde 5.000 Euro kosten. Das Problem dabei: Die Programmkinos würden die Blu-Rays erst bekommen, wenn sie auch auf dem Verbrauchermarkt angeboten werden. "Das ist für uns viel zu spät", sagt Becker. Doch die Verleiher zeigen sich wenig entgegenkommend. Becker berichtet von einem Gespräch mit einem Vertreter der Gilde deutscher Filmkunsttheater: "Die sind in Verhandlungen mit den Verleihern, machen einem aber wenig Hoffnung."

Becker zieht einen Vergleich zum Jahr 1929. "Damals wurde der Tonfilm eingeführt – und viele kleine Stummfilmkinos mussten schließen, weil die Kosten für eine Tonübertragung nicht finanzierbar waren. Ähnliches könnte jetzt mit der Einführung digitaler Vorführtechnik passieren."

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